Wölfe bei Twitter

Wölfe mit klarem Heimsieg

Der Spaß am schnellen Offensivspiel ist zurück

becks wurf mtv belzig

Die Wünsdorfer Wölfe haben sich im Heimspiel gegen den MBSV Belzig mit einer starken Mannschaftsleistung im oberen Mittelfeld der Tabelle zurückgemeldet. Nach zuletzt offensiv schwächeren Darstellungen zeigte der MTV nun trotz einiger Fehlwürfe offensiv eine optimierte Vorstellung. Mehr...

von Conrad Hipp
Fotos: Victoria Becker

In den vergangenen Wochen hatten die Wölfe oft ihre Makel in der Offensive. Nicht die Wurfquote, sondern die Anzahl der erarbeiteten Würfe waren das Problem. In der Vorwoche tankte das Rudel dabei Selbstvertrauen. Beim Gastspiel beim HC Spreewald II (25:25) hatte der Gegner zwar erneut mehr Wurfchancen, der MTV zeigte sich aber bereits deutlich strukturierter im Offensivspiel. Jetzt sollte gegen den MBSV Belzig der nächste Schritt nach vorn gelingen.

altin mtv belzigRein statistisch gesehen hätte es kaum einen Gegner gegeben, der besser in diese Phase passt. Mit 32 Gegentoren im Schnitt hat der MBSV vor dem Spiel die schwächste Abwehr der Liga. Ideal, um Offensivprobleme zu bearbeiten? Ja, und nein. Denn gleichzeitig erzielt Belzig auch mit 25,5 Toren 3,5 Buden mehr pro Spiel als die Wölfe. Für Trainer Matthias Wehlmann und seinen neuen Assistenten Elmar Klotz-Urbaniak war also Vorsicht geboten, immerhin hatte Belzig seine fünf Niederlagen allesamt gegen die bisherigen Top 5 der Liga kassiert und dabei immerhin diesen Toreschnitt erzielt.

Bei ungewohnter Heimspielzeit, Sonntag um 15 Uhr, gingen die Wölfe auf die Jagd. Und der Gegner verteilte erst einmal Lockmittel. Georg Wendland, passend zum Movember-Aktionstag in der Paul-Schumann-Halle mit einem Vorbilds-Schnäuzer angereist, nagelte den Wölfen Tor eins und zwei in die Maschen. Die Wölfe waren in den ersten Minuten noch am Kuchenbuffet, brauchten stolze 6:38 Minuten bis zum ersten Treffer. Nils Seegebrecht trifft per Siebenmeter.  Das erste Tor aus dem Spiel dauert aber bis zur 10. Minute. Ronny Lange erzielt das 2:2. Die Wölfe bis hierhin offensiv in der Findungsphase, aber defensiv bereits massiv. Nach den frühen Treffern der Märkischen machten die Wölfe hinten nämlich den Laden dicht, standen defensiv extrem kompakt und ließen nur wenig wirklich freie Würfe zu. Was sonst noch auf den Kasten kam, verarbeitete Torhüter Nils Barsch in der Resteverwertung.

lange wurf mtv belzigNach den ersten zehn Minuten hatten die Wölfe dann das Spiel endgültig im Griff. Die Kutsche fuhr wie die Wölfe die Zügel zogen. Max Hawaleschka zum 3:2, Seegebrecht zum 4:2, Lange zum 5:2 und nach 13 Minuten war der erste Winterspeck angefressen. Belzig hatte offensiv nun deutliche Probleme, irgendwie stattzufinden und die Wölfe brachten sich mit schnellem Umschaltspiel in gute Positionen. „Wir wollten insgesamt schneller spielen, das hat die Mannschaft gut umgesetzt“, lobt Co-Trainer Elmar Klotz Urbaniak, der gegen Belzig sein Heimspieldebüt auf der Wölfe-Bank feierte. Die Wölfe können sich durch ihre Spritzigkeit konsequent absetzen. Nach dem die Belziger ihre Auszeit nehmen (16.), wechselt Coach Wehlmann fleißig durch. Auch das bringt an diesem Tag keinen Qualitätsverlust. Die Wölfe bauen den Vorsprung von 8:4 durch Treffer von Leroy Ulbrich und Egor Vikhrov sogar noch auf 10.4 aus. 

Danach lassen sich die Wölfe etwas vom Kaffeeduft aus der Kabine lenken. Die Führung der Feier übernimmt mal eben Belzig. Zunächst kassiert Trainer Denis Wandersse die Gelbe Karte, nach dem er wiederholt kundtat, mit den Schiedsrichterentscheidungen nicht einverstanden zu sein. Bemerkenswert: Wandersse kassierte in dieser Saison bereits seine fünfte Gelbe Karte auf der Bank – im siebten Spiel. Seine Männer werden dadurch aber geweckt, die Wölfe zur Pause gerufen. Belzig knipst in den letzten fünf Minuten der ersten Hälfte genauso viel Tore wie in den 25 Minuten zuvor und hält sich so minimal im Spiel. Aus Wölfe-Sicht eine Halbzeit-Führung, die unnötige Restspannung mit sich trägt.

mtv abwehr belzig

Halbzeitstand: Wünsdorfer Wölfe – MBSV Belzig 12:8

Dass der Kaffee in der Kabine offenbar zur Entspannung beitrug, zeigt der Beginn von Hälfte zwei. Nach einem Treffer von Maik Fricke und einem Tor von Lars Baumann bringt Jannes Wernicke die Belziger mit einem Doppelschlag plötzlich wieder heran. 13:11 nach 36 Spielminuten. Die mitgereisten Fans der Belziger samt weiblicher D-Jugend, die zuvor bei den Wolfswelpen gastierten, wittern plötzlich Morgenluft. Doch die Wölfe haben sich in den kalten Tagen vor dem Winter angeeignet, das Zahnfleisch wieder etwas resistenter zu machen. „Was wir am schnellen Umschaltspiel in den vergangenen Einheiten gefeilt haben, hat die Mannschaft sehr gut umgesetzt“, resümierte Klotz-Urbaniak. 

Auffällig im Wölfe-Spiel: Erstmals in dieser Saison erarbeitet sich das Rudel mehr Wurfmöglichkeiten als der Gegner. Bei der Ausbeute von 50 Versuchen gegenüber 49 Würfen der Gäste ist der MTV zwar nur knapp vorn, aber das reicht, um dem Gegner einige Dinger mehr einzuschenken. Denn: Auch in den vergangenen Spielen stimmte die Wurfquote, nur die Chancen waren eben zu wenig. Heute legen die Wölfe wieder eine Quote von 58% (Mittelwert in der Saison bisher 54%) hin, aber: Wer mehr wirft, trifft auch mehr. 

hirsing klatscht mtv belzigDazu kommt, dass auch die Abwehr nach dem kurzen Aufmucken der Belziger wieder da ist. Carlo Hirsing, der nach dem Pausenkaffee das Tor hütet, knüpft nahtlos an die Leistung seines Nebenmannes an. „Es ist schön zu sehen, dass man den Torhüter wechselt und keiner merkt es, weil beide eine sehr starke Leistung zeigen und die Abwehr sich immer auf den Mann dahinter verlassen kann“, lobt Klotz-Urbaniak, früher in seiner aktiven Zeit selbst Torhüter. Nach einer Parade sichert Hirsing den Ball vor einem Einwurf. Belzigs Christopher Dümchen stürmt heran, will den MTV-Goalie festmachen, hört aber nicht auf zu laufen und marschiert samt Ball und Torwart in die Hallenwand. Nach dem 13:11 spielt Belzig Roulette, Wünsdorf sagt „rien ne va plus“. Plötzlich taucht sogar Justin Rackwitz, in dieser Saison bisher ohne Treffer geblieben, regelmäßig offensiv auf. Versuch 1: Gehalten – Versuch 2: abgestanden. Der dritte stizt und knallt. Innenpfosten rein, das 14:11. Baumann macht das 15:11 aus dem Rückraum mit einer Lockerheit eines Windbeutels. Danach räumt Dümchen den nächsten ab, fährt Seegebrecht seitwärts vollends in die Parade. Dümchen erhielt seine Zeitstrafe, von da an war auch Ruhe. Es war eine der wenigen überharten Szenen in einer sonst sehr fairen Partie, in der es nur fünf Zeitstrafen gab.

Fotogalerie: Wünsdorfer Wölfe – MBSV Belzig

Die Wölfe stellen durch Rackwitz und Hawaleschka auf 17:11. Der MTV hat Belzig in die Ecke gedrängt. Die Trommel und der Gesang der Jugend hält aber weiter durch. Die Mannschaft auf der Platte lässt die Wölfe streifen. Baumann massiert mit der Kugel die Latte. Der Ball springt hinter die Linie, durch den Drall aber direkt seitlich raus. Das sehr gut aufgelegte Schiedsrichtergespann Lucas Frommer / Marvin Kusian sieht aber ganz genau hin, entscheidet völlig korrekt auf Tor – 18:12. Belzigs Bank wird es zuviel, Betreuer Ralph Gutzmer erweist seiner Mannschaft mit überdurchschnittlichen verbalen Aktivitäten auf der Bank einen Bärendienst und schickt sein Team mit einer Unterzahl gen Aufholjagd. 

Zwei Tore von Tim Wendland und zwei Buden von Baumann ersticken aber jegliche Ideen einer Rückkehr im Keim. Beim 22:12 ist wirklich jeder Pessimist davon überzeugt, dass die Wölfe ihre Beute hier gefangen haben. Klotz-Urbaniak: „Man hat der Mannschaft auch angemerkt, dass sie mit dem schnellen Offensivspiel wesentlich mehr Spaß hat. Leider haben wir noch zu viel Bälle leichtfertig vergeben.“ Was er meint: Die Wölfe erarbeiten sich aus der stabilen Abwehr heraus einige Konterchancen. Zauberpässe von Hirsing oder Lange finden den Weg zum Abnehmer, doch vor dem Kreis scheitern die Wölfe zu oft am starken Belzig-Keeper Michael Schröter. 

mtv bank

In der Schlussphase gibt es nur noch ein Diskussionsthema: Zehn Tore Vorsprung oder nicht? Nach dem 23:12 kommt Belzig auf 23:14 heran, danach wechselt das Polster von zehn auf neun Tore und wieder zurück. Es ist egal, wie hoch der Sieg wird, aber die zehn Tore wollen die Wölfe eben doch noch. 59 Sekunden vor dem Ende locht Ulbrich von Linksaußen ein – 29:19. Danach passiert nichts mehr. Der MTV verteilt am Heimspiel-Sonntag süßen Handball zum Genießen. „Nachdem die Mannschaft in den vergangenen Spielen offensiv verunsichert gewirkt hat, hat man heute wieder sehr viel Spaß und Spielfreude gesehen“, lobt Klotz-Urbaniak. Die Wölfe spielen gewohnt eine starke Abwehr, zeigen aber auch offensiv trotz 21 Fehlwürfen ihre Qualitäten und bringen mit schön herausgespielten Torabschlüssen viel Sonnenschein in den vorwinterlichen Sonntag. 

In der Tabelle bedeutet das Platz 5. Diesen hatten sie bereits am Samstag nach dem Spiel der OSG Fredersdorf-Vogeldsdorf bei der TSG Lübbenau 63 II (31:24 für Lübbenau) inne, festigten diesen nun. Mit drei Toren mehr wäre der MTV sogar auf Platz 4 gehüpft. Diesen kann sich ddas Team dann am 1. Dezember beim Auswärtsspiel bei der HV Luckenwalde 09 erarbeiten. Vorher geht's aber im HVB-Pokal gegen den Oranienburger HC II (kommenden Samstag, 15 Uhr, Paul-Schumann-Halle).

Wünsdorfer Wölfe – MBSV Belzig 29:19 (12:8)

Wünsdorfer Wölfe: Barsch (0/1 gehalten), Hirsing – Baumann 5, Ulbrich 5 (1/1), Gröpler 3, Hawaleschka 3, Lange 3, J. Rackwitz 2, T. Wendland 2, Vikhrov 2, N. Seegebrecht 2, Klaus 1, D. Becker 1, Altin
MBSV Belzig: Schröter, Wetzel – G. Wendland 7, Wernicke 3 (1/1), Schlünz 3, Fricke 2, Schmeißer 1, Dalibor 1, Dümchen 1, Hübeler 1, Paul, Hainke, Dreer, Ringewald
Schiedsrichter: Lucas Frommer / Marvin Kusian – starke Vorstellung des jungen Schiedsrichtergespanns. Behielten immer die Ruhe und sortierten auch in hitzigen Phasen alles wieder ins Rechte, übersahen lediglich beidseitig ein paar Schrittfehler

Gelbe Karten: Klaus, Lange – Paul, Dreer, Wandersee (Tr.)
Zeitstrafen: 1:4 (Gröpler – Paul, Dreer, Dümchen, Gutzmer (Betreuer))
Rote Karten: –
Blaue Karten:

Siebenmeter: 2/3 (66,67%) – 1/1 (100%)
Wurfquote: 29/50 (58%) – 19/49 (38,77%)