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Neuzugang Stefan Wagner im Interview

„Der Trainer war mein Abwehrchef“

wagner guben

Er ist der neue Mann zwischen den Wölfe-Pfosten. Stefan Wagner (33) kehrte in diesem Sommer nach einer achtjährigen Pause ins Handballtor zurück. Dabei trifft er im Wolfsrudel auf einen alten Bekannten. Trainer Matthias Wehlmann und Wagner haben damals noch gemeinsam auf dem Feld gestanden. Im Interview erklärt der Keeper, warum er mit Wehlmann damals über die Abwehr diskutierte, warum er nach so einer langen Pause wieder ins Tor zurückkehrt und was er von seinen beiden Nebenmännern hält. Mehr...

 

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Stefan, im Pokal geschont, gegen Dahlewitz im Urlaub. Jetzt also dein 1. Heimspiel im dritten Anlauf. Wie groß ist die Vorfreude auf den ersten Auftritt daheim?
Wagner:
Die Vorfreude ist riesig, weil wir nicht als Favorit ins Spiel gehen und ich solche Herausforderungen mit dem eigenen Publikum im Rücken sehr mag. Außerdem ist man nach einer langen Vorbereitung immer motiviert, vor den eigenen Zuschauern ein gutes Spiel abzuliefern.

Auswärts warst du bereits aktiv, hast in Guben einen guten Einstand gefeiert. Wie zufrieden warst du mit deinem ersten Pflichtspiel nach acht Jahren
Wagner: Grundsätzlich war die Leistung nach acht Jahren Pause und nur drei Monaten Training schon ganz ordentlich gewesen. Aus meiner Sicht hätte ich aber noch vier bis fünf Bälle mehr halten können. Von daher ist auf jeden Fall noch Steigerungspotenzial da. 

Du hast viele Jahre Pause gemacht. Wie ist das Gefühl, wenn man dann plötzlich wieder in die Vorbereitung startet? Ist man da voller Elan oder eher etwas eingerostet?
Wagner: Ich bin auf jeden Fall voller Elan, ansonsten würde ich den Aufwand neben meinem sehr zeitintensivem Job auch nicht auf mich nehmen. Obwohl ich auch ehrlicherweise feststellen muss, dass man nach so einer langen Pause schon etwas eingerostet ist und das Training sowie die Spiele mit einigen Schmerzen verbunden sind. 

Mit Matthias hast du einen Trainer, mit dem du damals gemeinsam als Spieler auf dem Feld standest. Wie ist das, von ihm plötzlich die Anweisungen zu bekommen?
Wagner: Das war anfangs schon etwas gewöhnungsbedürftig für mich. Ich habe in einigen Situationen selber gemerkt, dass ich mich als Spieler unter dem Trainer Matthias etwas zurücknehmen muss und die Vorgaben zu akzeptieren habe. Das soll und wird in Zukunft aber kein Problem mehr sein.

Warum zurücknehmen?
Wagner: Es ist immer komisch, wenn man in einer Mannschaft zusammengespielt und auch privat viel miteinander unternommen hat und auf einmal sagt nur einer beim Handball, wo es lang geht. 

Wir kennen den Coach nur als Trainer. Wie war er damals als Spieler? Auch schon einer, der das Sagen hatte?
Wagner: Matthias war zu Zeiten beim Ludwigsfelder HC und Grün-Weiß Werder mein Abwehrchef und von daher immer ein Spieler, der eine tragende Rolle in der Mannschaft eingenommen hat und dessen Wort immer gehört wurde. Es gab zu damaligen Zeiten aber auch immer viel Diskussionsbedarf hinsichtlich der Abstimmung in der Abwehr zwischen uns beiden.

Inwiefern?
Wagner: Na bei schlechten Spielen hatten wir manchmal eine unterschiedliche Auffassung, wie richtig gedeckt wird (grinst).

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tugoMit Carlo und Nils hast du zwei Nebenmänner im Tor, die einige Jahre jünger sind als du. Wie gut funktioniert eure Zusammenarbeit schon?
Wagner: Ich denke, grundsätzlich funktioniert unsere Zusammenarbeit nach der kurzen Zeit schon ganz gut. Carlo und Nils sind auf jeden Fall zwei sympathische Typen die mich sehr gut aufgenommen haben. Aufgrund der Situation, dass wir mit mir drei Torhüter sind und jeder spielen will, ist das in meinen Augen nicht selbstverständlich.

Am Samstag stehen erstmals drei Keeper im Kader. Gibt's dann Keilereien um die Spielzeit?
Wagner: Keilereien wird es nicht geben, da mit Sicherheit im Laufe der Saison jeder seine Spielanteile bekommen wird. Generell bin ich durch meine lange Zeit im Leistungssport jedoch ein Freund des Leistungsgedankens. Das heißt, der beste Torhüter/Spieler, inklusive der wöchentlichen Trainingssleistungen, hat zu spielen. Grundsätzlich ist aber auch hier die Entscheidung des Trainers zu akzeptieren und sich ggfls. im Training neu anzubieten. 

Wenn alle drei Keeper fit sind, müssen auch alle drei in den Kader oder ist es vielleicht auch sinnvoll, einen zur „Analyse“ draußen zu lassen und dort zu rotieren?
Wagner: Diese Frage kann in meinen Augen nur der Trainer entscheiden. Am Schluss ist jedoch nicht entscheidend, wie viele Torhüter auf der Bank sitzen, sondern, dass die Spieler im Kader sind die der Mannschaft am meisten helfen. 

„Ich wollte eigentlich Fußballer werden, aber das war mir im Winter zu kalt“

Wir haben schon deine Leistungen in Guben angesprochen. Ein paar Wölfe-Fans konnten da deine ersten 17 Paraden aus dem Feld sehen. Für die, die dich am Samstag erstmals sehen. Auf was für einen Keeper kann sich das Publikum freuen?
Wagner: Das Publikum kann sich auf einen erfahrenen Torhüter freuen, welcher der jungen Mannschaft in kritischen Spielsituationen mit Sicherheit weiterhelfen kann. Mit fast 34 Jahren und der Verletzungsgeschichte bin ich mit Sicherheit nicht mehr der Schnellste und Beweglichste im Tor, aber aufgrund des Stellungsspiels immer noch in der Lage Spiele mit zu entscheiden. 

Du hast bereits in der 2. Liga im Tor gestanden. Gib uns einen kleinen Einblick in deine bisherige Karriere. Wie hat ein Stefan Wagner mit dem Handball angefangen, wie ging es in die 2. Liga, warum gab es in deiner Karriere eine lange Pause?
Wagner: Eigentlich wollte ich immer Fußballer werden, aber das war mit im Winter zu kalt (lacht). Und da die Handballhalle in Potsdam gleich am Fußballplatz lag, habe ich mit 7 Jahren mit Handball beim 1. Vfl Potsdam angefangen. Dort habe ich alle Jugendmannschaften durchlaufen und hatte mit 17 Jahren mein erstes Männerspiel in der Regionalliga. In der Saison 2005/2006 bin ich dann kurzeitig zum Ludwigsfelder HC gewechselt, um höhere Spielanteile als in Potsdam zu erhalten. Nachdem sich in Potsdam jedoch ein Torhüter verletzt hatte, wurde ich in der Winterpause der Saison 2005/2006 zurückgeholt und wir sind in dem Jahr auch in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Der Aufstieg sowie die Spiele in der 2. Bundesliga waren natürlich das absolute Highlight in meiner Handballkarriere. Nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga habe ich noch ein Jahr Regionalliga in Potsdam gespielt und habe mich danach aufgrund des zu hohen zeitlichen Aufwands aus dem Leistungssport zurückgezogen. Daher habe ich mit wesentlich weniger Trainingsaufwand noch drei Jahre beim Ludwigsfelder HC sowie Grün-Weiß Werder gespielt. Bei Grün-Weiß Werder habe ich mich dann jedoch zweimal sehr schwer am Knie (Kreuzbandriss) verletzt, wodurch ich sechs Mall am Knie operiert werde musste. Somit hatte ich mein Handballkarriere 2010 aufgrund der schweren Verletzung eigentlich beendet. 

Bis dann der Anruf von Matthias kam?
Wagner: Im Januar haben wir uns beim Final Four Turnier des HVB-Pokals getroffen. Damals hatten wir vereinbart, wenn ich richtig fit und auch motiviert bin, die Lust verspüre, unter ihm anzufangen, dann mach ich das. Die Idee fand er auch gut und das hat ja dann auch geklappt. 

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Du kennst in der Liga keinen der Gegner. Diese dich aber auch nicht. Macht es das für dich schwerer oder würdest du gern schon den ein oder anderen Werfer kennen?
Wagner: Es ist immer besser sein Gegenüber zu kennen. Vor allem als Torhüter ist es wichtig, die Wurfbilder der Spieler zu kennen, da jeder Spieler seine „Lieblingsecke“ hat und mit hoher Wahrscheinlichkeit unter Bedrängung im Spiel in diese Ecke wirft. Zu 2. Bundesliga- und Regionalligazeiten haben wir als Torhüter vor jedem Spiel zwei bis drei Stunden Videos geguckt, um die Wurfbilder aller Spieler genauestens zu studieren.

Du hast aber die Mannschaft mittlerweile kennengelernt. Welches Potenzial steckt in der Truppe?
Wagner: Das ist nach so einer kurzen Zeit natürlich sehr schwer zu sagen. Die Vorbereitungsspiele sind aus meiner Sicht nicht gut gewesen und wir hatten massive Probleme in der Abwehr sowie Angriff. Zu meiner Freude haben wir uns in den ersten beiden Saisonspielen in der Abwehr sehr gesteigert und somit auch die drei Punkte geholt. Im Angriff sehe ich noch sehr viel Steigerungspotential. Aber sollten wir auch hier auf ein ordentliches Level kommen, halte ich eine Platzierung unter den ersten drei Mannschaften nicht für unrealistisch.

Am Samstag geht es gegen Staffelfavoriten aus Finsterwalde. Im Vorjahr konnten die Wölfe die Grün-Weißen lange ärgern. Was hast du dir für dieses Spiel vorgenommen?
Wagner: Ein Tor weniger zu bekommen als der Gegner und meine Leistung im Vergleich zum Guben Spiel steigern!

Dein Tipp für Samstag, wie geht das Spiel aus?
Wagner: 28:23!

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