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Rückrunden-Coach Sven Neuendorf

»Matthias wird das Team weiterentwickeln

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Dieser Wolf hat abwechslungsreiche Saison hinter sich. Als neuer Spieler und Kapitän gekommen hat Sven Neuendorf (23) die Spielzeit dann schlussendlich als Trainer der ersten Männermannschaft beendet. Zur neuen Saison kehrt er wieder zurück auf die Platte und gibt das Traineramt an Matthias Wehlmann weiter. Im Gespräch mit Conrad Hipp erzählt er von seinem ersten Eindruck vom neuen Coach, seine erste Saison beim MTV und seine Erfahrungen als Wölfe-Coach.

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Sven, der MTV hat einen neuen Trainer. Du darfst endlich wieder aufs Feld. Wie zufrieden bist du mit der Entscheidung?

Sven Neuendorf: Ich bin in erster Linie natürlich zufrieden, wieder als Spieler ran zu dürfen. Das ist einfach das, was mir am Besten liegt und wofür ich ursprünglich hergekommen bin. Auf der anderen Seite bin ich auch sehr froh, diese Erfahrung als Trainer gemacht zu haben. Das hat mir selbst eine besondere Entwicklungsmöglichkeit gegeben. Jetzt freue ich mich aber, dass ich wieder spielen darf.

CH: Die erste Saison bei den Wölfen war für dich sehr skurril. Du beendest sie eigentlich in mehreren Rollen, hauptsächlich aber als Trainer. Hat schon ein Gespräch zwischen dir und Matthias stattgefunden?

SN: Ja, wir haben uns vor Kurzem zwei Stunden zusammen gesetzt und uns unterhalten. Wir haben über Ziele geredet und unsere Erfahrungen ausgetauscht. Ich kenne Matthias ja auch noch als Gegner. Als er in Ludwigsfelde gespielt hat, standen wir uns gegenüber. Das ist allerdings schon einige Jahre her. Jetzt hat sich mein Eindruck von ihm in unserem Gespräch verfestigt. 

CH: Dieser Eindruck sieht wie aus?

SN: Er hat vor kurzem im Training schon eine Vorstellungsrunde gemacht und sich bekannt gemacht. Auf mich wirkt er sehr seriös und kompetent. Dadurch, dass er selbst lange höherklassig gespielt hat, kennt man seine Stärken als Spieler. Als Trainer kann ich ihn noch nicht einschätzen. Da hat man nur gehört, wie er bei seiner letzten Station in Schöneiche aufgetreten ist.

sven 01CH: Was denn?

SN: Dass er Wert auf Tempohandball legt und als Trainer sehr ehrgeizig ist. Das hat er ja auch bereits in seinem Interview mit dir angesprochen. Er trainiert eine Mannschaft eben nicht nur, weil es sein Job ist, sondern er kniet sich da voll rein. Er hat ein gutes Handballverständnis und er will sich auch selbst als Trainer weiterentwickeln. Ich gehe davon aus, dass er all das in Wünsdorf auch zeigen will. 

CH: Teilst du seine Philosophie?

SN: Der Tempohandball, den Ehrgeiz zur Entwicklung. Das teile ich voll. In einem Verein, der nicht so hochklassig spielt, ist es wichtig, dass die Jugendspieler ausgebildet werden, weil sie vielleicht auch nochmal nach oben wollen. Deswegen ist es wichtig, dass ein Trainer die Spieler nicht nur im Verein halten kann, sondern sie auch weiterentwickeln kann.

CH: In welchem Zustand übergibst du ihm die Mannschaft?

SN: Ich übergebe ihm ein geschlossenes Team. Die Truppe ist kein unglücklicher Haufen oder eine gesplittete Truppe, sondern ein kompaktes Team, was in der Saison zusammen gewachsen ist. Eine eigenständige Mannschaft, die hungrig auf die neue Saison ist.

CH: Du wurdest vom Spieler zum Trainer. Teil deine Gedanken mit uns. Wie war diese kurze, aber sehr intensive Zeit als Wölfe-Coach?

SN: Es war wirklich eine kurze Zeit. Es war aber beeindruckend, das ganze Handballerische aus der Sicht des Trainers zu sehen. Man hat sonst das Geschehen immer als Spieler betrachtet. Da hat man zum Beispiel sonst nicht die Möglichkeit, sich mit dem anderen Trainer einfach mal auszutauschen in einem kurzen Gespräch vor dem Spiel.

Jetzt bekam ich mal einen anderen Blickwinkel und habe dadurch für gewisse Details ein anderes Verständnis bekommen. Ich glaube, ich hab taktisch auch dazu gelernt. Einige Situationen sieht man als Trainer. Es war eine tolle Erfahrung und ich würde es jedem empfehlen, der in einer ähnlichen Situation steckt.  

CH: Du klingst glücklich, dass du dich für diese zwischenzeitliche Aufgabe entschieden hast…

SN: Bin ich auch. Ich bin ehrlich froh, diese Erfahrung gemacht zu haben. Das hat mir selbst eine Entwicklungsmöglichkeit gegeben. Man bekommt einen anderen Blick auf den Handball.

CH: Welche Entwicklung hat die Mannschaft in den letzten Monaten genommen?

SN: Das Team ist als Mannschaft zusammen gewachsen. Ich konnte in der kurzen Zeit natürlich keinen Wert darauf legen, taktisch große Änderungen vorzunehmen, sondern habe das von Michael Löhnwitz übernommen und habe versucht, das kompakter zu gestalten. Die Mannschaft ist gut vorbereitet für die neue Spielzeit.

 freizeit oaseCH: Braucht der MTV neue Spieler?

SN: Ich bin eigentlich kein großer Freund davon, Spieler zu holen. Wir haben ja den eigenen Nachwuchs. Den wollen wir natürlich auch mitnehmen. So ein Verein wie Wünsdorf sollte erpicht darauf sein, mit der Jugend weiter zu machen. Neue Spieler, wohlmöglich noch viel Geld, machen da keinen Sinn. Allerdings würde ich nicht nein sagen zu neuen Mitspielern, wenn die ohne riesige Erwartungen hier herkommen. Wenn sie einfach Handball spielen wollen und ein Teil der MTV-Familie sein wollen, sind sie hier willkommen. Star-Spieler, die Geld kosten, brauchen wir hier aber nicht. 

CH: Mit etwas Abstand betrachtet. Wie fällt dein Fazit der vergangenen Saison aus Trainersicht aus?

SN: Mit Platz drei und einer guten Rückrunde bin ich wirklich sehr stolz, wie die Saison zu Ende gegangen ist. Viele Spieler haben sich weiterentwickelt, das Team hat sich weiterentwickelt. 

Der Zeitpunkt, als ich das Team übernommen habe, war sehr unglücklich. Die Mannschaft war etwas zerrissen und wir haben es als Trainergespann zum Glück geschafft, uns wieder in die Bahn zu kriegen und haben das Beste daraus gemacht. Und das hat unseren Zusammenhalt extrem gestärkt.

CH: Und aus Sicht des Spielers?

SN: Das gibt es ja leider nicht so viel. Der Saisonauftakt war mein Highlight. Die Erwartungen an mich waren hoch. Auch von mir selbst. Ich wollte natürlich auch zeigen, was ich kann. Ich hab versprochen, zu helfen und wollte mich jetzt beweisen. Das Spiel in Ortrand lief super. Ich hab da sehr gut reingefunden, obwohl das Zusammenspiel noch nicht gut eingestimmt war. 

Aber wenn man als Neuling von der Platte geht und zwölf Tore gemacht hat, einem danach gratuliert wird. Da geht man schon mit bewegten Gefühlen nach Hause. 

CH: Die du dann nach dem Pokalspiel gegen Belzig wieder erleben wolltest…

SN: Klar. Nach dem ersten Spiel waren die Erwartungen gegen Belzig natürlich auch groß. Jetzt wollte ich mich auch Zuhause beweisen, aber das nahm ja mit der Verletzung dann ein bitteres Ende.

Ich hab mich aber während der Verletzungszeit sehr darüber gefreut, wie mir die Mannschaft Mut zu gesprochen hat. Der damalige Trainer, Michael Löhnwitz, die Abteilungsleitung. Das hat mir sehr viel Kraft gegeben, die OP zu meistern und die Reha dann durchzuziehen. Dieser Rückhalt der Mannschaft tat mir sehr gut. Das ist etwas Besonderes.

 

„Der Kopf spielt eine wichtige Rolle“

 

CH: Du darfst jetzt endlich zurück aufs Feld. Beeinflusst deine Zeit als Trainer jetzt deine Rolle als Spieler?

SN: Klar, kann ich mich jetzt nicht mehr hinstellen und sagen: „Du machst jetzt so und so“. Das habe ich aber auch als Trainer nicht getan. Ich hab eher versucht, mit motivierenden Worten anzuspornen und das werde ich auch als Spieler weiterhin tun. Deswegen denke ich, wird mir das Umschalten nicht allzu schwer fallen. Ich denke, die Spieler wissen das auch, dass ich nicht von oben herab, sondern auf einer Ebene mit ihnen kommuniziert habe und das mache ich auch weiterhin.

CH: Am 30. Juni endet offiziell deine Trainerzeit. Ab 1. Juli bist du wieder Spieler. Wie sieht dein aktueller Gesundheitszustand aus? Wie fit bist du schon wieder?

SN: Ich bin froh, dass der 30. Juni näher rückt, ich die Aufgabe abgeben darf und mich auf das Sportliche konzentrieren kann. Ich freue mich auf den Wiedereinstieg. Meine Knieverletzung habe ich gut überstanden. Ich bin noch etwas wetterfühlig. Je nach Umschwung merk ich manchmal noch ein Zwicken im Knie. Ich mache Stabilisationstraining und gehe Joggen um meine Muskulatur zu festigen. Die Saisonvorbereitung werde ich nutzen, um im September bei 100 % zu sein.

sven 02CH: Ist der Kopf auch schon wieder bereit?

SN: Der Kopf spielt auch eine wichtige Rolle. Ich denke natürlich drüber nach und hoffe, dass nicht wieder was kaputt geht. Aber momentan überwiegt das Handballherz über den Kopf. Das ist das Entscheidende. Wenn ich merke, dass ich das Knie so belasten kann wie vor der Verletzung, bin ich auch wieder bereit.

CH: Kannst du die Vorbereitung schon zu 100 % mitgehen?

SN: Ja. Dadurch das ich in der Rückrunde schon etwas mittrainiert habe, kenne ich meine Belastungsgrenze. Da hat das Knie gehalten. Ich bin überzeugt, dass ich die Vorbereitung durchziehen kann. Ich fühle mich gut und bereit, wieder zurückzukommen.

CH: Bei drei Saisoneinsätzen kann man dich eigentlich auf die Liste der Neuzugänge schreiben. Was sind deine Ziele für die neue Saison?

SN: Ich will, dass wir weiter als Mannschaft auftreten und uns entwickeln. Sportlich wünsche ich jedem Spieler, dass er unter Matthias weitere Schritte geht und das Zusammenspiel zwischen Mannschaft und Trainer reibungslos funktioniert. Ich möchte im oberen Drittel mitspielen und sehen, dass wir sportlich erfolgreich sind.

CH: Was ist mit dem Aufstieg?

SN: Das wäre natürlich fantastisch. Aber bis dahin liegt jede Menge Arbeit vor uns und wir sollten uns mit diesem Thema einfach noch nicht beschäftigen. Wir wollen oben mitspielen, den Rest werden wir sehen.

 

„Beim Wort Belzig läuft mir ein Schauer über den Rücken“

 

CH: Was sind deine persönlichen Ziele?

SN: Natürlich will ich verletzungsfrei bleiben. Ich will in der Punktspielsaison zu 100 % für die Mannschaft da sein und will mich weiterentwickeln. Alles, was im Interesse der Mannschaft ist, liegt auch in meinem persönlichen Interesse.

Und irgendwann will ich mit dem MTV Wünsdorf schon mal aufsteigen. Aber das muss nicht sofort sein, das hat Zeit.

CH: In der letzten Saison warst du zusammen mit Nils Seegebrecht zum Kapitän. Bist du das in der neuen Saison auch noch?

SN: Was die Aufgaben der jeweiligen Spieler sind, werden wir sicher noch besprechen. Ich würde das Amt mit Nils gern wieder übernehmen. Ich denke, dass ich das mit ihm ganz gut hinbekommen habe. Wenn der Trainer jemand anderes in dieser Aufgabe sieht, ist das auch völlig ok. Ich hab als Kapitän immer versucht, meine Mitspieler durch Euphorie mitzuziehen. Ob ich das als Kapitän mache oder als Spieler… Kapitän ist eben auch nur ein Wort.

CH: Auch Nils hat lange gefehlt. Ist es ein Nachteil für die Mannschaft, wenn kein Captain mit auf dem Feld ist?

SN: Ja, schon. Sportlich spielt es gar keine so große Rolle. Aber mental schon. Gerade für den, der Kapitän ist, ist es was anderes, wenn er nur draußen sitzt und er nicht hautnah dabei sein kann. Das geht den Mitspielern wahrscheinlich auch so. Wenn man auf der Platte steht, kann man die Rolle des Kapitäns eben viel mehr verkörpern als wenn man auf der Bank oder der Tribüne sitzt.

CH: Die Saison startet mit dem Pokalturnier in Fürstenwalde. Dort ist auch der MBSV Belzig dabei. Wie war deine erste Reaktion als du gehört hast, ‚ausgerechnet Belzig‘?

SN: Wenn ich das Wort Belzig höre oder lese, läuft mir das den Rücken runter. Selbst wenn man auf der Autobahn nur das Schild liest. Ich werde Belzig immer mit meiner Verletzung verbinden.

Allerdings muss ich dazu sagen, dass der Kreuzbandriss nichts mit dem Verein zu tun hat. Es war kein Verschulden eines Belzig-Spielers, dass ich mich da verletzt habe, sondern es ist eben aus dem Spiel heraus passiert. Dafür kann keiner was. Klar wird es im Hinterkopf bleiben, aber ich will auch gegen Belzig wieder antreten.

 

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für die neue, hoffentlich verletzungsfreie, Saison.

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