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MTV gewinnt Derby bei Schöneiche

Durch den Wolf gedreht

teaser sgs mtv

von Conrad Hipp

Der MTV Wünsdorf hat das Derby bei der SG Schöneiche überzeugend mit 29:23 (15:7) gewonnen. Aus einer starken Abwehr heraus ließen die Wölfe den Hausherren, die einen völlig gebrauchten Tag erwischten, schon früh im Spiel wenig Chancen, ihren Platz im Spiel zu finden. Bester Werfer des Spiels war Wünsdorfs Jan-Eike Albrecht mit acht Treffern.

Es gibt Momente, in denen Omas Kamillentee wenig ausrichten kann gegen Bauchbeschwerden. Vielmehr sind es laute Gesänge wie „Ufta, Ufta, Täterää“ oder Fans, die skandieren „Auswärtssieg, Auswärtssieg“, die dabei helfen, das Wohlbefinden wiederherzustellen. So erging es auch Wölfe-Coach Matthias Wehlmann bei seiner ersten Rückkehr an die alte Wirkungsstätte in Mittenwalde. „Ich hatte vor dem Spiel schon ein bisschen Bauchschmerzen“, erzählt er, während das griechische Essen in der Taverna Pella in Wünsdorf schon wieder schmeckt. Um den Bauchschmerzen möglichst wenig Raum zu geben hatte der neue Leitwolf sein Rudel bereits am frühen Nachmittag zu einem gemeinschaftlichen Spaziergang versammelt. Die Mannschaft fokussiert auf das Spiel, leitet schon früh die Konzentrationsphase ein.

In der Halle wird Wehlmann freundlich von den Verantwortlichen der SGS empfangen. Sein Rudel rollt derzeit auf dem Parkett schon Richtung Betriebstemperatur. Auf den Rängen ist indes schon früh kaum noch Platz. Im Wölfe-Block rutschen die Fans zusammen um noch Freiraum für die Trommel zu schaffen. Die letzten Zuschauer stehen auf dem Geländer um etwas zu sehen. Die Atmosphäre erinnert schon früh an die Begegnung der Vorsaison, die Schöneiche mit einem Treffer gewinnen konnte.

Ins Spiel: Für die Wölfe beginnt Nils Barsch im Tor hinter seinen Vorderleuten Max Hawaleschka, Jan-Eike Albrecht, Sven Neuendorf, Lars Baumann, Tim Wendland und Dirk Becker. Es beginnt eine Abtastphase, beide Teams stehen von Beginn an in der Abwehr sehr kompakt. Pascal Werner eröffnet das Geschehen mit einem Kontertor nach gut drei Minuten (1:0), Wendland egalisiert die Führung im direkten Gegenzug (3.). Die Hausherren haben schon früh im Spiel Probleme gegen die Wölfe-Abwehr. „Wir haben da nicht wirklich ins Spiel gefunden“, findet auch Steven Werner. Der MTV verschiebt gut, ist gut organisiert und lässt der SGS somit wenig Platz um gute Gelegenheiten rauszuarbeiten.
barsch ballGelingt es doch, steht Barsch im Tor und macht die Hütte dicht. Lediglich zwei Treffer erzielt Schöneiche in der ersten 21 Minuten! „Die Abwehrarbeit hat sehr gut funktioniert“, findet auch Wehlmann. Durch die starke Defensivleistung vertuscht der MTV, dass er in der Offensive selbst nur schwer in Fahrt kommt. „Auch Schöneiches Abwehr stand sehr gut. Da war es nicht leicht, durchzukommen“, erzählt Nils Seegebrecht. Trotzdem gelingt es den Wölfen, sich über gut herausgespielte Aktionen abzusetzen und durch den treffsicheren Max Hawaleschka mit 6:2 in Führung zu gehen. Schöneiche zieht die Reißleine – grüne Karte (15.)

Schon früh im Spiel wird allein an der Körpersprache klar, dass der MTV hier heute entscheiden will, wenn es um die Punkteverteilung geht. Verschiedene Mittel wie Torwart-Wechsel oder Manndeckungen bringen die SGS nur bedingt besser ins Spiel. Die Hausherren haben ausgerechnet am Tag es Derbys einen völlig gebrauchten Tag angedreht bekommen. Ex-Wolf Leroy Ulbrich scheitert per Siebenmeter an Barsch, der den Wurf seines ehemaligen Teamkollegen vorher gut ausgeguckt hatte. Barsch pariert insgesamt acht von neun Siebenmetern gegen sich. Das bringt sogar den Wischer der Hausherren so auf die Palme, dass der einmal lautstark mit der Hand gegen Hallenwand schlägt. „Barschi hatte heute schon einen sehr guten Tag“, sagt auch Schöneiches Torwart-Legende Marco Zwanzig anerkennend. „Gesehen hab ich sowas auch schonmal. Gemacht aber nicht“, fügt er mit einem Grinsen hinzu.

Die Wölfe stellen auf 3:11 und im Schöneiche-Block kriegt man langsam den Eindruck, das eigene Team würde durch den Fleischwolf gedreht werden. Beim Stand von 7:15 werden die Seiten gewechselt.

In der Wölfe-Kabine spricht Routinier Dirk Becker, der sich auch auf dem Feld immer wieder die jungen Spieler an die Seite nimmt, und erinnert die Mannschaft daran, nicht den Faden zu verlieren und dran zu bleiben. Schöneiche hingegen will mit einem guten Start vielleicht nochmal verkürzen. Gelingt nicht – nach nur neun Sekunden produzieren die Hausherren den ersten Ballverlust, Wendland kontert zum 7:16. Der MTV baut seine Führung zwischenzeitlich auf 12 Tore aus, klärt in dieser Phase eindeutig die Verteilung der Punkte. Schöneiche bedient, Wünsdorf obenauf.

Erst in der Schlussviertelstunde lässt die Anspannung bei den Wölfen nach und Schöneiche bekommt den Platz, etwas Schadenbegrenzung zu betreiben. So kann die SGS mit fortlaufender Uhr verkürzen. In der Schlussminute erwischt Ronny Lange Schöneiches Matthias Große etwas übermotiviert am Hals. Große rächt sich sofort, schubst Lange zu Boden. Folgerichtig bekommen beide Spieler die rote Karte gezeigt und sehen das Spielende nur von außerhalb. Kurz darauf besiegelt die Schlusssirene das amtliche Ergebnis von 23:29!

Nach dem Spiel sind die Gastgeber schnell in der Kabine verschwunden, während die Wölfe auf dem Parkett singen und Feiern. Bauchschmerzen adé – das Rudel sing Ufta Täterää. Bei seiner Rückkehr hat Wehlmann seine Truppe taktisch stark eingestellt konnte mit dem Auftritt seines Rudels zufrieden sein. Die Wölfe bleiben damit als einziges Team in der Landesliga Süd verlustpunktfrei. Liegen nach zwei gespielten Partien auf dem zweiten Platz hinter Stahl Eisenhüttenstadt (drei Siege aus vier Spielen). Am kommenden Wochenende reisen die Wölfe zum HSV Senftenberg (3:5 Punkte nach vier Spielen). Da dann vielleicht wieder ganz ohne Bauchschmerzen vor dem Spiel.

 

Die Zahlen zum Spiel

SG Schöneiche: Schiffmann (0/1 gehalten), Sitek (0/2 gehalten), Haubold (0/1 gehalten) – Raasch 5, Pa. Werner 4, Ehmke 3 (0/1), Ulbrich 3 (0/1), S. Werner 2 (2/5), M. Große 2, C. Große 1, Krüger 1, Balster 1, Rothe 1 (1/3), Ewald

MTV Wünsdorf: Barsch (8/9 gehalten), Hirsing (0/2 gehalten) – Albrecht 8, Wendland 5, Lange 5, Neuendorf 5 (4/4), Hawaleschka 3, D. Becker 2, N. seegebrecht 1, Missal, Baumann, Schüler, J. Rackwitz, Kerbs

Gelbe Karten: M. Große, Ehmke – Lange, Baumann, Neuendorf

Zeitstrafen: 2:4 – S. Werner, Krüger – Seegebrecht, Baumann, Schüler, Albrecht

Rote Karten: Matthias Große (SG Schöneiche/60. wegen einer Tätlichkeit) – Ronny Lange (MTV Wünsdorf/60. wegen groben Foulspiels)