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Trotzreaktion nach 1. Saisonpleite

Wölfe stürzen ungeschlagenen Tabellenführer

jubel mtv trebbin

 von Conrad Hipp

Fotos: Julia Ehmig, Andreas Krüger

Die Wünsdorfer Wölfe haben in der Verbandsliga Süd eine Überraschung ausgepackt und dem SC Trebbin die erste Saisonniederlage verpasst. Nachdem die Wölfe selbst in der Vorwoche erstmals nach 596 Tagen wieder verloren, zeigte der MTV gegen den bis dahin ungeschlagenen Tabellenführer eine Trotzreaktion und gewann mit 30:29 (16:15). Der MTV springt in der Tabelle damit auf Platz 3, Trebbin rutscht auf Platz 2 ab. Bester Werfer der Partie war Trebbins Silvio Kahle mit acht Toren. Bei den Wölfen erzielte Sven Neuendorf sieben Treffer.

Es waren denkbar schlechte Voraussetzungen für die Wölfe. Wieder mal musste der MTV die Halle wechseln, erstmals fand ein Punktspiel des Rudels in der Dabendorfer Sporthalle statt. Dazu hatte man zwei Wochen zuvor die erste Niederlage nach 31 ungeschlagenen Spielen in Folge kassiert und hatte nun den SC Trebbin zu Gast, der mit vier Siegen und einem Unentschieden exzellent in die Saison startete. Aber die Wölfe wollten trotzdem nicht das weiße Taschentuch hinlegen, sondern nutzten das spielfreie Wochenende um sich intensiv vorzubereiten.

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Beim MTV kehrt Kreisläufer Marius Luchmann erstmals seit März 2016 in den Kader der ersten Männermannschaft zurück. Nach seiner komplizierten Schulterverletzung gab er zu Beginn der Saison bereits sein Comeback in der zweiten Mannschaft und darf nun in der Ersten sogar von Beginn an ran. Die Wölfe treten gegen den Tabellenführer mit einem anderen Wechselgerüst an. Luchmann steht in der Abwehr und macht den Laden dicht. Im Angriff übernimmt Justin Rackwitz, der zuletzt mehr die Rolle in der Defenisve übernahm.

lange luchmann trebbinDer MTV beginnt in der Abwehr und gleich mit einem Ballgewinn. Jan-Eike Albrecht stellt früh auf 2:0, der erste Dämpfer für den Tabellenführer, der sich den Start wohl anders vorstellte. Wünsdorf kann vorlegen, weil Trebbin auf den Halbpositionen immer wieder Lücken anbietet, welche die Wölfe gut durchstoßen. Dazu steht die Abwehr der Wölfe solide, obwohl auch Trebbin zu Toren kommt. Dennoch braucht der SC einige Würfe um zu Toren zu kommen, weil der MTV den Gästen die Wurfauswahl schwer macht. Allerdings ist Trebbin besser beim Rebound, greift sich mehr zweite Bälle.

Erst nach 15 Minuten gelingt Trebbin der Ausgleich, Torsten Wagner trifft zum 8:8. Auf der Platte zeigen beide Mannschaften ein hochkarätiges Spiel, zeigen den Zuschauern ein absolutes Spitzenspiel. Nach dem Ausgleich legen die Wölfe wieder vor, weil im Angriff die Wurfauswahl gut funktioniert und die Mannschaft jeden einzelnen Spielzug als Mannschaft von vorne bis hinten durchspielt. „Uns hat die Bereitschaft gefehlt, auch mal einen Meter mehr zu gehen in der Abwehrarbeit“, sagte Trebbins Benjamin Stollin nach dem Spiel, „wir haben einfach zu viele Gegentore bekommen.“

Insgesamt fallen recht viele Tore, obwohl beide Vereine sich eigentlich durch eine starke Abwehrarbeit auszeichnen. Trebbin kassierte bis dato im Schnitt 22 Gegentore pro Spiel, die Wölfe 21,4. Diesmal ging alles schneller, bereits nach 25 Minuten stand es 13:12 für den MTV. Den Schnitt würden beide Teams an diesem Tag nach oben schrauben. 

Kurz vor der Pause stellt Trebbin die Abwehr um. Ronny Lange und Nils Seegebrecht werden in Manndeckung genommen. Als die Trebbiner Abwehr das Kommando von Trainer Sven Keck umsetzen will, nutzt Seegebrecht die kurz Umbauarbeit in der Abwehr und marschiert durch. Er erzielt das 14:12, wird beim Wurf unten am Schuh getroffen, verliert diesen und bleibt verletzt liegen. Das Tor zählt und statt die Partie zu unterbrechen, geht's weiter. Trebbin nutzt die Überzahl, antwortet 32 Sekunden später, als Seegebrecht immer noch auf dem Boden sitzt, mit dem 14:13. Eine Szene mit Symbolcharakter, denn mit dem Niveau, welches die Spieler beider Mannschaften auf die Platte bringen, können die Schiedsrichter Felix Elliger und Sebastian Kittel leider nicht mithalten.

Das freundschaftliche Duell zwischen den beiden Teams wurde immer wieder angeheitzt, weil das Gespann die Interpretationen diverser Spielsituation während des Spiels oft verändert. Wenn auf der einen Seite eine Spielsituation bewertet wird, wird sie auf der anderen Seite nicht zwangsweise ebenbürtig gemessen. Einen Vorteil bringt das zwar keiner der beiden Mannschaften, aber es werden völlig überflüssige Diskussionen angeheizt, die durch eine gleichmäßige Regelauslegung kinderleicht hätten vermieden werden können. Weiteres Beispiel, kurz vor der Pause. Drei Sekunden vor dem Pausentee bekommt Trebbin einen Freiwurf. Die Gäste führen ihn schnell aus, Felix Henschke trifft zum Kreis zum 16:15. Problem: Die Schiedsrichter übersehen in dieser Situation, dass Henschke nur einen Schritt vom Kreis entfernt steht und beim Freiwurf deutlich innerhalb des Neunmeterraumes steht. Ärgerlich für den MTV, psychologischer Vorteil für Trebbin. „Die Mannschaft hat sich trotz dieser Rückschläge immer wieder zurückgekämpft und ließ den Kopf oben", lobt Trainer Matthias Wehlmann.

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Halbzeitstand: Wünsdorfer Wöfe – SC Trebbin 16:15

Abschnitt zwei beginnt mit einem besser sortierten SC Trebbin. Silvio Kahle gleicht vom Siebenmeterpunkt aus, danach vergibt Wünsdorfs Sven Neuendorf gleich zwei Mal nacheinander die eigenen Siebenmeterchancen. Ungewöhnlich, denn Neuendorf traf zuvor in der Saison 82 Prozent seiner Siebenmeter. Auf der anderen Seite macht es Kahle besser. Er trifft vom Punkt und bringt Trebbin erstmals in Führung. Vorangegangen war ein Foul von Ronny Lange, für das er zwei Minuten runter muss. In einer fast identischen Situation wenige Sekunden zuvor bekam Trebbin für die gleiche Art von Foul keine Zeitstrafe.

barsch sctDie Wölfe aber ackern im Spiel weiter und lassen sich von den teils undurchsichtigen Pfiffen nicht beeindrucken. Trebbin hingegen etwas mehr, denn auch die Gäste bekommen einiger dieser fragwürdigen Entscheidungen ab. Das Spiel wird in dieser Phase extrem unruhig. Insgesamt sechs Siebenmeter binnen sieben Minuten - in dieser Phase möchte kein Team das Spiel aus der Hand geben. Was den MTV aber an diesem Tag auszeichnet, ist ein gut strukturiertes und ruhiges Angriffspiel kombiniert mit einer starken Performance von Torhüter Nils Barsch. Auch wenn Trebbin in den letzten 20 Minuten öfter zu Konterchancen kommt, setzen sie sich nicht ab, weil Barsch auch in den Eins-gegen-Eins-Situationen den Überblick behält, und einige Konter mit einer schnellen Fußbewegung quer durch die Halle befördert. „Er wollte ja kurz zuvor wechseln, aber ich habe gesagt, er soll das jetzt weitermachen. Er war gut im Spiel und hatte einige gute Szenen, deswegen sollte er drauf bleiben", erzählte Carlo Hirsing, der trotz starken Saisonverlaufs Barsch wegen seiner guten Leistungen an diesem Tag den Vortritt ließ.

Trotzdem gelingt den Gästen in dieser Phase die Führung, weil der SC nun ihre Qualitäten ausspielt, in der Abwehr den Wölfen das Leben schwer macht. Aber die Wölfe lassen sich nicht abschütteln, wollen nach der bitteren Pleite beim HC Spreewald II unbedingt eine Trotzreaktion zeigen. Barsch hält drei Würfe in Folge, spielt den Ball riskant aber erfolgreich auf Neuendorf, der trifft per Konter zum 20:21 (44.). 

becker sctAn der Siebenmeterlinie übernimmt jetzt die Erfahrung Verantwortung, Dirk Becker trifft zum 22:22 (48.) - willkommen beim Samstagsnachmittagskrimi. Kahle und Emmermacher schreiben die Einleitung, bringen Trebbin zunächst wieder mit zwei Treffern in Front. Becker wieder von der Siebenmeterlinie, sicher 23:24 (52.). Pfaender stellt den alten Abstand wieder her, dann blasen die Wölfe mal richtig Luft durch die Halle. Innerhalb von 42 Sekunden trifft Neuendorf doppelt, gleicht somit das Spiel aus (25:25/53.), danach trifft Becker - 26:25, Spiel wieder gedreht (55.).

Die Wölfe zeigen in der Schlussphase die besseren Nerven, wollen jetzt unbedingt den Sieg. Mit jeder Sekunde wird es lauter in der Dabendorfer Halle. Selbst der letzte Kritiker glaubt jetzt vollends an den Überraschungssieg und will diesen jetzt auch sehen. Die Tribüne gibt alles und die Spieler auf der Platte auch. Becker trifft zum 29:27, es sind noch 120 Sekunden auf der Uhr. Aber der MTV macht hier noch nicht Schluss, es geht noch ein bisschen mehr Spannung. Nach dem Wagner 37 Sekunden vor dem Ende den 30:29-Anschlusstreffer erzielt, gibt Wünsdorf wenige Sekunden vor Schluss nochmal den Ball her. Hawaleschka macht den Gegner fest, es gibt Freiwurf.

schlusssekundenWieder gibt es Uneigkeiten. Die Trebbiner wollen eine Rote Karte und einen Siebenmeter wegen eines taktischen Fouls in der letzten Minute. Die Schiedsrichter entscheiden direkt vor der Wölfe-Bank auf Freiwurf ca. 14 Meter vor dem Tor. Die Uhr abgelaufen, aber es gibt noch etwa zwei Minuten Diskussionen. Wechsel-Verbot für die Wölfe, Trebbin aber tauscht Spieler. Dann dürfen das plötzlich auch die Wölfe. Parallel wird immer noch diskutiert, ob die Entscheidung korrekt ist, dazu ignoriert Trebbins Max Ziegler konsequent den Ort, an dem der Freiwurf ausgeführt werden soll und schiebt diesen augengemessene zwei Meter nach vorn. Als dann der Wurf kommt, schiebt Trebbin den Wölfe-Block auseinander, aber der Ball geht direkt auf Barsch. Der pariert auch den letzten Ball und der Jubel bricht aus. 

Die Wölfe schlagen den bisher ungeschlagenen Tabellenführer, rücken in der Tabelle auf Platz 3 vor. „Tja, sind wir zurück im Aufstiegsrennen", frotzelte Dirk Becker nach dem Spiel in der Kabine und macht das Grinsen der Kollegen damit noch etwas breiter. Wehlmann: „Ich bin unglaublich stolz auf die Mannschaft, wie sie sich hier heute präsentiert hat. Das war ja nun keine Gurkentruppe und das Team trat geschlossen auf, hat die Ruhe bewahrt und sich den Sieg hart erarbeitet." 

Wünsdorfer Wölfe – SC Trebbin 30:29 (16:15)
Die Zahlen zum Spiel

MTV Wünsdorf 1910: Barsch (1/7 gehalten), Hirsing – Neuendorf 7 (1/3), D. Becker 6 (2/2), Albrecht 6, Stenzel 4, Hawaleschka 3, N. Seegebrecht 3 (1/2), J. Rackwitz 1, Wendland, Luchmann, Lange, Baumann
SC Trebbin: Straßburg, Schmidt – Kahle 8 (5/5), Wagner 5, Mahns 4, Pfaender 4, Stollin 3, F. Henschke 2, Müller 1, Ziegler 1, Emmermacher 1, J. Henschke, Frank
Schiedsrichter: Felix Elliger, Sebastian Kittel – passten sich dem starken Niveau des Spiels leider nicht an, bewerteten diverse Szenen äußerst unausgeglichen und brachten somit unnötigen Diskussionsstoff und Hitze ins Spiel

Gelbe Karten: Albrecht, Lange – Kahle, Wagner, Müller, Keck (Trainer)
Zeitstrafen: 6:3 (J. Rackwitz, Albrecht, Stenzel, Hawaleschka, Lange, D. Becker – 2x Frank, Emmermacher)
Rote Karten: 
Blaue Katen: –

Siebenmeter: 4/7 (57,1%) – 6/7 (85,7%)
Wurfquoten: 30/48 (62,5%) – 29/65 (44,6%)