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Frauen-Trainer Kilian Kerbs im Interview

„Das M-Wort will mir nicht über die Lippen“ kk pokal

Die Mannschaften stehen in den Startlöchern. Am Samstag sind die ersten Rudel-Mannschaft unterwegs, wollen die ersten Punkte der Saison einkassieren. Die Frauen starten zuhause gegen Teltow/Ruhlsdorf II, die erste Männermannschaft reist zu Chemie Guben. Team II tritt am Sonntag bei Blau-Weiß Dahlewitz II an. Vor der Punktejagd ist Redezeit. Die drei Trainer der Erwachsenenteams im Sommer-Interview. Teil I: Frauen-Trainer Kilian Kerbs.Mehr... 

Nach dem HVB-Pokal-Turnier verließ Kilian Kerbs bedröpelt. Er hatte sich für das Turnier zwar nicht die Teilnahme am Viertelfinale erhofft, war aber von der Performance seiner Mannschaft dennoch nicht begeistert. Am Samstag startet sein Team nun in eine Saison, in der hohe Ziele auf der Karteikarte stehen. Vor dem Punktspielstart spricht er über das Wort, was er nicht sagen will, ungewöhnliche Trainingsmethoden und den Blick auf die Jugend. Das Interview. 

zurawski 2016

Nach dem Pokal ist vor den Punktspielen. Mit welchem Gefühl gehst du in die erste Punktejagd?
Ich denke, dass wir uns noch gewaltig stecken müssen, wenn wir am Samstag etwas Zählbares mitnehmen wollen. Ich hoffe einfach, dass der Pokal noch der berühmte Schuss vor den Bug war und wir nun vollen Fokus setzen können auf jedes einzelne Spiel.

Im Pokal gab es eine hohe Niederlage gegen Frankfurt, die sicher schwer zu bewerten ist. Dazu eine knappe Niederlage gegen Ruhland, die aber in Unterzahl spielten. Welche Erkenntnisse konntest du aus den Pokalspielen gewinnen? Du wirkst alles andere als zufrieden...
Frankfurt nehme ich mal heraus aus der Bewertung. Obwohl ich trotzdem mal wieder sehr enttäuscht von der Art und Weise war wie der FHC hier aufgetreten ist...

kk bankDort „glänzten“ die FHC-Mädels mit einem recht überheblichen Auftreten. Was hat dir in diesem Jahr nicht gefallen?
Ich fand es eine saubere Geste des FHC als sie gegen Ruhland gespielt haben und in der Abwehr einen herauszunehmen, dass eine Gleichzahl Fünf gegen Fünf vorliegt und sie dazu weitesgehend auf Konter verzichtet haben. Als wir dann gegen Ruhland gespielt haben, gab es leider wieder einige Kommentar, die etwas unangemessen waren. Im Spiel gegen uns haben sie dann auch alles aufgefahren, was sie hatten um uns möglichst richtig einzustampfen. Dazu wurden die Abmachungen bezüglich des Klebers nicht eingehalten.

Welche Absprachen?
Sie hatten uns gebeten, dass sie mit Kleber spielen dürfen. Wir haben dem zugestimmt unter der Voraussetzung, dass der Kleber nur in Maßen verwendet wird und nicht in Massen. Aber der Ball rollte ja kaum noch auf dem Boden. Ein Drittligist, der bei einem Kreisligisten antritt, der das Spiel mit Kleber gar nicht gewohnt ist, hat so etwas eigentlich nicht nötig. Wir hätten auch genauso gut sagen können: Nein, Kleber ist nicht! Aber wir sind ihnen entgegen gekommen, da hätte man auch einen Schritt machen können. Das war keine entsprechende Reaktion auf die kritischen Worte aus dem Vorjahr. Aber, dass ist jetzt vorbei und daran muss ich keine Gedanken mehr verschwenden.

Deine weiteren Pokalerkenntnisse.
Die Niederlage gegen Ruhland ist immer noch schwer zu fassen für mich. Wir waren einfach nicht zielstrebig genug, haben das Scheunentor vor unserer Nase nicht gesehen und haben mit unseren vergebenen Chancen gehadert. Wenn wir uns nicht zu 110% auf Handball einstellen und Jeder für Jeden kämpft dann kommen solche Spiele zu Stande. Mit den Gegentoren kann ich noch leben, aber wie wenig Tore wir geworfen haben hat mich schon sehr getroffen.

Woran lag es?
Wenn wir uns auf uns konzentrieren und nicht auf die Gegebenheiten des Gegners, dann können wir jeden schlagen, sobald wir aber den Fokus verlieren, verlierst du solche Spiele. Wir sind individuell einfach nicht stark genug um mit 60% so ein Spiel zu bestreiten. Wir brauchen das Kollektiv, nur dann sind wir stark. Und das haben wir dort nicht auf die Platte gebracht.

kk hvbZum Saisonende ist wohl wieder der Kreispokal das Ziel. Was soll vorher in der Liga erreicht werden? Nach Platz 4 im Vorjahr muss das Podium eigentlich angegriffen werden oder? 
An den Pokal denke ich momentan noch überhaupt nicht. Jetzt ist erstmal der Saisonstart wichtig. Ich gebe keine Zielstellung vor. Die Mädels haben aus voller Überzeugung gesagt, dass sie Meister werden wollen und darauf haben wir uns vorbereitet. Jetzt zählt es, was wir auf der Platte zeigen und das wir von Spiel zu Spiel denken und uns Punkt um Punkt erkämpfen um am Ende eine Top-Platzierung zu erreichen. Aber erstmal von Spiel zu Spiel! Es bringt ja nichts, heute von Meisterschaft oder Ähnlichem zu reden am Ende stehen wir ohne etwas da und dann ist die Enttäuschung groß.

Die Frauen reden von der Meisterschaft, du „nur“ von einer Top-Platzierung...
Die Meisterschaft ist doch eine Top-Platzierung oder? (lacht) 

Platz 2 oder 3 aber auch.
Das M-Wort will mir einfach nicht so leicht von den Lippen gehen. Das Ziel eines jeden Handballers, ob Spieler oder Trainer, sollte doch sein, erfolgreich zu sein und Titel zu erkämpfen.

Du hast in der Vorbereitung mal einige Dinge anders gemacht, warst mit den Frauen zum Beispiel beim Boxen. Wie haben sich diese Dinge bisher ausgezahlt?
Die Vorbereitung war wirklich anders, da hast du Recht. Für mich ist es extrem wichtig, dass die Vorbereitung hart ist, jeder an seine Grenzen geht aber trotzdem Spaß hat und mit einem Lächeln nach Hause geht. Von der Stimmung im Team her denke ich, dass diese Aktionen einiges gebracht haben. Jeder für sich konnte sich noch mal anders erleben, konnte checken, wie sehr man selbst bereit ist, sich fürs Team zu quälen. Da haben wir doch noch eine Schippe drauf gepackt. 

Dein Kader hat sich nicht verändert. Ein Vorteil, weil die Mannschaft eingespielt ist oder hättest du gern noch Verstärkung hinzugewonnen?
Ich kann mir keinen Kader, keine Spielerinnen backen. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Mannschaft und würde sie auch gegen nichts eintauschen wollen. Natürlich sind sie eingespielt aber ich wäre nicht ich als Trainer, wenn ich nichts verbessern und an Abläufen feilen möchte. Das macht es halt immer interessant. Dafür kannst du eingespielt sein wie du willst.

Du hast zudem drei Ausfälle, die so schnell nicht zurückkehren...
Nicole, Tina und Lydia sind leider Ausfälle, die uns auch so schnell nicht wieder zur Verfügung stehen. Das schmerzt noch sehr, aber es gibt andere Mädels, die sich in der Vorbereitung in den Vordergrund gespielt haben. Da sehe ich ein enormes Potenzial auf ihren Positionen. Sie werden die Lücken der drei nicht schließen können, aber sie können es anders machen, die Rolle neu interpretieren, uns schwerer ausrechenbar machen. Aber das braucht noch etwas Zeit. Zeit, die wir uns nehmen müssen und die sie auch bekommen werden.

Also wäre Verstärkung angebracht?
Eins vorweg: Ich brauche keine Verstärkung, weil ich von meinen Mädels nicht überzeugt bin. Das bin ich! Wenn wir aber Verstärkung bekommen hätten, wäre ich natürlich nicht abgeneigt gewesen, denn wie wir beide wissen: Konkurrenz belebt das Geschäft und bringt neue Reize. Aber ein Neuzugang müsste uns sofort helfen und diese findet man nicht einfach so. Das ist aber auch nicht schlimm, denn wir haben auch so eine starke Mannschaft zusammen.

Ein Blick in die Jugend. In diesem Jahr tritt wieder eine weibliche B-Jugend im Wettkampf an. Inwieweit hast du da für die Zukunft schon ein Auge drauf?
Ja natürlich habe ich das mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen. Ich wollte auch die Mädels in der Vorbereitung beim Training haben, leider gab es scheinbar Kommunikationsprobleme. Gerne hätte ich mir die Mädels genauer angeschaut und sie kennengelernt. Ich werde schon mit einem Auge auf die Jugend schauen, aber das ist Zukunft. Die Mädels müssen noch sehr viel lernen. Sie haben ja auch noch Zeit.

Lesen Sie morgen: Wölfe-Coach Matthias Wehlmann über schlechte Laune, die Probleme der Vorbereitung und den Einfluss der Neuzugänge.

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