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Wölfe-Trainer Matthias Wehlmann im Interview

„Gegen Schöneiche fällt eine

Vorentscheidung, wenn...“

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Vor acht Monaten unterschrieb Matthias Wehlmann als Chefcoach bei den Wölfen. Am 1. Juli trat er offiziell sein Amt an. Nach 187 Tagen als Wölfe-Coach steht er mit dem MTV Wünsdorf auf Platz drei der Landesliga - ohne Niederlage, und ohne Heimspiel. Vor dem erfahrenen Handballer steht eine Rückrunde, die er selbst so noch nicht erlebte. Im Interview mit Conrad Hipp spricht Wehlmann über die Aufregung vor dem ersten Auftritt in der Paul-Schumann-Halle, das Derby gegen Schöneiche und die entscheidenden Faktoren beim Kampf um den Aufstieg. 

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Matthias, das Jahr 2016 ist rum. Konntest du alle deine Vorsätze erfüllen?
Wehlmann: Meine privaten Vorsätze sind alle erfüllt worden. Sportlich sah das auch alles nicht schlecht aus. Wir hatten ja viele Anfangsschwierigkeiten. Keine Halle, die Trainingszeiten, die Auswärtstouren. Das war schon sehr schwierig. Die Mannschaft hat das gut gelöst. Aber bei einigen Dingen würde ich mir wünschen, dass wir schon weiter wären.

Welche Vorsätze hast du für 2017?
Wehlmann: Nicht mit dem Rauchen aufhören (lacht). Sportlich möchte ich auf jeden Fall die Mannschaft weiter entwickeln. Das Hauptaugenmerk soll noch mehr auf die Abwehr gerichtet werden. Die hat mir in den letzten Spielen überhaupt nicht gefallen. Ich möchte weiterhin ein Team formen, das überall mit geschwollener Brust auftritt und viel Freude am Handball spielen entwickelt. Ich denke, dass wir auf einem guten Weg sind, da oben weiter mitzuspielen. Wenn wir so weiter machen, haben wir gute Chancen, auch ganz vorne mitzumischen und vielleicht sogar den Aufstieg mitzunehmen. Das wäre ein Vorsatz. Die Mannschaft in diese Richtung zu Entwickeln, in der Lage zu sein, aufzusteigen. Allerdings müssen wir bis dahin eine Menge tun.

Was denn?
Wehlmann: Weiter hart arbeiten. Von einigen Spielern würde ich mir privat noch etwas mehr Disziplin wünschen. Wir müssen immer dran bleiben und dürfen den Faden nicht verlieren. 

Du meinst damit bestimmt den schweren Saisonstart, den du schon angesprochen hast. Kann man sagen, dass die Saison jetzt erst richtig anfängt?
Wehlmann: Ja, da hast du Recht. Eigentlich fängt die Saison jetzt erst richtig an. Die Mannschaft freut sich auf die Heimspiele. Das erste gleich gegen Dahme. Und das wird ein richtiger Kracher, ein sehr schwieriges Spiel. Das erste Saisonspiel vor heimischer Kulisse ist aus meiner Erfahrung heraus immer recht schwer. Da müssen wir zeigen, wo wir stehen.

Wo stehen wir denn?
Wehlmann: Viele Spieler waren über die Feiertage angeschlagen, haben daher etwas Trainingsrückstand. Die kommen jetzt aber alle zurück und ich werde die Truppe zum Spiel vernünftig einstellen und dann schauen wir, wie wir uns dort präsentieren können. 

Man spürt täglich, dass du den Wolf schon in dir trägst. Jetzt kommt dein erstes Spiel zu Hause. Was überwiegt. Vorfreude oder Nervosität?
Wehlmann: Die Vorfreude überwiegt bei mir am meisten, sicherlich ist auch etwas Nervosität wie bei jedem Spiel dabei, aber der Mannschaft wird es genauso gehen. (lacht)

„Wir müssen diese Krankheiten loswerden“

facebook postDer Facebook-Post von deiner Vertragsunterschrift zerschmetterte alle Zahlenrekorde. Siehst du dich persönlich auch in der Bringpflicht?
Wehlmann: Ja, das tue ich. Die Mannschaft hat es aufgrund ihrer Einstellung und Freude am Handballsport verdient, eine Liga höher zuspielen.

Bisher gab es sechs Spiele in vier Monaten. Jetzt folgen 16 Spiele im gleichen Zeitraum. Welche Gefahren stecken in dieser hohen Belastung?
Wehlmann: Ich sehe eigentlich nur die Gefahr darin, dass nach Weihnachten die Verletzungsgefahr immer weiter steigt. Die Gefahr, dass sich jemand schwer verletzt, ist natürlich immer da. Das würde jetzt natürlich weh tun. Aber das wollen wir mal nicht hoffen. Ansonsten ist das ein Rhythmus, der uns möglicherweise auch in die Karten spielen könnte. 

Welche Vorteile bringt denn der Rhythmus?
Wehlmann: Den Rhythmus finde ich super. Der könnte, wenn wir verletzungsfrei bleiben, zum Vorteil werden. Wir haben ja schon versucht, den durch diverse Testspiele, schon vor Weihnachten herzustellen. Wir haben einen riesigen Kader, in dem alle spielen wollen und jeder auf seinen Einsatz wartet. Ich bin da sehr optimistisch, wenn wir diese Krankheitswelle mal in den Griff bekommen. Diese ganzen grippalen Infekte, die wir in den letzten Wochen hatten, müssen wir dringend unter Kontrolle bekommen. Das müssen wir loswerden, dann sind wir gut gerüstet.

Einige Spieler sprachen davon, dass durch die langen Pausen der Schwung fehlt. Trotzdem wurde alles gewonnen. Was passiert denn, wenn die Mannschaft im Rhythmus ist?
Wehlmann: Also, dass wir nicht richtig in Schwung gekommen, finde ich eigentlich nicht. Das haben wir mit den Trainingsspielen ganz gut auf die Reihe bekommen. Wenn jemand da noch mehr machen will, kann er gern drauf packen. (lacht) Die nächsten Spiele werden etwa vom gleichen Niveau sein wie die letzten. Wir wollen weiter an der Abwehr arbeiten. Durch die höhere Belastung werden wir aber noch mehr zueinander finden. 

Vor der Saison haben wir über die Konkurrenten gesprochen. Wer ist denn davon noch dabei und wen können wir aussortieren?
Wehlmann: Die Top-Konkurrenten stehen in der Tabelle vor uns. Schöneiche und Elsterwerda. Dahme ist definitiv noch nicht raus. Mit acht Minuspunkten sind sie zwar recht weit weg, haben aber einen tollen Lauf hingelegt zuletzt. 

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„In Schöneiche haben viele noch Respekt, aber einigen fehlt das Niveau“

Thema Schöneiche. Im Derby gegen uns haben sie einen rabenschwarzen Tag erwischt, wir waren dazu völlig ausgeschlafen und haben sie ordentlich vermöbelt. Danach hat die SGS alles gewonnen. Hat man die durch diese derbe Niederlage richtig heiß gemacht?
Wehlmann: Schöneiche ist in dieser Saison für mich ein kleines Phänomen. Ich denke nicht, dass wir sie angestachelt haben. Die hatten bei diesem Spiel tatsächlich einen gebrauchten Tag. In den Spielen danach haben sie einfach ihre Hausaufgaben gemacht und waren deshalb erfolgreich. Ich denke, die Sache wird sich zu Hause gegen Schöneiche entscheiden, wenn wir gegen Dahme dementsprechend unsere Hausaufgaben erledigen.

Wünsdorf gegen Schöneiche wird also das aufstiegsentscheidende Spiel?
Wehlmann: Wenn wir gegen Dahme unsere Punkte holen wird dieses Spiel eine Vorentscheidung mitbringen. 

Gehen wir nochmal zurück zu diesem denkwürdigen Hinspiel. Mit dir als ehemaligen Coach der SGS wurde nicht unbedingt freundlich umgegangen. Wurmt dich sowas?
Wehlmann: Ich sage mal so: Mich haben einige Reaktion dort sehr überrascht. Aber wurmen tut nicht das ehrlich gesagt nicht.

Aber?
Wehlmann: Viele haben mir gegenüber noch sehr viel Respekt. Das habe ich auch gemerkt. Aber einigen anderen fehlt halt absolut das Niveau. Damit muss man sich aber auch nicht beschäftigen.

Wie fühlst du dich dabei?
Wehlmann: Ich finde sowas unnötig und muss das nicht haben. Deshalb habe ich auch das Ü40-Turnier für dieses Jahr abgesagt. Das findet ja in diesem Jahr in Mittenwalde, der Heimhalle von Schöneiche, statt. Da haben meine Weggefährten aus Ludwigsfelde gefragt, ob ich mit ihnen spielen will. Aber auch der MTV. Aufgrund einiger Äußerungen aus dem Hinspiel, habe ich aber beiden Teams abgesagt.

„Das Miteinander in der Abwehr stimmt nicht“

wehlmann becksDer MTV ist deine zweite Trainerstation. Schöneiche und Wünsdorf. Viel mehr Temperatur im Kessel geht kaum. Was unterscheidet den MTV von der SGS?
Wehlmann: Der Unterschied liegt darin, dass ich jetzt den MTV trainiere…. Das lassen wir jetzt einfach mal so stehen!

Zurück zu unseream Team. Du kritisierst oft die Abwehr, obwohl wir die wenigsten Gegentore der Liga kassieren. In allen Landesliga-Staffeln gehören wir zu den Top3. Bei welchem Schnitt ist ein Matthias Wehlmann zufrieden?
Wehlmann: Ein Matthias Wehlmann ist dann zufrieden, wenn man erkennen konnte, dass das Spiel in der Abwehr gewonnen wurde.

Was sind die Baustellen in der Abwehr?
Wehlmann: Wenn man sich die letzten Spiele ansieht, haben wir einfach zu viele Gegentore bekommen. Vor allem zu viel unnötige. Ich kritisiere ganz klar das Miteinander in der Abwehr. Da wird zu wenig miteinader gesprochen. Wir sind zur Zeit nicht in der Lage, im richtigen Moment herauszutreten und den ballführenden Spieler zu attackieren. Das Schieben auf der Ballhöhe fehlt mir. Die Konsequenz beim Festmachen. Das sind alles solche Kleinigkeiten, die unbedingt verbessert werden müssen. 

Aber ist die Abwehr so „schlecht“?
Wehlmann: Natürlich freut man sich als Trainer, wenn man keine 20 Tore bekommt. Sowas zeugt von einer guten Abwehr. Aber wenn man sich ein Spiel wie in Herzberg ansieht. Da haben wir 29 Gegentore bekommen. Da muss man dazu sagen, dass Herzberg beim ersten Heimspiel nach dem Aufstieg ein sehr starkes Spiel hingelegt hat und wir ja auch 36 Tore selbst gemacht haben. Trotzdem sind 29 Gegentore insgesamt einfach viel zu viel. 

Welche Baustellen siehst du noch, außer der Abwehr?
Wehlmann: Andere Baustellen sehe ich zum Beispiel in Justin Rackwitz und Lars Baumann.

„Die Experimente werden aufhören“

wehlmann rackiWelche?
Wehlmann: Beide haben großes Potenzial. Aber beide haben ihr Potenzial in dieser Saison noch nicht ansatzweise gezeigt. Da geht noch viel mehr. Beide sind hervorragende Spieler, aber da müssen wir noch ein bisschen kitzeln.

Wenn du über Namen sprichst... Wie wichtig wird es sein, dass Ronny und Nils im neuen Jahr schnell wieder in Schwung kommen?
Wehlmann: Bei Ronny mache ich mir da wenig Sorgen. Er ist zur Zeit in der Heimat, ist dort aber fleißig im Training bei der ersten Mannschaft von Bad Liebenwerda. Geht nebenbei in den Kraftraum. Da bin ich wirklich guter Dinge. Wichtig ist, dass er immer mal wieder den Ball in der Hand hat und sich damit wieder anfreundet. Nils hat durch seine Krankheit natürlich eine Menge Trainingsrückstand aufgebaut. Dazu kommt, dass er viel Kraft und Gewicht verloren hat. Da ist viel Handlungsbedarf. Nils muss sich unbedingt erstmal wieder integrieren und sich rankämpfen.

Als Nils ausfiel hast du zuletzt das System umgebaut. Becks auf der Mitte, Kilian im Rückraum. Ein System, was auch weiterhin denkbar ist? 
Wehlmann: Donnerstags findet immer das Abschlusstraining statt, erst dann wird sich ergeben, welche Spieler und vor allen Dingen wie sie am Wettkampftag auflaufen werden. Ich kann jetzt nur so viel sagen, dass die Experimente bei der Aufstellung aufhören werden und, dass der ein oder andere Spieler auch mal damit rechnen muss, nicht eingewechselt zu werden.

Wir sind grad bei Becks. Nehmen wir Jan-Eike mit dazu. Die beiden Rückkehrer führen die Truppe in dieser Saison. Wie zufrieden bist du mit ihren Rollen?
Wehlmann: Ich bin mit beiden Spielern sehr zufrieden. Ich würde mir wünschen, dass Jan manchmal seinen Trainingsrhythmus erhöht, wobei man auch Rücksicht auf seine Familie nehmen muss. Über Becks kann ich nur Gutes sagen. Er ist ein absoluter Sportsmann und ist immer mit dabei. Macht nebenei sogar noch Fitness. Seine Einstellung in diesem Alter ist unglaublich professionell. Diese beiden helfen der Mannschaft unglaublich weiter.

Welche Faktoren werden am Ende die Entscheidenden sein? 
Wehlmann: Am Ende wird der Faktor sein, die Schlüsselspiele zu gewinnen. Die zwei Spiele gegen Dahme, das gegen Schöneiche und auch gegen Elsterwerda. Sonst aufpassen, dass man nicht ausrutscht und dann kann man am Ende den Aufstieg feiern. Klingt viel zu einfach. (lacht)

Wir wissen aber alle, dass es nicht so ist. Matthias, vielen Dank für deine Antwort und viel Erfolg in der langen Rückrunde. 
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