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Wölfe klettern auf Platz 2

Rudel siegt bei Fehlwurf-Party

jubel guben

von Conrad Hipp

Fotos: Julia Ehmig

Die Wünsdorfer Wölfe haben den nächsten Achtungserfolg in der Verbandsliga Süd gefeiert. Beim SV Chemie Guben siegten die Wölfe 25:23 (10:10) und klettern damit auf Platz 2 der Liga. Zuvor musste sich das Rudel aber durch ein extrem umkämpftes und zähes Spiel beißen, in dem beide Mannschaften auch aufgrund ihrer hohen Fehlwurfquote hätten Punkte abgeben können. Bester Werfer war Gubens Dan Klein mit acht Treffern. Für die Wölfe traf Nils Seegebrecht sechs Mal.

Nach der Schlusssirene wurde es schnell ruhig in der Gubener Sporthalle. Die Trommeln verstummten, frustriert und enttäuscht packte man die Stöcke ein. Eine Ecke aber feierte – die, der Wölfe. Etwas lädiert vom harten Kampf ließen sich die Rudel-Handballer von den mitgereisten Fans lautstark feiern – zurecht! Denn der MTV hatte sich frisch die nächsten zwei Punkte in der Liga hart erkämpft.

In Guben treten die Wölfe mit einigen personellen Umstellungen an. Levent Altin rutscht zurück in den Kader, auch Justin Kersten ist im Vergleich zur Vorwoche wieder dabei. Hingegen fehlen Marius Luchmann (beruflich) und Nils Barsch (Grippe). Dazu der Langzeitverletzte Alex Schüler.

guben mtv klein

Die Wölfe beginnen mit dem ersten Ballbesitz und vergeben diesen gleich. Es war die Eröffnung einer Reihe von Fehlwürfen, die noch folgen sollten. Guben ist nach dem Ballgewinn schnell vorn, macht nach 38 Sekunden durch Jan Rietschel das erste Tor. Das Publikum in der heimischen Halle ist sofort da, peitscht ihre Truppe nach vorn. Aber auch aus der Wünsdorfer Ecke kommt eine ordentliche Lautstärke – ein geladenes Spiel. Die Wölfe brauchen einen Moment, gleichen dann durch Nils Seegebrecht aus, zeigen, dass sie hier nicht nervös werden. Allerdings hat das Rudel einen schweren Stand.

baumann abwehr gubenDer MTV hätte in der ersten Hälfte bereits die Führung übernehmen können, allerdings wird dieses Unterfangen aufgrund von 13 Fehlwürfen allein im ersten Abschnitt im Keim erstickt. Gerade von den Außenpositionen wird Guben-Keeper Randy Müller zeitweise berühmt geworfen. Neben einigen starken Paraden des Gubener Schlussmannes zeigt der MTV beim Wurf zu wenig Flexibilität und macht es dem Keeper so teilweise recht leicht, sich die Werfer auszugucken. Dazu kommt, dass die Wölfe auch von der Siebenmeterlinie nichts im Tor unterbekommen. Von vier Versuchen in Hälfte eins landet kein einziger im Tor. 

Die Wölfe bleiben im Spiel, weil Guben sich der Wurfquote anpasst. So versäumen es beide Mannschaften, sich früh im Spiel einen Vorteil zu verschaffen. Sowohl Guben als auch der MTV hätten jeweils auch mit fünf Toren Vorsprung in die Pause gehen können. „Die Wurfquote war heute auf beiden Seiten nicht gut. Die Fehlwürfe der Gubener hätte man viel früher im Spiel besser ausnutzen können“, sagt Trainer Matthias Wehlmann, der sonst eine sehr engagierte Leistung seiner Mannschaft sieht.

lange gubenZu der schwachen Wurfquote beider Mannschaften kommt, dass das Schiedsrichtergespann Dirk-Uwe Voigt und Lothar Opitz das Spiel zusätzlich zäh macht, in dem sie beim Heimteam recht großzügig beim Ahnden von Schrittfehlern und Zeitstrafen agieren und während der ersten Hälfte zeitweise etwas unausgeglichen das Spiel leiten.

Das rückt allerdings in den Hintergrund, denn für die vielen Fehlwürfe kann auch das Gespann nichts. Nach dem 3:1 (5.) kann Guben nur noch einmal mit zwei Toren wegziehen. Aber auch das 9:7 durch Dan Klein (26.) gleichen Jan-Eike Albrecht (27.) und Max Hawaleschka (29.) wieder aus (9:9). Die Wölfe beißen sich regelrecht in diese zähe Partie – dieses Spiel wird ein Schnitzel, welches alles andere als zart gebraten ist.

Mit einer 13:10-Führung gehen die Wölfe in die Kabine, zumindest, was die Fehlwürfe angeht. Bei den Toren war die Partie ausgeglichen und ging mit 10:10 nach 30 Minuten. 

Halbzeitstand: Chemie Guben – Wünsdorfer Wölfe 10:10

Die zweite Hälfte beginnt so, wie die erste endete. Mit einem Tor des an diesem Tag stark aufgelegten Lars Baumann, der im Rückraum immer wieder gute Akzente setzen kann und auch bei drohendem passiven Spiel immer noch einen guten Wurf über hat. Mit einer Quote von kna pp über 70 Prozent gehört er noch zu den besten Werfern des Spiels.

seegebrecht gubenAuch stark: Spielmacher Nils Seegebrecht, der sich bereits in der ersten Hälfte immer wieder durch die Abwehr mogelte, übernimmt auch im zweiten Spielabschnitt immer wieder Verantwortung und steckt gegen die harte Guben-Abwehr ordentlich ein.

Allerdings bleibt auf beiden Seiten auch die Wurfquote gering. Sieben Minuten nach Wiederanpfiff gingen insgesamt erst drei Bälle ins Netz, neun Würfe fanden nicht den Weg ins Tor. Doch die Wölfe ackern den Tick mehr und wieder sind es Baumann und Seegebrecht, die einen wichtigen Schritt machen Richtung Sieg. Zunächst erzielt Baumann das 13:14 (41.), knappe 80 Sekunden später setzt sich Seegebrecht stark durch, erzielt das 13:15 (43.). Erstmals legen die Wölfe mit zweu Treffern vor, geben Guben so eine schwere Aufgabe für das Schlussviertel.

Jan-Eike Albrecht stellt den Vorsprung kurz darauf sogar auf drei Tore, erzielt das 15:18 (47.). Guben zieht die Auszeit, sieht das Spiel für sich absolut auf der Kippe. Auch die Guben-Fans sehen das so, feuern ihre Mannschaft jetzt sogar in der Abwehr an und fordern die Wölfe-Fans heraus, mitzuhalten. Der Lautstärkepegel sehr hoch, auf der Tribüne wird aber auch ordentlich giftig versprüht. „Kompliment an die Mannschaft, die sich davon gar nicht hat beeindrucken lassen“, lobt Wehlmann. Ganz im Gegenteil. Hochkonzentriert spielt der MTV weiter. Tim Becker taucht plötzlich auf Rechtsaußen auf, überwindet Gubens Keeper, der zuvor von außen fast alles entschärfte. Becker cool: „Der Trainer hat mich ja dafür aufs Feld geschickt, dass ich Tore mache. Also hab ich das.“

wehlmann applausDoch so leicht wird den Wölfen der Sieg nicht gemacht. Nach einer undurchsichtigen Situation räumt das Schiedsrichtergespann nochmal ordentlich auf. Albrecht kassiert gleich zwei Zeitstrafen, Klein trifft 20 Sekunden später zum 19:20 und Justin Rackwitz muss ebenfalls für zwei Minuten runter. Auszeit Wünsdorf (52.) – zum richtigen Zeitpunkt. Die Wölfe sortieren sich, müssen die doppelte Unterzahl irgendwie über die Zeit bekommen. Die Stärlke der Wölfe liegt an diesem Tag aber in der Ruhe und Geduld. Nach dem Gubens Mike Olbzak für zwei Minuten runter muss, entspannt sich die Lage auf dem Feld, allerdings geht der Arm hoch – passives Spiel wird angezeigt. Die Wölfe bauen sich auf, pass auf Baumann – 19:21 (54.). 

Die Wölfe halten den Vorsprung auf zwei Toren, lassen Guben nicht wieder heran. Wenn der MTV selbst einen Fehlwurf produziert, wird in der Abwehr eben einer auf der Gegenseite erzwungen. So schafft es Guben zeitweise auch drei doer vier Angriffe nacheinander nicht zum effektiven Torabschluss. In der Offensive drückt man dagegen immer wieder zum richtigen Zeitpunkt die Kugel über die Linie. Tim Wendland, der in dieser Saison bisher extrem unglücklich spielt, trifft mit seinem ersten Wurf des Tages zum 21:24 – 90 Sekunden vor dem Ende macht er endgültig den Deckel drauf. 

altinGuben versucht mit einer Deckung ab der Mittellinie die Wölfe unter Druck zu setzen und zu frühen Fehlern zu zwingen, das gelingt allerdings nicht. 20 Sekunden vor dem Ende verwandelt Levent Altin einen Siebenmeter sicher, das 22:25 ist auch für den größten Optimisten das Ende jeder Hoffnung auf Guben-Punkte. 

Olbzak zwei Sekunden vor Schluss mit dem Schlusspunkt – Sirene frei zum Jubeln. Die Wölfe feiern trotz vieler Fehlwürfe eine starke Mannschaftsleistung, die vor allem über die Moral und den Kampf gewonnen werden konnte. Wehlmann: „Starkes Spiel der Mannschaft. Hier muss man erst einmal gewinnen. Es war ein extrem schweres Spiel, was wir gut angenommen haben. Die Mannschaft hat eine tolle Einstellung gezeigt und hat sich diesen Sieg verdient erkämpft.“

Durch den Sieg klettert der Aufsteiger jetzt sogar auf Platz zwei, nur zwei Zähler hinter Grün-Weiß Finsterwalde, der mit 35:23 gegen die HV Luckenwalde 09 gewann. 

Chemie Guben – Wünsdorfer Wölfe 23:25 (10:10)
Die Zahlen zum Spiel

Chemie Guben: Müller, Horbynko – Klein 8 (3/3), Kerle 4, Rietschel 4, Kalz 2, Olbzak 2, Nagel 2, Pickert 1, Pechmann, Frohs, Schirmeister, Boehme, Janeck
Wünsdorfer Wölfe: Hirsing (0/2 gehalten), Kersten (0/1 gehalten) – N. Seegebrecht 6 (0/1), Baumann 5, Lange 4, Albrecht 3, Hawaleschka 2, Altin 1 (1/1), Wendland 1, D. Becker 1 (1/3), J. Rackwitz 1, T. Becker 1
Schiedsrichter: Dirk-Uwe Voigt / Lothar Opitz – ließen sich von der giftigen Atmosphäre in der Halle zeitweise offenbar beeindrucken und trafen gerade in der ersten Hälfte einige unglückliche Entscheidungen, wirkten aber nicht spielentscheiden auf das Geschehen ein

Gelbe Karten: Olbzak, Kalz, Kerle – J. Rackwitz, Lange, D. Becker
Zeitstrafen: 6:7 (2x Olbzak, 2x Kerle, Klein, Rietschel – 2x J. Rackwitz, 2x Albrecht, 2x Lange, N. Seegebrecht)
Rote Karten: 
Blaue Karten: 

Siebenmeter: 3/3 (100%) – 2/6 (33,3%)
Wurfquote: 23/48 (47,9%) – 25/47 (53,2 %)