Wölfe bei Twitter

4. Niederlage in Folge

Wölfe verlieren zu hoch

abwehr fiwaDie Wünsdorfer Wölfe sind mit einer Niederlage ins Handballjahr 2019 gestartet. Beim Tabellenzweiten Grün-Weiß Finsterwalde lieferte der MTV zwar eine solide Vorstellung ab, bei der er bis zur Pause sogar mithalten konnte. In der zweiten Hälfte stellten sich die Hausherren aber cleverer an und erspielten sich somit einen Sieg, der im Endergebnis aber deutlich zu hoch ausfällt. mehr...

von Conrad Hipp

Ausgerechnet zum Jahresstart hatte Trainer Matthias Wehlmann personelle Probleme zu verarbeiten. Für die schwere Auswärtsaufgabe beim Tabellenzweiten Grün-Weiß Finsterwalde (erst ein Minuspunkt) hatte der Trainer nur acht Feldspieler zur Verfügung. Deshalb holte er den ehemaligen Abteilungsleiter Denny Philipp, der seit drei Wochen bei den Wölfen mittrainiert um wieder fit zu werden, in den Kader. Dazu stellte er auch sich selbst auf um in der Abwehr die Lücke von Defensiv-Spezialist Justin Rackwitz zu füllen. Die Wölfe hatten vor dem Jahreswechsel drei Pleiten in Folge kassiert, hatten bei der Reise in Finsterwalde das Ziel, sich deutlich besser zu verkaufen als bei der HSG Schlaubetal, wo bei der 24:36-Niederlage vor allem die Einstellung zum Spiel sehr schwach war. 

barsch fiwaGegen den Staffelfavoriten aus Finsterwalde wollte der MTV sich in erster Linie besser verkaufen und die Hausherren so gut es geht ärgern. Das Credo: Man kann auch mit einer Niederlage leben, wenn eine Besserung erkennbar ist. Und das bringen die Wölfe auch von Beginn an auf die Platte. Mit neuen Angriffsvarianten wollen die Wölfe die Grün-Weißen überraschen. Wehlmann: „Wir haben öfter zu schnell abgebrochen, anstatt den Ball weiterzuspielen.“ Die Wölfe haben mit den neuen Varianten noch etwas Durchschlagsprobleme, geraten deswegen erstmals in Rückstand. Als Paul Kaßner bereits nach acht Minuten zum 7:3 trifft, hat sich der Gastgeber den ersten Puffer erspielt. Bei den Wölfen ist noch Sand im Getriebe, der Spielverlauf lässt Schlimmeres erahnen. Den Vorsprung baut Finsterwalde bei 9:4 aus, stellt kurzerhand auf 10:5 (14.).

Dabei läuft es für die Wölfe in dieser Phase überhaupt nicht rund. Ein Beispiel: Nils Seegebrecht steht an der Siebenmeterlinie, wartet auf den Anpfiff. Alle sind bereit, als plötzlich Finsterwaldes Marcel Graß neben Seegebrecht steht und dem Keeper verrät, wo der Ball hingeht. Seegebrecht will den Ex-Wünsdorfer wegschieben, kassiert dafür von den Schiedsrichtern Martin Otto und René Schreiber eine Zeitstrafe an der Linie. Eine Entscheidung, die vertretbar ist, allerdings darf man sich in der Gesamtbetrachtung dieser Situation fragen, was Graß vor der Ausführung direkt neben dem Schützen zu suchen hat. Diese Betrachtungsweise fehlt den Schiris in dieser Situation leider komplett.

wehlmann seegebrecht fiwaDoch dann spielen die Wölfe plötzlich mit. In der Abwehr nimmt Wehlmann einige Veränderungen vor, die Finsterwalde überhaupt nicht schmecken. Die Wölfe agieren jetzt in der Abwehr besser, schalten schneller um und sind offensiv deutlich effektiver. Ein Treffer von Paul Gröpler und zwei Tore von Max Hawaleschka stellen den Spielstand plötzlich von 11:7 auf 11:10 – die Wölfe sind wieder da (21.). Wehlmann: „Die Bereitschaft, hier etwas zu reißen, hat man deutlich gespürt.“ Der spielende Trainer glänzt dabei selbst mit guten Abwehraktionen, lässt mit zwei krachenden Blöcken den Werfern wenig Chancen.

Finsterwalde kann sich zwar nach dem Anschlusstreffer wieder auf 13:10 entfernen, doch die Wölfe schaffen erneut den Anschluss. Wenige Sekunden vor der Sirene bekommen die Wölfe einen Freiwurf. Pass, Stemmwurf von Sven Neundorf und mit der Sirene klingelt es zum 14:13. Eine erste Hälfte, welche die Hausherren vor eine Herausforderung stellt.

Halbzeitstand: Grün-Weiß Finsterwalde – Wünsdorfer Wölfe 14:13

In der zweiten Hälfte starten die Gäste mit einem Torwartwechsel. Ivo Göricke hütet nun das Tor der Finsterwalder und weckt sofort Erinnerungen ans Hinspiel. Dort hatte der Keeper mit einer starken Leistung den glücklichen 20:19-Sieg gesichert. Und auch im Rückspiel macht er dem MTV das Leben schwer. Aus dem Rückraum finden jetzt nur noch wenige Bälle den Weg ins Tor. Dazu schwächen sich die Wölfe auch noch selbst.

wehlmann schiris fiwaDie 34. Minute: Bei einer Abwehr-Aktion attackiert Wehlmann den Finsterwalde-Angreifer, bringt ihn zu Fall. Am Boden liegend stößt der Finsterwalder seinen Kopf in den Intimbereich vom Trainer, worauf Wehlmann aus Reflex schubst. Die Konsequenz: Wehlmann bekommt die Rote Karte, die nach kurzer Überlegung sogar zu einer Blauen Karte geändert wird. Der heimische Spieler kommt für sein körperliches Nachgehen ungestraft davon. Leider in dieser Partie keine Seltenheit, dass die Schiedsrichter zwar die Einzelhandlung an sich korrekt bewerten, aber im Gesamtkontext beide Mannschaften mit unterschiedlichem Maße bewerten. So werden bei den Hausherren auch zahlreiche Schrittfehler freundlich übersehen. Eine Darbietung, die weder die Schiedsrichter noch Finsterwalde selbst irgendwie brauchen. Das zeigen am Ende auch die Zahlen. Finsterwalde bekommt acht Siebenmeter zugesprochen, Wünsdorf zwei. Bei den Zeitstrafen gewinnt der MTV den Vergleich mit 7:5, auch wenn der MTV keineswegs härter agiert als die Hausherren.

Wehlmann in der Kabine: „Ich bin ziemlich traurig über das, was mir da passiert ist. Für die Mannschaft tut mir das unglaublich leid.“ Denn: Durch die Blaue Karte ist Wehlmann auch mindestens für das kommende Heimspiel gegen Chemie Guben gesperrt, darf auch als Coach nicht auf der Bank Platz nehmen. Auch am nächsten Tag beschäftigt ihn sein Feldverweise noch immer: „Ich bin immer noch ziemlich niedergeschlagen. Ich bin auf jeden Fall dafür verantwortlich, dass das Ergebnis am Ende so deutlich wurde.“ Denn nach seinem Ausschluss geht ein Bruch durch die Mannschaft. In der Offensive scheitert der MTV an Göricke, in der Abwehr fehlt die nötige Konsequenz. Wehlmann: „Wir waren defensiv leider ziemlich anfällig, die Bereitschaft für den letzten Schritt hat einfach gefehlt. Dazu fehlte manchmal in der Offensive die zündende Idee.“

Finsterwalde nutzt dies nun aus, um sich abzusetzen. Vom Seitenwechsel bis zur 41. Minute gelingt den Wölfen nur ein Treffer, Finsterwalde indes fünf. Als die Schlussviertelstunde eingeläutet wird, liegen die Wölfe mit 15:23 hinten. Und für die Wölfe kommt es noch dicker. Zehn Minuten vor Schluss kassiert Seegebrecht seine dritte Zeitstrafe, muss ebenfalls vom Feld. Auch hier stellt sich die Frage, ob man dem MTV-Spielmacher tatsächlich alle drei Zeitstrafen hätte zusprechen müssen. Für die Wölfe auf jeden Fall eine harte Entscheidung. 

neuendorf fiwaIn den Schlussminuten ist dann die Moral der Wölfe gebrochen. Finsterwalde trifft und vergrößert den Vorsprung. Am Ende ein Sieg, der deutlich zu hoch ausfällt. Doch die Wölfe zeigen auch weiterhin ihre guten Akzente in der Offensive. Leroy Ulbrich hebt von Linksaußen ab. Statt zu werfen, bedient er Erik Klaus am Kreis, der netzt ein, schickt zudem Graß mit zwei Minuten vom Feld. Ein Treffer, der auf jeden Fall zu den Schönsten des Tages gehört. Wehlmann: „Wir haben unseren Kreisläufer viel mehr mit eingebunden, das hat mir gut gefallen, wie wir unser Angriffsspiel diesbezüglich verändert haben.“ Klaus macht am Kreis fünf Tore, legt eine Wurfquote von 100% aufs Parkett.

Die Wölfe verlieren am Ende dennoch deutlich mit 32:23 und verbuchen damit ihre vierte Niederlage in Folge. Wehlmann: „Die Niederlage war am Ende viel zu hoch. Das hat die Mannschaft an diesem Tag nicht verdient.“ 

Vorteil für die Wölfe: Trotz der Sperre des Trainer lichten sich gegen Guben in der kommenden Woche die personellen Ausfälle. Dazu spürt man in Finsterwalde, dass die Wölfe ihre richtige Einstellung zum Spiel wieder gefunden haben. Wehlmann: „Kompliment an die Mannschaft, wie sie sich heute verkauft hat. Die Moral, wie wir uns durch das Spiel gekämpft haben, war toll.“ So soll gegen Guben die Niederlagenserie unterbrochen werden. Dazu will der Coach die Veränderungen in der Offensive weiter vertiefen. Wehlmann: „Man hat auf jeden Fall den Ansatz gesehen, wie unser Spiel in Zukunft aussehen wird. Wir müssen uns in der Laufbereitschaft noch steigern, dass wir die Bälle nicht mehr aus dem Stand annehmen und so mehr Druck ausüben. Aber man hat gesehen, dass wir uns wieder gefangen haben.“

Das ist auch notwendig, denn in der Tabelle bleiben die Wölfe weiterhin auf Platz sieben. Die Bilanz: Nur drei Siege aus elf Spielen. Daran will der MTV definitiv arbeiten um das Ergebnis aus der Vorsaison mit acht Siegen und Platz sechs noch einzustellen.

Grün-Weiß Finsterwalde – Wünsdorfer Wölfe 32:23 (14:13)

Grün-Weiß Finsterwalde: Göricke, Kiesewetter – Graß 11 (7/8), Kaßner 6, Langer 5, Biele 3, Hänneschen 3, Magister 2, Fiedler 1, Scholz 1, Görner, Müller, Lenz, Kowaczek
Wünsdorfer Wölfe: Barsch, Hirsing – Neuendorf 6 (1/1), Klaus 5, Ulbrich 3, Philipp 3, Hawaleschka 2, Baumann 2, Gröpler 1, N. Seegebrecht 1 (1/1), Wendland, Wehlmann
Schiedsrichter: Martin Otto / René Schreiber – ließen leider eine klare Linie vermissen und gaben so den Spielern wenig Chancen, sich auf sie einzustellen, zeigten zudem bei der Bewertung verschiedener Einzelaktionen immer wieder wechselnde Ansichten

Gelbe Karten: Graß, Langer, Barthel (Trainer) – Philipp, Hawaleschka, Ulbrich, Klotz-Urbaniak (Trainer)
Zeitstrafen: 5:7  (3x Scholz, Graß, Görner – 3x N. Seegebrecht, Gröpler, Klaus, Hawaleschka, Neuendorf)
Rote Karten: Marcel Scholz (Grün-Weiß Finsterwalde / 40. wegen dritter Zeitstrafe), Nils Seegebrecht (Wünsdorfer Wölfe / 50. wegen dritter Zeitstrafe)
Blaue Karten: Matthias Wehlmann (Wünsdorfer Wölfe / 34. wegen einer Tätlichkeit)

Wurfquote: 32/51 (62,7%) – 23/45 (51,1%)
Siebenmeter: 7/8 (87,5%) – 2/2 (100%)

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