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Knappe Niederlage gegen Finsterwalde

Aufsteiger verlangt Favoriten alles ab

rackwitz teaser

von Conrad Hipp
Fotos: Julia Ehmig

Die Wünsdorfer Wölfe haben dem Tabellenführer Grün-Weiß Finsterwalde ein echtes Spitzenspiel serviert. Die Gäste aus der Sängerstadt mussten dem MTV dabei lange hinterherlaufen und konnten erst spät auf die Siegerstraße einbiegen. Nach der 25:27-Niederlage rutschen die Wölfe auf Platz 4 ab. Bester Werfer des Tages wurden Wünsdorfs Jan-Eike Albrecht und Sven Neuendorf mit jeweils sechs Treffern.

Vor der Saison hätte man in dieser Partie die Vorzeichen klar verteilt. Der Aufsteiger aus der Landesliga trifft auf den Staffelfavoriten. Doch nach dem bisherigen Saisonverlauf wurde diese Partie zum absoluten Spitzenspiel. Vor dem Wochenende rangiert der MTV auf Platz zwei hinter Finsterwalde, beide mit erst einer Saisonniederlage. Durch den Sieg des HC Spreewald beim HV Calau rutschte der MTV auf Platz drei ab, ein Spitzenspiel sollte es dennoch werden. Mit voller Kapelle trat der MTV gegen Finsterwalde an. Erst vor drei Wochen kam der SC Trebbin als Tabellenführer und verlor bei den Wölfen. Ähnlich schwer wollte man es nun Finsterwalde machen.

Vor dem Spiel gibt's das erste Duell auf der Tribüne. Die Gäste kommen mit mehreren Kleinbussen, haben Trommeln und ihre Alpenglocke mit dabei, dazu viele lautstarke Fans, unter denen einige ihre Brillen etwas zu Grün-Weiß angemalt hatten, wie sich später zeigen sollte. Die Stimmung freundlich, schon vor dem Spiel ist die Lautstärke auf der Tribüne eines Spitzenspiels absolut würdig. Unter die Zuschauer mischt sich auch der ehemalige Wölfe-Keeper Daniel Strumpski, der seinem alten Verein einen Besuch abstattet.

mtv fiwa kl

lange albrecht beckerMit dem Anpfiff zeigen die Wölfe den selbstbewussten Gästen, dass sie hier nicht nur Qualität zeigen, sondern vor allem einen langen Atem mitbringen müssen, um hier Punkte mitzunehmen. Nils Seegebrecht eröffnet nach 90 Sekunden die Schlacht mit dem 1:0 und los geht die wilde Fahrt. Zunächst gelingt Paul Kaßner der Ausgleich, den Wölfen gelingt es aber lange Zeit, immer wieder vorzulegen. In der Abwehr unterbinden die Wölfe stark das gewohnte schnelle Spiel der Grün-Weißen. Mit konsequentem Abwehrverhalten machen es die Wölfe den Gästen schwer, überhaupt zu guten Torabschlüssen zu kommen. Dazu hat Nils Barsch in der Box eine starke Anfangsphase und kann in der Anfangsviertelstunde fünf Würfe aus dem Feld. Im Angriff selbst wehren sich die Wölfe gegen die ebenfalls gut sortierte Abwehr der Gäste. Mit variablen Spielzügen und viel Kampf gelingt es, immer wieder vorzulegen. 

Als Ronny Lange in der 16. Minute aus dem Rückraum das 8:5 erzielt, liegt der MTV erstmals mit drei Treffern in Front. Das Publikum ist auf beiden Seiten immer noch voller Euphorie, dass die jeweilige Mannschaft mit den Punkten nach Hause fährt. Der Aufsteiger serviert den Gästen ein Spiel auf Augenhöhe und signalisiert: Wer aufsteigen will, muss uns erstmal schlagen. Finsterwalde nimmt den Kampf an, auch wenn dabei jedes Mittel recht ist. Als Albert Langer in der 24. Minute plötzlich zu Boden geht, bekommt Justin Rackwitz eine Zeitstrafe und muss vom Feld. Plötzlich steht Langer wieder – sängerstädtische Blitzheilung. Da wenige Sekunden zuvor erst Dirk Becker für zwei Minuten runter musste, spielt der MTV jetzt in doppelter Unterzahl. Die Gäste wollen diese nutzen, um hier endlich in Führung zu gehen – wird aber nix. Die Wölfe verrücken stark, lassen Finsterwalde nicht ran. Aus 12:10 vor der doppelten Unterzahl wird ein 13:11.

seege ballAllgemein beginnt Finsterwalde in den Schlussminuten der ersten Hälfte mit dem Reden. Gäste-Coach Toni Barthel hinterfragt so ziemlich jede Entscheidung gegen seine Mannschaft. Auch die Fans fordern dauerhaft Zeitstrafen, natürlich nur gegen die Wölfe. Was die Gäste dabei vergessen ist, dass beide Seite auf ähnliche Art austeilen. Nur wenn es eben ums Einstecken geht, machen die Gäste lautstark ihrem Unmut freien Lauf. Wenn das eigene Team austeilt, muss man selbst anscheinend nicht einstecken, so die Meinung vieler Gäste-Fans. Auf beiden Seiten wird teilweise mit ordentlicher Härte verteidigt. Das Schiedsrichtergespann bewertet die rüden Attacken aber über die 60 Minuten gesehen größtenteils ausgeglichen. Benachteiligt wird der Gast allemal nicht. Im Gegenteil: Als Jan-Eike Albrecht kurz vor der Pause von Eddy Hänneschen klar im Gesicht getroffen wird, gibt es lediglich einen Freiwurf für den MTV – ohne Zeitstrafe. Albrecht muss behandelt werden, geht mit einem Veilchen in die Kabine. Ein Moment, wo sich sowohl Bank als auch Fans der Gäste mal nicht nach einer Diskussion sehnen. Nur wenige Sekunden vor dem Pausenpfiff trifft Langer zum 15:14. Spannung pur, auch für die zweite Hälfte garantiert.

Halbzeitstand: Wünsdorfer Wölfe – Grün-Weiß Finsterwalde 15:14

Hälfte zwei beginnt mit dem Anwurf für Finsterwalde und einem daraus schnell resultierenden Treffer durch Max Görner – 15:15, nur 26 Sekunden nach Wiederanpfiff. Finsterwalde kommt mit viel Druck aus der Kabine, Wünsdorf aber auch. Führungswechsel? Fehlanzeige. Jan-Eike Albrecht trifft nur 50 Sekunden nach dem Ausgleich zur erneuten Führung. Die Akteure auf der Platte zeigen ein großartiges Spitzenspiel. Der Aufsteiger ist absolut auf Augenhöhe und verlangt dem Staffelfavoriten alles ab. Doch zeitweise verfällt dieser leider wieder in Muster, welche die erste Hälfte schon etwas getrübt hatten. Als Görner in der 34. Minute für zwei Minuten runter muss, weil er zuvor Lange mit einem mehr als kräftigen Schubser aus der eigenen Abwehrreihe beförderte, sind Diskussionsbedarf und Unverständnis für die Zeitstrafe wieder einmal groß. 

stenzelWas Finsterwalde jedoch mitbringt ist, dass sie sich davon recht wenig selbst aus dem Konzept bringen. Der Mannschaft merkt man zwar deutlich an, dass sie sich dieses Spiel hier deutlich entspannter vorgestellt hatten und schon gerne mal die Führung in den eigenen Reihen hätten, aber die Ruhe verlieren sie nicht. Beide Teams beißen weiter und warten darauf, die Fehler des Gegners zu bestrafen. Fast 39 Minuten braucht der Tabellenführer, um erstmals in Führung zu gehen. Görner erzielt das 19:20 und nach der Auszeit der Wölfe kann Robert Magister auf 19:21. Finsterwalde zieht an, aber abschütteln lassen sich die Wölfe nicht. Albrecht macht das 20:21, klaut Finsterwalde danach den Ball schon im Spielaufbau. Der Pass landet bei Nick Stenzel. Der macht das 21:21 und 15 Minuten vor dem Ende steht alles wieder auf Null. 

Die Wölfe basteln an der Überraschung, aber gerade in der Schlussphase fehlt ab und zu das Glück im Abschluss. Grün-Weiß-Keeper Ivo Göricke packt jetzt einige Paraden aus, hält drei MTV-Würfe nacheinander. Starke Performance, die der Offensive etwas Luft verschafft. Doch etwas Geschrei haben die Gäste auch noch dabei. Ein Querpass wird von Magister abgefangen. Lange sieht seinen Gegenspieler nicht. In der Fangbewegung Richtung Ball erwischt Lange seinen Gegenspieler. Natürlich springt sowohl die Bank, als auch die Zuschauer der Gäste auf und fordert Höchststrafe. Lange bekommt eine Zeitstrafe und im selben Moment steht Magister auch schon wieder auf den Beinen und bejubelt Ballgewinn und Blitzheilung. Die Rolle der Drama-Queen – meisterlich. Schade, denn eigentlich haben die Gäste weder Diskussionen noch Schauspieleinlagen. Sowohl auf dem Feld, als auch auf der Tribüne. Finsterwalde agiert am Ende cleverer und hat den längeren Atem. Dazu kommt eine mannschaftliche Qualität, welche die Rolle des Staffelfavoriten durchaus unterstreicht.

Den Schlusspunkt des Spiels setzt Wölfe-Keeper Barsch. Als Göricke sich 15 Sekunden vor dem Ende sich bereits von den Fans feiern lässt, nutzt er die Unaufmerksamkeit seines Gegenübers und wirft den Ball vom eigenen Kreis direkt in die Grün-Weiße Kiste zum 25:27-Endstand. Am Ende reicht es für die Wölfe nicht zur großen Überraschung. Enttäuscht müssen die Wölfe trotzdem nicht sein. „Die Mannschaft hat eine starke Leistung abgeliefert. Wir haben Finsterwalde alles abverlangt und haben über 60 Minuten hin ein Spiel auf Augenhöhe gesehen. Am Ende haben wir eben die zwei, drei Fehler mehr gemacht. Das hat uns den Sieg gekostet und demnach die Mannschaft um verdiente Punkte gebracht“, resümierte Trainer Matthias Wehlmann. Die Gäste indes feiern den schwer erkämpften Sieg und freuen sich über die nächsten Punkte. Einige Gäste feiern sich sogar schon frühzeitig mit „Aufsteiger, Aufsteiger“-Gesängen. Das ist schon bei ganz anderen Mannschaften schief gegangen.

Wünsdorfer Wölfe – Grün-Weiß Finsterwalde 25:27 (15:14)
Die Zahlen zum Spiel
seege wehlmann

MTV Wünsdorf: Barsch 1, Hirsing, Kersten – Albrecht 6, Neuendorf 6 (3/4), Lange 4, D. Becker 3, N. Seegebrecht 2, Stenzel 2, Hawaleschka 1, T. Becker, J. Rackwitz, Baumann
Grün-Weiß Finsterwalde: Göricke, Kiesewetter – Kaßner 5 (2/2), Hänneschen 5, Langer 4, Magister 4, Görner 3, Graß 2 (1/2), Kowaczek 2, Müller 1 (0/1), Biele 1, Materne, Scholz, Fiedler
Schiedsrichter: Max-Peter Franz / Maik Fricke – ließen viel Härte durchgehen, behielten aber in einem hitzigen Spiel die Ruhe und griffen nicht spielentscheidend ins Geschehen ein

Gelbe Karten: J. Rackwitz, Neuendorf, Hawaleschka – Hänneschen, Biele, Scholz
Zeitstrafen: 6:4 (2x D. Becker, 2x Lange, Hawaleschka, J. Rackwitz – 2x Görner, Kaßner, Hänneschen)
Rote Karten: –
Blaue Karten:
– 

Siebenmeter: 3/4 (75%) – 3/5 (60%)
Wurfquote: 25/48 (52,08%) – 27/46 (58,69%)