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Torwart-Neuling Justin Kersten im Interview

„Ich will eine funktionierende Konstante sein“

kersten tor teaser

Er ist das einzige richtig neue Gesicht im Wolfsrevier. Torhüter Justin Kersten (18) wechselte vor der Saison aus Cottbus zu den Wölfen und konnte bereits mit einigen Paraden glänzen. Im Interview mit Conrad Hipp erzählt „die Katze“, was in Wünsdorf anders ist als bei anderen Vereinen, warum er in Cottbus nicht mehr glücklich war und wieso er Wert darauf legt, dass sein Name korrekt ausgesprochen wird.

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Justin, willkommen in Wünsdorf. Du kamst recht knapp vor Saisonbeginn. Wie gut hast du dich schon eingelebt?
Kersten: Ich habe mich verdammt gut und sehr schnell eingelebt. Das wurde durch ein gut zusammen arbeitendes Trainergespann und einer stark familiären Mannschaft noch beschleunigt. 

Wieso ging die Integration so schnell?
Kersten: In meinen Augen wurde ich direkt als vollwertiges Mitglied anerkannt und fühle mich auch gleich wie ein Teil der Wolfsfamilie. Ich bin stolz darauf, den Verein in der Öffentlichkeit zu präsentieren, weil ich einfach in kurzer Zeit feststellen durfte, wie ein richtiger Verein zu funktionieren hat und wie man einfach durch so eine zusammengeschweißte Mannschaft schnell auch wieder Spaß am Handball spielen finden kann! 

kersten flug kleinKeine vier Wochen hier, da hast du sogar schon bei der Ausbildung unser Jugendkeeper geholfen. Wie kommts, dass du dich so schnell mit dem Verein identifizierst?
Kersten: Das ist für mich keine Frage der Identifizierung, sondern eine Frage des Geben und Nehmens. Außerdem macht es mir großen Spaß, meine jahrelang im Leistungssport gesammelten Erfahrungen und Techniken an junge Torhüter weiterzugeben. Es ist auch für mich ein gutes Gefühl sagen zu können, dass man dem Verein oder dem jeweiligen Trainer damit geholfen hat, sich um die betroffenen Torhüter gekümmert und sie gefördert zu haben. Das habe ich auch in Cottbus schon zwei Jahre bei Frau Brucke gemacht. Dort war das von der Schule aus als Fach „Sport Seminarkurs“ gefordert.

Du hättest auch woanders hingehen können. Höherklassig oder mit Finsterwalde um den Aufstieg spielen können. Warum der MTV?
Kersten: Überzeugt hat mich einfach diese starke Zusammenarbeit und die Organisationsstruktur des Vereins! Die Mentalität und Zusammenarbeit der Trainer und der Mannschaften, in denen ich als Torwart eingeteilt bin. Dazu kommt noch, dass ein Gefühl von Familie in der Mannschaft aufkommt und ich solch ein Gefühl oder die Bestätigung, einer von euch zu sein, noch nie hatte! Das sind die Gründe, wieso ich mich gerade aus all den Vereinen für den MTV entschieden habe, was meiner Meinung nach den MTV von vielen Vereinen in der Umgebung abhebt und wo sich viele noch eine gewaltige Scheibe abschneiden könnten! 

„Mir wurde der Spaß am Handball genommen“

Du gehst noch zur Schule, wechselst aus Cottbus hier her. Wieso bist du nicht beim LHC geblieben?
Kersten: 
Ich will jetzt hier nicht die komplette Geschichte erzählen, weil sonst wieder getroffene Hunde bellen würden. Aber einen Hauptgrund gibt es nunmal. 

Der wäre?
Kersten: Es ist so, dass wir jahrelang als Mannschaft für die Schule und den Verein, also im Namen des Vereins LHC Cottbus und der Sportschule alles gegeben und auch aufgegeben haben. Alles, um die bestmöglichen Erfolge zu erreichen. Wir haben mit der A-Jugend-Bundesliga und einigen anderen Titeln das Beste rausgeholt. Das haben wir immer gemacht ohne große Unterstützung von der Schule oder vom Verein zu erhalten oder zu erwarten. In der vergangenen Saison wurde uns dann die verdiente Qualifikation zur A-Jugendbundesliga ziemlich hinterlistig unterschlagen.

kersten einwechslung.kleinInwiefern?
Kersten: Wir haben als Team jahrelang darauf hingearbeitet und hätten uns das verdient gehabt, die Quali zur A-Jugend-Bundesliga zu spielen. Vor Meldeschluss wurde uns auch versprochen, dass wir die Quali spielen dürfen. Dann hat der Verein aber einfach die Meldefrist verstreichen lassen. Uns hat damals niemand informiert und wir haben es über Facebook erfahren. Das hat einem schon ziemlich die Leidenschaft und den Spaß genommen. Hut ab für so eine gute Vereinsarbeit.

Du hast eben die A-Jugend-Bundesliga angesprochen. Du hast dort eine Saison gespielt. Was hat dir dieses Abenteuer gebracht?
Kersten: Die A-Jugend-Bundesliga hat mir gezeigt, wo man hinkommen kann, wenn man Jahre lang für ein Ziel kämpft und auch dafür alles gibt. Man hat auf vieles verzichtet und immer für dieses Ziel gekämpft. 
Es hat mir menschlich viel gezeigt. Es hat mir gezeigt, wo meine möglichen Grenzen sind, aber im Gegenzug auch, wo ich Dinge verbessern kann! Dazu ist man noch zielstrebiger und auch selbstbewusster geworden, denn man weiß ja, dass man auch durch seine harte Arbeit etwas erreicht hat! 

Du kommst in eine Truppe, die gerade den Aufstieg gefeiert hat. Was hast du vor mit den Wölfen?
Kersten: In erster Hinsicht ist es für mich wichtig, den Spaß wieder zu finden. Dennoch freue ich mich auf jedes einzelne Spiel mit der Mannschaft, egal wie es aus geht.

Egal?
Kersten: Natürlich gehen wir an jedes Spiel ran um es zu gewinnen und uns mit zwei Punkten zu bereichern, aber wenn es mal nicht der Fall sein sollte, was auch vorkommen wird, dann ist es dem so und man kann dann aus den analysierten Fehlern einfach nur lernen und es beim nächsten Spiel einfach besser machen. Wichtig ist einfach, dass wir das Gefühl der Gemeinsamkeit und den Teamgeist nie verlieren. Denn nur so macht das gemeinsame Auftreten auch Spaß! 

„Ein freundschaftliches Verhältnis ist wichtig“

Was zeichnet einen Justin Kersten im Tor aus?
Kersten: Mich speziell zeichnet allgemein in der Sportart Handball aus, dass ich immer mit 100 % dabei bin. Ich will immer 100 % meines Könnens abrufen um somit der Mannschaft im Spiel und wichtigen Situationen eine funktionierende Konstante zu sein. Ich bin sehr zielstrebig und ehrgeizig. Mir liegt es nah, Spiele zu gewinnen, aber umso wichtiger ist mir der Spaß am Spielen in den letzten Jahren geworden! Dazu kommt, dass ich denke, dem Team eine gute Unterstützung zu sein, sei es menschlich, moralisch oder mit gewissen Fähigkeiten im Tor, die ich über die Jahre einfach mitbringe. 

andreas barsch kersten kleinWie gut verstehst du dich mit deinen Torwart-Kollegen?
Kersten: Sehr gut! So sollte das auch sein. Ein gewisser Konkurrenzkampf ist und wird immer dabei sein aber es ist wichtig, dass wir uns besser verstehen als bekriegen. Dann ist es auch viel besser für den Torwart, der gerade im Tor steht, eine moralische und physische Unterstützung zu sein! Es ist für mich sehr wichtig, einen freundschaftlichen Umgang zu meinen Kollegen zu haben.

Zwischen deinem Wohnort und dem Wolfsrevier liegen ein paar Kilometer. Wie problematisch wird da ein regelmäßiges Training?
Kersten: Die Sache mit den Trainingseinheiten bzw. Fahrten sind mit Denny und Matthias abgesprochen und soweit intern geklärt. Ich arbeite aktiv dran, diese Probleme so schnell wie möglich zu beseitigen um ein regelmäßiges Mannschaftstraining zu bestreiten. 

„Wieso sollte ich mir für die zweite Mannschaft zu schade sein?“

Du machst zur Zeit dein Abitur. Was hast du danach vor?
Kersten: Nach meinem Abitur habe ich vor, mich für 16 Jahre als Offizier bei der Bundeswehr verpflichten zu lassen. Dort möchte ich dann Flugzeugtechnik oder Maschinenbau studieren und die Ausbildung in der Luftwaffe zum Kampfpilot antreten. Das wäre mein Plan A.

Und Plan B?
Kersten: Einen richtigen Plan B gibt es nicht, da meine Interessen eigentlich schon immer bei der Bundeswehr lagen und ich schon seit ich klein bin Pilot werden möchte!

Du legst sehr viel wert darauf, dass das i deines Vornamens kurz ausgesprochen wird. Warum?
Kersten: Das ist für mich einfach eine Sache der Richtigkeit. Ich bestehe darauf, da ich nunmal so heiße und ich es nicht mag, wenn mein Name so ausgesprochen wird wie der Mädchenname Justine. 

kersten dehnung kleinZurück aufs Handballfeld. Du stellst dich auch bei der 2. Mannschaft ins Tor. Von der A-Jugend-Bundesliga in die Kreisliga. Andere wären sich dafür zu schade...
Kersten: Also ich bin mir nicht zu schade dafür. Wieso auch? Es macht mir so großen Spaß, wieder Handball zu spielen und einfach wieder im Tor zu stehen! Ich möchte einfach in diesem Jahr wieder die Lust und Leidenschaft am Handball finden, und das funktioniert einfach bei so einem familiären Team am Besten!

Gegen Lübbenau gab es zum Start ein Unentschieden. Gewonnener Punkt oder verlorener?
Kersten: Es ist für mich kein verlorener aber auch kein gewonner Punkt. Anhand des Könnens der Mannschaft und das, was ich schon von der Mannschaft weiß und kenne, hätte der Sieg sein müssen. Aber ich sage nur, dass man aus den Fehler, die man da gemacht hat, egal ob Abwehr oder Angriff, einfach lernt und das dann im Rückspiel besser macht um dann die zwei Punkte zu holen. 

Wo landet der MTV am Ende der Saison?
Kersten: Dafür kenne ich die Mannschaft dann doch noch zu wenig, aber wenn ich das beurteilen soll, von dem was ich schon kennenlernen durfte, sage ich, dass wir im oberen bis mittleren Feld definitiv mitspielen können.

Fotos: Tom Nerlich, Conrad Hipp 

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