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Rückkehrer Erik Klaus im Interview

 „Das Gesamtgefüge hat sich stark verändert“

erik gubenNach vier Jahren wölfefreier Zeit schnürt Erik Klaus (24) ab diesem Sommer wieder für den MTV Wünsdorf die Handballschuhe. Nach zwei Saisons in der Oberliga und zwei Saisons Pause kehrte er in dieser Saison wieder in die Wölfe-Arena zurück. Nach dem er im Pokal noch pausierte, zeigte er in Guben bereits ansatzweise, wie wertvoll er für den MTV werden kann. Allerdings spürt der Kreisläufer nach der langen Pause noch die fehlende Fitness. Vor dem Derby gegen Dahlewitz erzählt er, wie er diese aufholt, was er in seiner Zeit in Australien erlebte und was die Wölfe aus dem Auftaktspiel lernen können. Das Interview. Mehr...

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Wie war es gegen Guben wieder für die Wölfe um Punkte zu kämpfen?
Klaus: Es hat sich sehr gut angefühlt wieder für meinen Heimatverein auf der Platte zu stehen. Speziell nach meiner Handballpause von zweieinhalb Jahren war es ungewohnt, wieder das Adrenalin und die Aufregung des Wettbewerbs zu spüren. Jedenfalls hatte ich mich von Anfang an wieder sehr auf den Saisonbeginn gefreut.

Wie gut hast du dich seit deiner Rückkehr schon wieder eingelebt?
Klaus: Die Rückkehr ist mir leichter gefallen als gedacht - handballerisch und privat. Ich wurde sehr gut von der Mannschaft aufgenommen und wenn wir grad nicht in der Halle trainieren, genieße ich die Zeit mit meiner Familie bis zur Wiederaufnahme meines Master-Studiums im Oktober.

erik guben am kreisWas hat sich nach vier Jahren beim MTV verändert?
Klaus: Nach dieser Zeit hat sich das Gesamtgefüge der ersten Männer stark verändert. Damals hat man mit sehr erfahrenen, älteren Spielern das Zusammenspiel verfeinert und viel gelernt. Heute wird viel darauf gesetzt, eigene Jugendspieler mit einzubinden und ich gehöre mit 24 schon zu den älteren Spielern. 

Welches dieser Gesichter gefällt dir besser?
Klaus:  Das ist schwer zu sagen. Das ist etwas Äpfel mit Birnen vergleichen. Man muss sich eingestehen, dass das Team damals qualitativ hochwertiger besetzt war, was in der Brandenburgliga aber auch von Nöten war. Das lag aber auch am höheren Altersdurchschnitt. Auf der anderen Seite besteht beim jetzigen Team ein extrem hohes Potenzial, sich weiterzuentwickeln und in drei bis vier Jahren vielleicht auch in der Brandenburgliga zu bestehen. Zusätzlich ist es langfristig gesehen auch gesünder, ein Team aus dem eigenen Nachwuchs aufzubauen. Das macht so einen Zerfall des Teams, wie es damals war, unwahrscheinlicher. Ich genieße es jedenfalls sehr, in diesem jugen und dynamischen Team zu spielen.

Gegen Guben hast du nach dem Spiel sofort von einem gewonnen Punkt gesprochen. Wieso?
Klaus: Weil Guben zehn Minuten vor Schluss schon mit drei Toren weg war und wir nochmal den Einsatz und den Willen aufgebracht haben, um uns wieder heranzukämpfen. Am Ende der ersten Halbzeit hatten wir ebenfalls einen Bruch im Spiel, der sich aber nur mit einem Tor Unterschied auf den Spielstand ausgewirkt hat. Am Ende sehe ich das Unentschieden als sehr gerechtes Ergebnis für beide Parteien an.

Der Kampf zum Schluss stimmte, obwohl auch die Baustellen aufgezeigt wurden. Wie zufrieden warst du mit deinem eigenen Spiel?
Klaus: Ich war grundlegend zufrieden mit meinem eigenen Spiel. Das Zusammenspiel im Angriff, zum Beispiel mit Ronny und Nils, kommt langsam zurück. Das gesamte Team hat eine gute, aber ausbaufähige Abwehr gestellt. Wenn ich etwas an meinem Spiel kritisieren muss, ist es der Fehlwurf, den ich drei Minuten vor Schluss hatte - ich glaube jeder Spieler hätte den schon gern in der ersten Halbzeit gehabt und nicht in einem so entscheidenden Moment.

„An meinem Fitnesslevel muss ich noch arbeiten“

Du hast noch etwas Fitness aufzuholen. Das liegt auch daran, dass du fast zwei Jahre in Australien warst. Dort hast du vermutlich selten einen Handball angefasst...
Klaus: Ja, an meinem Fitnesslevel muss ich definitiv noch arbeiten. In Australien lagen die Prioritäten einfach darauf, Land und Leute kennenzulernen und nicht täglich irgendwelche Fitness-Übungen zu machen. Warum auch? Es gab soviel Neues zu entdecken.

Was hast du in deiner Zeit dort gemacht? Wie waren deine Erlebnisse?
Klaus: In meinen knapp zwei Jahren in Australien bin ich viel gereist - durch den gesamten Westen, Norden, durchs Red Center runter nach Adelaide und wieder zurück nach Perth. Ich bin in den zwei Jahren knapp 35.000 Kilometer im Auto unterwegs gewesen. Zusätzlich habe ich bei meiner Farmarbeit authentische australische Farmer kennengelernt und hatte die Ehre, ihren Lebensstil kennenzulernen. Australien war für mich eine rundum gelungene Zeit und ich habe viel gelernt.

„Ich bin sehr dankbar für meine Oberliga-Zeit“

erik guben kreis

Auch Denny Philipp ist gerade dort unten. Hat er sich vorher Überlebenstipps von dir geholt?
Klaus: Ich hatte vorher Kontakt mit Denny, jedoch ist es immer schwer, allumfassende Tipps zu geben. Meiner Meinung nach kann man sich ein paar Tipps holen, aber am Ende sollte es deine persönliche Herausforderung sein, in einem fremden Land mit fremder Sprache Fuß zu fassen. Nils kriegt regelmäßig Updates und Denny scheint sich ja ganz gut dort drüben zu schlagen. Das freut mich für ihn. Die Erfahrung kann ihm niemand mehr wegnehmen.

Vor deiner Reise hast du beim MTV Altlandsberg in der Ostsee-Spree-Liga gespielt. Was ist da anders am Handball?
Klaus: Es ist schon ein gewaltiger Unterschied von der Ostsee-Spree-Liga zur Verbandsliga: Spieler sind technisch besser ausgebildet, spielerisch stärker, das gesamte Spiel ist schneller. Zusätzlich ist die Oberliga viel leistungs- und ergebnisorientierter. Für mich war es damals schon ein großer Schritt von der Brandenburgliga in die OSL. Damals wurde ich vom ehemaligen Torhüter des MTV Wünsdorf, Frank-Peter Friedrich, beim MTV Altlandsberg empfohlen. In drei Probertrainings durfte ich mich dann beweisen und es hat geklappt. Über die Erfahrung, zwei Jahre OSL in Altlandsberg gespielt zu haben, bin ich sehr dankbar.

erik altlandsbergWillst du nochmal zurück auf dieses Level?
Klaus: Zurzeit weiß ich nicht, ob ich nochmal auf dieses Level zurück möchte. Das Ganze ist schon sehr zeitintensiv - drei Mal Training in der Woche und Spiel am Wochenende sind schon sehr anstrengend. Wenn es dann zum Beispiel nach Usedom zum Auswärtsspiel geht, braucht man an dem Wochenende auch nicht mehr viel planen. Ich glaube längerfristig gesehen würde ich mich in der Brandenburgliga am wohlsten fühlen - dort stimmt für mich die Mischung aus Spaß und Leistungsbereitschaft am besten. Ich habe mich jedoch aktiv dazu entschieden, zurück nach Wünsdorf zu kommen, weil für mich der Spaß am Sport im Vordergrund steht. Es ist einfach eine schöne Sache mit Spielern, mit denen man in der Jugend schon gespielt hat, wieder zusammen auf ein gemeinsames Ziel hin zu arbeiten.

Mit unserem MTV geht's jetzt in der Verbandsliga gegen Dahlewitz, die bisher noch spielfrei hatten. Was kann man dort für einen Gegner erwarten?
Klaus: Da ich zwei Jahre nicht im Land war, fällt es mir schwer Dahlewitz spielerisch einzuschätzen. Ich weiß, dass die Ergebnisse der letzten Saison recht eindeutig waren. Davon sollte man sich aber nicht täuschen lassen. Der Wegfall von Jan-Eike im Rückraum wiegt schwer für den MTV. Dahlewitz wird an ihren Defiziten gearbeitet haben. Zusätzlich wird es ein Derby und diese haben immer ihre eigenen Regeln. Beide Teams werden 110% geben, um am Ende das Spiel für sich zu entscheiden. Zugute kommt uns, dass wir uns gegen Guben schon finden konnten und wissen wo wir stehen, woran wir arbeiten müssen. Dahlewitz kommt jetzt zum ersten Saisonspiel ohne Gradmesser ihres aktuellen Leistungsstandes. Das könnte uns in die Karten spielen.

Welche Dinge aus dem Guben-Spiel sollten wir unbedingt beibehalten, was muss zwingend abgestellt werden?
Klaus: Im Guben-Spiel lagen unsere Probleme eher im Angriff als in der Abwehr. Wir müssen unsere freien Chancen vorm Tor durch erhöhte Wurfvariabilität besser nutzen. Unsere Außen müssen besser ins Spiel integriert werden. Das erreichen wir, indem unser Rückraum noch tiefer in die Lücken stößt und die Abwehrspieler stärker bindet. Außerdem müssen wir uns auf unsere alte Stärke des Tempospiels besinnen - das konnte in Guben nur zeitweise aufblitzen. Dahingegen sollte die Abwehr genauso solide wie in Guben stehen. Kleinere Abstimmungsprobleme in dieser frühen Phase der Saison sind normal und können in den nächsten Trainingseinheiten sicherlich ausgemerzt werden. Auf jeden Fall sollten wir die Einstellung und Leistungsbereitschaft der Mannschaft aus den letzten zehn Minuten des Guben-Spiels ins Dahlewitz-Derby mitnehmen. Schaffen wir diese über 60 Minuten des Spiels aufrecht zu erhalten, mache ich mir über das Endergebnis keine Sorgen.

Dein Tipp für Samstag?
Klaus: 25:22 für uns. Aber ein Tor mehr reicht mir auch.

Foto MTV Altlandsberg: Jürgen Sellert