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Wölfe in Lübbenau ohne Biss

Mit Schonkost wird der Winter kalt

erik paul tsg

Die Wünsdorfer Wölfe haben im vierten Saisonspiel ihre zweite Niederlage kassiert. Bei der TSG Lübbenau 63 II unterlag das Rudel damit nach Grün-Weiß Finsterwalde einem weiteren Anwärter für die Top3. Während die Wölfe die Grün-Weißen aber noch mit viel Biss lange ärgern konnten, reiste das Rudel im Spreewald mit blutigem Zahnfleisch an. Mehr...

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abwehr tsgAls die US-amerikanische Rockband „Green Day“ im Jahre 2003 den Song „Wake Me Up When September Ends“ komponierte, gingen viele Spieler des MTV Wünsdorfs noch nicht einmal in die Schule. Wenn man allerdings nach dem vergangenen Wochenende eine Hymne des Monats wählen müsste, wäre dieser Songtitel wohl ziemlich passend.

Eine Woche, nach dem der MTV Grün-Weiß Finsterwalde am Rande einer Niederlage hatte, mit viel Biss und Zielstrebigkeit nur knapp mit 19:20 verlor, sollte in Lübbenau der nächste Aspirant für eine Top-Platzierung geärgert werden. Wichtig sollte sein, eine stärkere Wurfquote als in der Vorwoche (41,3 Prozent) an den Tag zu legen um am Ende eine bessere Torausbeute zu erzielen. Was bei der Anreise noch nicht im Bild stand: Es sollten ganz andere Baustellen zum Tragen kommen.

fahrschulle muellerSchon beim Warm-Up startet der Spieltag holprig. Nach dem sich das Spiel der TSG-A-Jugend in die Länge zog, bleibt nur eine knappe halbe Stunde zum Aufheizen. Schon dort fällt auf, dass der MTV irgendwie nicht richtig auf Temperatur kommt. Die haben beide Mannschaften auch beim Anpfiff noch nicht. Lübbenau braucht ein paar Augenblicke um ins Spiel zu finden. Die Wölfe passen sich dem an, gönnen sich selbst ebenfalls diese Minuten und geben sie folgerichtig auch dem Gegner. Es ist ein zeitiges Abtasten, bei dem aber nur eine Mannschaft langsam Druck auf den Kessel bekommt. Während die Wölfe es nicht schaffen, in den ersten vier Minuten einen Torwurf zu produzieren, kriegt die TSG schon drei Chancen. Die Abwehr steht gut, Torhüter Nils Barsch kann so alle drei Bälle entschärfen. So steht die Null, vorn wie hinten. Erst nach knapp fünf Minuten gibt's den ersten Siebenmeter für die Wölfe – Dirk Becker erzielt das 0:1 (5.).

nils tsgAllerdings zeigen die Wölfe in der Offensive extrem wenig. Während die Hausherren jetzt ins Spiel finden und Abwehr sowie Torhüter überwinden können, bleibt der MTV blass. Das liegt in dieser Phase nicht nur am Offensivspiel der Gastgeber, sondern in erster Linie an der Harmlosigkeit der Wölfe. Aus dem Spiel heraus fällt erst in der 9. Minute das erste MTV-Tor. Die TSG-Abwehr wird kaum gefordert. Der MTV spielt schmalspurig und mit zu wenig Struktur. Das Problem: Während man in der Vorwoche noch den Siegeswillen spührte, fehlt im Spreewald komplett die Körpersprache. Nach 15 Minuten versuchen die Wölfe die erste Umstellung. Nach dem Barsch im Tor stark anfing, gelang ihm ab der 4. Minute nur noch eine Parade aus dem Feld. Folgerichtig der Wechsel: Stefan Wagner hütet nun das Tor (8:3). Bis zur ersten Auszeit ändert sich dennoch wenig. Beim 11:5 zieht Matthias Wehlmann die Grüne Karte – Auszeit (22.).

Ob Trainer, Ersatzbank oder Feldspieler. An diesem Tag wirkt beim Rudel fast jedes Puzzleteil am falschen Platz. Die Kommunikation kaum vorhanden, gutes Zusammenspiel sieht man selten. Das einzig Positive ist, dass die Wölfe es irgendwie schaffen, den Spielstand noch im Rahmen zu halten. 

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Halbzeitstand: TSG Lübbenau 63 II – Wünsdorfer Wölfe 14:10

Mit Treffern von Paul Gröpler und Nils Seegebrecht beginnt die zweite Hälfte hoffnungsvoll. Plötzlich steht es 14:12 und die Wölfe sind dran. Allerdings ist der Schein etwas trügerisch. Denn von der Körpersprache ist leider kein Aufbäumen erkennbar. Lübbenau setzt sich wieder auf 16:12 ab, danach kommt die energischste Rudel-Phase. Zwei Treffer von Egor Vikhrov und ein weiteres Tor von Seegebrecht bringen die Wölfe plötzlich in Schlagdistanz. Nach 42 Minuten steht es 16:15, an der Einstellung und Siegeslust der Wölfe sieht man die Knappheit des Spielstandes allerdings nicht. Ein „Jetzt sind wir da“ oder „Jetzt holen wir uns die Punkte“ bleibt aus – es geht kein Ruck durchs Team. Stattdessen erzielt Matthias Drannaschk das 17:15, Justin Rackwitz fliegt mit seiner dritten Zeitstrafe vom Feld und die Köpfe hängen.

lange tsgPaul Gröpler macht noch das 17:16, danach werden die Wölfe für ihre kopflose Spielweise bestraft. Lübbenau spielt im Angriff nun wieder effektiver und hat im Vergleich mit dem MTV einen großen Vorteil: Die TSG erarbeitet sich Wurfchancen. Auf die gesamte Spielzeit gesehen haben die TSG-Handballer 14 Wurfversuche mehr als die Wölfe (54:40). Es ist nicht nur die schwache Wurfquote, die an diesem Tag deutlich wird, sondern vor allem die wenigen Angriffe, die der MTV tatsächlich zu Ende spielt. Die Bilanz: Nur 40 Torversuche, 22 davon gehen nicht ins Tor. 

Nach dem TSG-Scharfschütze Sebastian Schultz seinen siebten Treffer des Tages (22. Saisontreffer im zweiten Spiel) erzielt, darf Carlo Hirsing ab dem 21:17 als dritter Keeper ran. Bisher war Hirsing in dieser Saison nur bei Siebenmetern auf dem Feld, die ersten fließenden Minuten sind undankbar. Denn auch in der Abwehr geben die Wölfe nun die Spannung vollends auf, lassen ihren Goalie hinten völlig im Stich. So hat Lübbenau in den Schlussminuten freies Werfen, erhöht den Vorsprung in den letzten zehn Minuten von vier auf neun und schickt die Wölfe mit gestutzen Zähnen nach Hause.

Würde der Wolf Winterruhe halten, müsste man sich Sorgen machen, ob das Rudel bis zum Winter genug Beute angefressen hat, um in der Kälte zu bestehen. Zum Glück aber jagen die Wölfe auch, wenn es draußen friert. So kann das Rudel in den kommenden Wochen am Biss arbeiten, um wieder sättigende Beute zu erhaschen. Denn mit weiterem Verzehr von Schonkost könnte es ein kalter Winter werden.

TSG Lübbenau 63 II – Wünsdorfer Wölfe 27:18 (14:10)

TSG Lübbenau 63 II: Kuske, Pätzold – Krüger 8 (2/2), Schultz 7 (1/2), Drannaschk 3, Ambrosius 3, Siebert 2, Bischoff 2, Köhler 1, Werban 1, Röck, von Stürmer
MTV Wünsdorf 1910: Barsch, Wagner, Hirsing – N. Seegebrecht 4 (2/2), Gröpler 4, Baumann 3, Vikhrov 2, D. Becker 2 (1/2), Hawaleschka 2, Klaus 1, J. Rackwitz, Altin, Wendland, Lange
Schiedsrichter: Glen Fiebrantz/Tobias Schrell – hat wenige kritische Situationen zu klären, leiteten mit einer klaren Linie seriös und unauffällig die Partie

Gelbe Karten: Schultz, Drannaschk, Bischoff – J. Rackwitz, Klaus, Lange
Zeitstrafen: 7:8 (2x Siebert, 2x Drannaschk, Schultz, Röck, von Stürmer – 3x J. Rackwitz, Klaus, Wendland, D. Becker, Lange, Baumann)
Rote Karten: Justin Rackwitz (MTV Wünsdorf/43. wegen dritter Zeitstrafe)
Blaue Karten: 

Siebenmeter: 3/4 (75%) – 3/4 (75%)
Wurfquote: 27/54 (50%) – 18/40 (45%)