Wölfe bei Twitter

Hallensprecher Conrad Hipp feiert Jubiläum

„Für die Wölfe sagte ich der Bundesliga ab“

hipp teaser

Seit 2009 steht er mit dem Mikrofon am Spielfeldrand der Wölfe. Heute feiert Hallensprecher Conrad Hipp (27) sein Jubiläum. Der Pressewart moderiert zum 100. Mal ein Heimspiel der Wölfe. Zeit, die Rollen einmal anders zu verteilen und mal den zu befragen, der sonst selbst die Fragen stellt. Nils Seegebrecht und Ronny Lange sprechen mit der Wölfe-Stimme über seine Wünsche an die Fans, seine Lieblingsspiele und sein abgesagtes Bundesliga-Debüt.

Dieses Interview wird präsentiert von

zurawski 2016

Lange: Conrad, du machst gegen Elsterwerda dein 100. Heimspiel als Hallensprecher. Du hast hier schon eine Menge erlebt im Verein, aber die Vorfreude auf dein Jubiläum spürt man schon seit Monaten. Bist du etwa aufgeregt?
Hipp: Lassen wir es bei Vorfreude. Die Aufregung hält sich in Grenzen. Ich hab ja mittlerweile Routine.
 
Lange: Was macht für dich das 100. Spiel so wertvoll und was geht innerlich in dir vor?
Hipp: Das ich langsam alt werde (lacht). Nein, es macht mich schon stolz, dass der Verein und ich uns so lange die Treue gehalten haben. Ich erlebe ja nun mittlerweile meine 9. komplette Saison hier – und das mit frischen 27. Wenn man so will, bin ich ja der Dienstälteste bei der Ersten. 
 
Lange: Welche Erwartungen hast du an dich und an die Mannschaft vor deinem 100. Spiel?
Hipp: Ich will, dass die Mannschaftsvorstellung schön aussieht. Da habe ich mit Hilfe einiger Freunde ein bisschen was leuchtendes vorbereitet. Ansonsten erwarte ich natürlich ein schönes Spiel, aus dem wir am Ende unter geiler Stimmung als Sieger rausgehen. 
 
Seegebrecht:  In der Umgebung gibt es mehrere Vereine bzw. andere Sportarten! Wie kam es damals dazu, dass du dich für Wünsdorf und für den Handball entschieden hast?
Hipp: Das ich Hallensprecher beim Handball bin, ist ja eigentlich keine Wünsdorfer Erfindung. Meine ersten Worte durchs Mikrofon habe ich ja in Rangsdorf gesprochen...
 
Seegebrecht: Wieso dort?
Hipp: Als ich 16 war hat meine damalige Freundin dort in der Jugend gezockt und die brauchten für ihr Vorbereitungsturnier einen Hallensprecher, weil der etatmäßige Sprecher, Thomas Petersdorf, beruflich verhindert war. Das skurrile ist: Sie hatte quasi schon abgesagt und hat mir das nur beiläufig erzählt. Und ich hab dann zu ihr gemeint: „Wieso sagst du denn sowas? Klar mach ich das.” Dann ging es bei Lok in der Saison weiter und dann hat mich Wünsdorf entdeckt und hat mich erfolgreich abgeworben. 
 
Seegebrecht: An welches Spiel kannst du dich noch so gut erinnern, als wäre es gestern?
Hipp: Puh, davon gibt's ein paar. Als ich letztens in Potsdam 3. Liga gesehen habe – Potsdam gegen Werder und bei Werder den guten Tom Lessig im Tor sah, musste ich mich dran erinnern, wie wir Werder im Pokal mal geputzt haben. Die waren Tabellenführer in der Brandenburgliga, wir haben als Verbandsligist mit 27:23 gewonnen. Ähnliches haben wir mit Grünheide gemacht. Das waren schon Spiele, die hängen bleiben. Und natürlich 2012 das Spiel gegen Dahlewitz, wo wir dann endlich aufgestiegen sind. Das Spiel war eigentlich unspektakulär, aber man ist eben endlich Meister geworden. 
reviererweiterung
Lange: Kannst du dich an dein 1. Spiel noch erinnern. Gegner, Ergebnis, deine Gefühle?
Hipp: Nicht mehr wirklich. Es war Ende Januar, Anfang Februar 2009. Trainer war damals Frank Reichert und wir haben gegen den Abstieg aus der Verbandsliga gekämpft. Ich glaub wir haben verloren. Mehr weiß ich nicht mehr…
 
Seegebrecht: Wie hast du dich selbst als Hallensprecher entwickelt? Was machst du heute anders als damals?
Hipp: Ich denke, in erster Linie bin ich über die ganze Zeit auch durch meinen Job professioneller geworden. Und ich interpretiere die Aufgabe als Hallensprecher mittlerweile komplett anders. 
 
Seegebrecht: Wie denn?
Hipp: Früher hab ich die Teams vorgestellt, Tore und Spielstände angesagt, fertig. Mittlerweile versuche ich, das ganze Heimspiel so mitzugestalten, dass es für alle ein angenehmer Abend wird. Für Spieler, Trainer, Fans, Gäste, Schiedsrichter...
 
Lange: Du bist auch unser Autor und du hast schon jede Menge Berichte und Interviews für den Verein geschrieben. Welche Zukunftspläne hast du als Hallensprecher und Autor mit dem Verein?
Hipp: Ich will als Mitglied der Abteilungsleitung weiter helfen, den Verein zu entwickeln. Ich hab dabei noch tausende Ideen, die ich hier gerne in meinem Verantwortungsbereich umsetzen will. In Zukunft sollen wieder mehr Fotos auf der Seite erscheinen und es sollen auch regelmäßig Videos auf unseren Plattformen stecken. Das ist der nächste Schritt und ich freu mich, dass ich in meiner Arbeitsgruppe da immer auf offene Ohren und Vertrauen stoße. 
hipp marathonSeegebrecht: Auch du bist begeisterter Sportler. Erzähl mal ein bisschen von deiner sportlichen Vergangenheit und was du noch erreichen möchtest?
Hipp: Handball gespielt hab ich ja selbst nie wirklich. Ich stand in der Jugend lieber auf dem Freiplatz und hab Basketball gespielt. Da waren auch Steven Werner und Mark Schiffmann aus Schöneiche regelmäßig dabei. Ansonsten bin ich ja leidenschaftlicher Läufer. Im Oktober hab ich in Köln meinen ersten Marathon gemacht. In diesem Jahr folgt einer an der Müritz und der Berliner. Mal gucken, wie viele es noch werden.
 
Seegebrecht: Die Stimmung in unserer Halle und unsere Zuschauerzahlen sind sehr ordentlich! Wie zufrieden bist du mit unseren Fans und Zuschauern?
Hipp: Die Fans sind super und ich bin stolz, dass man das von anderen Vereinen immer wieder gesagt bekommt. Die Stimmung in der Halle ist auch toll. Als Hallensprecher würde ich mir eine bessere Akustik bzw. Anlage wünschen.
 
Seegebrecht: Was würdest du dir sonst noch wünschen bzw. was können wir noch verbessern?
Hipp: Von der Tribüne will ich in Zukunft weniger Gefluche und weniger Ausdrücke hören. Ja, in gewisser Weise gehört Meckern zum Dorfhandball und wir sind alle mit viel Emotionalität dabei. Ich hab während des Spiels auch kein Puls von 30. Aber wir haben Kinder auf der Tribüne, die müssen mit solchen Worten nicht aufwachsen. Da sollten wir uns alle der Vorbildfunktion bewusst sein. Die Energie für die Ausdrücke ist besser aufgehoben, wenn unser Team im Angriff ist. 
 
Lange: Du hast viele Spieler bei den Wölfen gesehen und begleitet. An welche Spieler erinnerst du dich gern zurück und warum?
Hipp: Das waren wirklich einige. Ich würde glaub aber vielleicht sogar noch alle zusammen bekommen. Da waren viele tolle Typen dabei. Thorsten Reiche zum Beispiel. Starker Handballer und auch ein ganz feiner Kerl. Alex Wulff, die Haupt-Brüder, Marcel „Teddy“ Graß, Matthias Bludau, Leif Taege… Das könnte jetzt noch etwas so weitergehen.
 
Lange: Welchen/Welche Spieler möchtest du gern nochmal bei den Wölfen auf der Platte sehen?
Hipp: Eine meiner Ideen ist ja immer noch, mal eine Art All-Star-Game gegen eine Truppe Ehemaliger zu machen. Da würde ich zum Beispiel gern Tim Waldenmaier wiedersehen. Was der immer für Würfe aus dem Schnürsenkel zog, war schon krass. Christian Kunze auf Linksaußen war auch so einer. Strumpski der alte Lockenkopf im Tor. Da würd ich einige gern mal wieder sehen.
 
Lange: Und dein absoluter Lieblingsspieler?
Hipp: Na Ronny Lange und Nils Seegebrecht... Muss ich ja jetzt so sagen, oder? (lacht) Nee, also EINEN absoluten Lieblingspieler gibt's nicht.
 
Seegebrecht: Wie lange werden wir einen Conrad Hipp beim MTV noch sehen? Die Füchse Berlin werden dich bestimmt auf der Liste haben. Was passiert, wenn ein Anruf von einem hochklassigen Verein bei dir eingeht?
Hipp: Das Füchse-Interesse ist mir neu, erzählt mir mehr (lacht). Nach unserem Abgang in die Landesliga gab es ja ein paar Anfragen aus höheren Ligen und Berlin. Ich glaube aber nicht, dass ich bei einem anderen Verein diese Leidenschaft entwickeln kann. Das ist eben meine Heimat, mein MTV, mein Rudel. 
 
Lange: Also ausgeschlossen, dass du gehst?
Hipp: Wenn ich all das, was ich jetzt beim MTV mache, irgendwo hauptberuflich machen könnte, würde ich mich mit beschäftigen. Aber nur, wenn ich mich mit dem Klub identifizieren könnte. Mit der Bundesliga hätte es ja sogar fast mal geklappt...
 
Seegebrecht: Also doch die Füchse?
Hipp: Nein. Die MT Melsungen hatte mich vor mehreren Jahren mal eingeladen, dass ich ein Spiel als Co-Hallensprecher in der Bundesliga moderieren darf. Ging aber leider nicht, weil die Wölfe Heimspiel hatten.
 
Seegebrecht: Abschlussfrage: In den letzten Jahren haben wir bei den Wölfen viele Höhen und Tiefen erlebt. Zur Zeit und für die nächsten Jahre haben wir ein gutes Fundament. Wie geht es mit dem MTV und der 1. Männermannschaft weiter? Was würdest du dir wünschen wo wir in den nächsten Jahren stehen?
Hipp: Ich will nochmal aufsteigen. Becks, Jan und Ronny wissen ja von damals noch, wie geil sowas ist. Danach ist es denk ich sinnvoll, sich ein paar Jahre Verbandsliga zu gönnen. Und dann mal schauen, wie der Sport und der Verein sich bis dahin entwickelt haben. Ich würde mir wünschen, dass sich unsere Jugend weiter so toll entwickelt und die alle bleiben. Da sind feine Jungs herangewachsen. Mit dieser Truppe werden wir auf jeden Fall noch viele schöne Handballabende haben, egal in welcher Liga.
zurawski gross