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 Spannungsloser Derby-Sieg

 Experimentierstunde bringt zwei Punkte

neuendorf luwa

 

von Conrad Hipp

Die Wünsdorfer Wölfe haben die HV Luckenwalde in einem über weite Strecken spannungslosem Derby mit 25:20 geschlagen und bleiben in der Verbandsliga Süd somit in der Spitzengruppe vertreten. Gegen einen Gegner, der über 60 Minuten gesehen den Wölfen nicht das Wasser reichen konnte, hatte der MTV viel Platz für Rotation und einige Experimente. Bester Werfer wurde Sven Neuendorf mit zehn Toren.

Es wurde ein Derby mit ungleichen Vorzeichen. Die Wölfe waren nach der knappen Niederlage und dem tollen Kampf gegen Grün-Weiß Finsterwalde abgerutscht und starteten als Viertplatzierter ins Derby. Bei Luckenwalde sah die Situation auch vor dem Spiel schon deutlich dramatischer aus. Nur ein Sieg gegen Calau und ein Remis gegen Friedland waren auf dem Punktekonto. Mit nur drei Zählern hat Luckenwalde nur Calau (noch ohne Punkt) und den HSC 2000 Frankfurt (Oder), die ja bereits vor Saisonstart zurückzogen, hinter sich. „Bei uns muss endlich mal der Knoten platzen“, erzählte Trainer Marc Heinrich vor dem Spiel. 

So deutlich die Vorzeichen der Tabelle waren, sah es auch zu Spielbeginn auf und neben dem Feld aus. Derbystimmung? Fehlanzeige! Die aus Luckenwalde mitgereisten Fans ließen sich an einer Hand abzählen, die heimischen Fans waren stimmungstechnisch an diesem Tag konkurrenzlos. Ungewohnte Kulisse also, nachdem es in den vergangenen beiden Heimspielen gegen Trebbin und Finsterwalde auf der Tribüne in Heim- und Gästeblock ordentlich laut wurde. Auch der langjährige Wünsdorfer Publikumsliebling Andreas Reinhold, der seit mehreren Jahren in Luckenwalde spielt, kann die Gäste-Stimmung nicht anheizen.

mtv luwa kl

 

Nach einer Mini-Abtastphase von nicht einmal zwei Minuten legen die Wölfe vor. Ronny Lange erzielt das 1:0, eröffnet so das tabellarisch ungleiche Duell. Lediglich in den ersten zehn Minuten kann die Handballvereinigung mithalten. Stephan Kirchner (4.), Thomas Sachse (8.) und Thomas Eyssen (9.) gleichen jeweils die Wünsdorfer Führung aus. Die Wölfe versäumen es, sich schon von Beginn an abzusetzen, weil das Wurfglück noch auf sich warten lässt. Allein Ronny Lange produziert in den ersten 12 Minuten vier Fehlwürfe von Halblinks, Max Hawaleschka trifft in den ersten 17 Minuten drei Mal den Pfosten. Trotzdem nehmen die Wölfe dann relativ fix die Spannung aus dem Spiel. Nach Hawaleschkas Treffer zum 4:3 (9.) erzielen Lars Baumann und Lange die nächsten Treffer und stellen auf 6:3 (12.). 

hawa luwaFrüh im Spiel fängt Trainer Matthias Wehlmann an, zu experimentieren. Linksaußen Sven Neuendorf nimmt für einige Minuten auf der Bank Platz, Youngster Egor Vikhrov, der zuvor schon in der zweiten Mannschaft eine starke Leistung zeigte, flitzt nun über die linke Außenbahn. Außerdem probiert Wehlmann in der Abwehr etwas Neues: Tim Becker wird in den Mittelblock gesetzt, ist dort Teil einer gut funktionierenden Defensive, die von Luckenwalde allerdings auch nicht übermäßig gefordert wird. Alles, was durch die Deckung kommt, hat Torwart Carlo Hirsing, der seine bisher starke Saison einmal mehr unterstreicht. Zwei gehaltene Siebenmeter, dazu zehn Paraden aus dem Feld, so seine Bilanz in den ersten 30 Minuten. Die Experimente fruchten, „zudem hat die kämpferische Einstellung der Mannschaft gestimmt“, lobt der Trainer. Bis zum Pausentee kann sich der MTV so ein Polster herausspielen, das knapper aussieht, als es eigentlich ist. Denn Luckenwalde wird früh klar, dass der Knoten nicht heute platzen wird. 

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Halbzeitstand: Wünsdorfer Wölfe – HV Luckenwalde 09 13:7

Hälfte zwei beginnt mit Justin Kersten im Tor. Der Neuzugang knüpft sofort an die Leistung von Hirsing an, ist sofort zur Stelle. In der 34. Minute glänzt er sogar mit einer Doppelparade. Weil er danach jedoch den Ball ins Aus schlägt, bekommt er eine Zeitstrafe aufgebrummt. So kommt der dritte Keeper im Bunde, Nils Barsch, zum Einsatz. Luckenwalde stellt in der Abwehr um, nutzt die Überzahl und nimmt Spielmacher Nils Seegebrecht in Manndeckung. Übrig bleiben im Angriffsspiel vier Wölfe gegen fünf Luckenwalder, was dem Spiel allerdings wenig Abbruch tut. 

baumann reinholdNach 38 Minuten verabschiedet sich Routinier Ronny Lange aus dem Spiel. Als Luckenwalde versucht, schnell umzuschalten, will Lange den Konter verhindern und versucht, seinen Gegenspieler festzumachen. Allerdings ist er dabei einen Schritt zu spät und holt den Gegner deshalb von den Beinen. Das Schiedsrichtergespann Jan Alexander Bois und Chris Güttler entscheiden sich nach kurzer Beratung für die Rote Karte. Eine harte, aber vertretbare Entscheidung des soliden Schiedsrichterpaares.

Trotz Unterzahl erhöht der MTV. Hawaleschka findet sein Wurfglück, trifft zum 15:9. In der ersten Hälfte hatte er neben den zahlreichen Pfostentreffern nur zwei Tore erzielt. „Wir haben ihm es versucht, zu erklären und in der zweiten Halbzeit hat er das dann besser gemacht. Max ist ein junger Spieler, der eben noch lernen muss und in diesem Spiel hat er gelernt“, so Wehlmann. Auch wenn der Spielstand nie deutlich wird und einer Klatsche gleicht, bekommt man nicht den Eindruck, als würde Luckenwalde den Wölfen den Sieg streitig machen können. Immer wieder setzen die Wölfe mit ihren Experimenten Akzente. Neuendorf, der in dieser Partie von der angestammten Linksaußen-Position auf Halbrechts rückt und dort Jan-Eike Albrecht ersetzen soll, setzt sich mit guten Würfen immer wieder durch. „Das war eine starke Vorstellung, die er da gezeigt hat“, lobt auch Wehlmann.

rackwitz luwaEtwas schwer tut sich Kersten nach seiner Zeitstrafe. Er findet nach seinem guten Start in die zweite Hälfte dann nicht mehr so richtig in die Partie, lässt nach 45 Minuten wieder Barsch zurück aufs Feld. „Er kam dort selbst vom Feld, weil er nicht mehr richtig rein kam. Auch an dieser Stelle muss man da mal die Einstellung loben“, betont Wehlmann. Durch die Bank zeigen aber alle drei Torhüter an diesem Tage eine durchgehend starke Leistung. Der MTV spielt die Partie solide zu Ende. Auch im Schlussviertel kommt keine Derbyspannung mehr auf. Luckenwaldes Martin Stelter wirft binnen einer Minute den Ball zwei Mal übers Tor, Wehlmann kann seine Erkenntnisse aus seiner Experimentier-Reihe ziehen. Die Wölfe spielen die Schlussminuten solide zu Ende. Das letzte Wölfe-Heimspiel 2017 zeigt über 60 Minuten gesehen eher den Charakter eines Freundschaftsspiels, in dem die Wölfe ruhig und solide die nächsten zwei Punkte einfahren.

In der kommenden Woche erwartet die Wölfe da wohl ein ganz anderer Gegner. Bei der HSG Schlaubetal (Spielbeginn 18.30 Uhr) haben die Wölfe am kommenden Samstag die Chance, auf einem starken zweiten Platz zu überwintern. 

Wünsdorfer Wölfe – HV Luckenwalde 09 25:20 (13:7)

MTV Wünsdorf 1910: Hirsing (2/3 gehalten), Kersten, Barsch (1/3 gehalten) – Neuendorf 10 (3/4), Hawaleschka 6, Lange 4, Baumann 2, D. Becker 2, J. Rackwitz 1, T. Becker (0/1), Altin, Vikhrov, N. Seegebrecht
HV Luckenwalde 09: S. Kühne, S. Kühne – Brzonkalik 4, Kirchner 4, Junge 3, Sachse 3 (1/1), Bolz 2 (2/2), Reinhold 1, Eyssen 1 (0/2), Stelter 1, Langenickel 1, Krüger, Much 
Schiedsrichter: Jan Alexander Bois / Chris Güttler – leiteten ein wenig geladenes Derby komplett seriös. Die Rote Karte gegen Ronny Lange war eine vertretbare Entscheidung. In der Schlussphase phasenweise etwas kleinteilig, aber über 60 Minuten beeinflussten sie keineswegs den Spielfluss.

Gelbe Karten: D. Becker, Lange, Baumann, D. Behrend (Bank) – Brzonkalik, Stelter, S. Kühne
Zeitstrafen: 9:5 (2x T. Becker, 2x Baumann, J. Rackwitz, Hawaleschka, Kersten, Lange, Wehlmann – 2x Kirchner, Brzonkalik, Stelter, Langenickel)
Rote Karten: Ronny Lange (MTV Wünsdorf/39. wegen zu harter Verteidigung)
Blaue Karten: – 

Siebenmeter: 3/5 (60%) – 3/5 (60%)
Wurfquote: 25/47 (53,19%) – 20/49 (40,82%)