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 Schwacher MTV-Auftritt, Ungeschlagen-Serie hält

Überheblichkeit kostet Wölfe-Heimsieg

abwehrblock friedland

von Conrad Hipp

Die Wünsdorfer Wölfe haben in ihrem 4. Saisonspiel einen Heimsieg gegen Rot-Weiß Friedland leichtfertig verschenkt. Gegen den Tabellenzehnnten gab es zuhause nur ein 29:29-Unentschieden. Nach einer desolaten ersten Halbzeit konnten der MTV sich in einer besseren zweiten Hälfte immerhin noch den Ausgleich erkämpfen und bleibt als Aufsteiger weiterhin ungeschlagen. Dennoch haben die Wölfe dieses Spiel vor allem im Kopf aus der Hand gegeben. Nach dem 5. Spieltag (die Wölfe hat ein spielfreies Wochenende) liegt das Rudel jetzt auf dem 4. Platz.

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Als die Halbzeitsirene erklingt, verlassen die Spieler kommentarlos das Feld Richtung Kabine. Bei den Gästen aus Friedland ist die Stimmung gut, die Wölfe fassungs- und ratlos. Trainer Matthias Wehlmann bleibt als Einziger auf dem Feld stehen, blickt ungläublg auf die Anzeigetafel. Gerade hatte er die wohl schlechteste Halbzeit seiner Amtszeit beim MTV (seit Sommer 2016) gesehen.

Der Reihe nach: Mit Wünsdorf und Friedland trifft der 3. auf den 10. – tabellarisch eine klare Kiste. Mit 23,3 Toren pro Spiel erzielen die Wölfe nur unwesentlich mehr als die Gäste (22,5). Wird das Duell möglicherweise knapper als gedacht? Vielleicht werden auch die Siebenmeter entscheidend. Mit einer Quote von 92,3 Prozent stellen die Wölfe den Bestwert der Liga. Allerdings: Friedland lässt nur 38,1 Prozent der Siebenmeter gegen sich ins Tor - zweitbester Wert der Liga. 

mtv friedland klein

Die Gäste treten mit einem schmalen Kader an. Nur zwei Feldspieler stehen zum Wechseln zur Verfügung – Kräftevorteil für den MTV. Doch das Rudel lässt sich diesmal, nicht wie in den Spielen zuvor, Zeit um ins Spiel zu kommen. Erst nach über drei Minuten fällt der erste Treffer – Nico Lehmann erzielt das 1:0 für die Gäste. Insgesamt sehen die Zuschauer in der Baruther Sporthalle ein Festival an Fehlwürfen. Nach nicht einmal acht Minuten haben die Wölfe schon acht Bälle verhauen – führen dennoch mit 3:2. Es wird viel über den kleberlosen Ball diskutiert, der aber beiden Mannschaften Probleme bereitet. „Wir sind sonst auch Kleber gewohnt“, sagt Nico Lehmann, desssen erster Siebenmeter soweit übers Tor geht, dass er beim American Football als Field Goal gezählt hätte. Als Wehlmann Nach gut 15 Minuten die Grüne Karte zieht, will er seine Mannschaft neu sortieren (6:6). In der Auszeit wird es laut auf der Wölfe-Bank. 

rackwitz abwehr friedlandAls Sven Neuendorf zu seinem vierten Siebenmeter des Tages antritt leistet er sich den zweiten Fehlwurf von der Linie. Ob von dort oder aus dem Feld, der MTV verbrät einfach viel zu viele Würfe. So übernimmt Friedland erstmals die Führung durch Tobias Bannert (6:7/19.). „Wir haben Wünsdorf mit ihren eigenen Waffen geschlagen“, erzählt Friedlands Rückraumschütze Patrick Schreiber, „hinten sicher stehen und dann kontern.“ Klingt einfach, ist es auch. Zumindest gegen eine Wünsdorfer Mannschaft, die mit einem Selbstverständnis auftritt, dass dieses Spiel ja sowieso irgendwie gewonnen wird. In der Abwehr fässt der MTV nicht richtig zu, lässt immer wieder Würfe ins Tor, die eigentlich gar nicht erst losgelassen werden dürften. Im Angriff wird zu wenig Druck aufgebaut. „Ey, wir haben auch noch andere Spielzüge“, hallt es von der Bank. Der Spielaufbau ist in dieser Phase pomadig und leicht durchschaubar. Bei Ballverlusten wird am Ball oder Nebenmann herumkritisiert anstatt schnell auf Defensive umzuschalten. Friedland spielt einfachen Handball, das reicht. 

Justin Rackwitz fängt einen Pass ab, erkämpft sich den Ball und setzt direkt zum Konter an. Der Treffer zum 11:12-Anschluss mal ein Zeichen, ein Funken Durchschlagskraft, der schnell wieder erlischt. Lehmann, Schreiber, Allisch, Bannert machen noch vier Tore bis zur Pause. Bei den Wölfen kommt nichts mehr dazu. Fassungslosigkeit auf der Tribüne – und auf dem Feld. Wehlmann bedient: „Eigentlich haben wir in der ersten Halbzeit nur geglänzt mit Arroganz, Überheblichkeit und Undiszipliniertheit.“

wehlmann friedland

Halbzeitstand: Wünsdorfer Wölfe – Rot-Weiß Friedland 11:16

In der zweiten Halbzeit wollen die Wölfe nun die Kehrtwende schaffen. Nach dem Wehlmann etwas Zeit brauchte, um in die Kabine zu gehen und die richtigen Worte zu finden, ist der MTV nun zumindest von der Körpersprache etwas präsenter. Endlich bäumen sich die Wölfe etwas auf, kämpfen sich heran. Ein Doppelpack von Nils Seegebrecht bringt den MTV auf 15:17 heran (37.), nur eine Minute später stellt Ronny Lange den Anschluss her. „In der zweiten Hälfte ließen bei uns die Kräfte nach“, gesteht Friedlands Schreiber. Doch der Eindruck, die Wölfe lenken jetzt das Spiel in die zu erwartende Richtung, trügt.

lange becker friedlandAus dem Ausgleich wird erstmal nichts, Lehmann und Bannert treffen zum 16:18 und 16:19, weil die Wölfe in der Abwehr wieder schlafen. Immer wieder gelingen den Gästen zu einfache Pässe an den Kreis, wo sie seelenruhig werfen können. Der in der Vorwoche so starke Keeper Carlo Hirsing wird in dieser Phase zu oft sträflich allein gelassen. Mit viel Kraft schaffen die Wölfe erneut den Anschluss, wieder durch Lange (20:21/46). Dann, gleiches Spiel. In der Abwehr klaffen riesige Lücken, selbst aus 12 Metern trifft Friedland jetzt Würfe, die nie zugelassen werden dürfen. Erst in 49. Minute gelingt endlich der Anschluss, Albrecht netzt durch eine Einzelaktion zum 23:23 ein.

Die Wölfe haben die Chance zur Führung, scheitern aber wieder an der eigenen Wurfquote. Nur 44,6 Prozent aller MTV-Würfe finden an diesem Tag den Weg ins Netz. In der gesamten Saison waren es zuvor 64,2 Prozent. 

Nach dem Ausgleich kann Friedland sich nochmal absetzen, führt zwischenzeitlich sogar wieder 23:26 (51.). Drei schnelle Tore, die den MTV möglicherweise einen Punktgewinn kosten. Zwei Treffer von Neuendorf, endlich einmal gut herausgespielte Kombinationen, bringen den erneuten Anschluss, den Max Hawaleschka kurz darauf zum 27:27 umstellen kann. 

Friedlands Jens Hallasch bekommt in der 57. Minute seine dritte Zeitstrafe, muss mit Rot vom Feld. „Das hat uns dann das Genick gebrochen“, sagt Schreiber. Neuendorf macht zweeinhalb Minuten vor dem Ende das 29:29. Die Wölfe jetzt in Überzahl, mit der großen Chance zum Last-Minute-Sieg. Allerdings ist der Handballgott an diesem Tag auf Fairness gepolt und dreht nicht nochmal am Glücksrad. Der MTV vergeigt noch zwei Chancen auf den Siegtreffer, der am Ende auch nicht gerechtfertigt wäre. Durch schlechtes Ausspielen hat sogar Friedland wenige Sekunden vor dem Ende nochmal die Chance, aber mehr als ein Punkt ist nicht drin. „Mit dem müssen wir zufrieden sein. Wir hatten keine Chance, aber die haben wir genutzt“, scherzt Schreiber gut gelaunt.

lange neuendorf friedland

Für die Wölfe ist ein Punkt jedoch zu wenig. Gegen den krassen Außenseiter musste der MTV sich selbst eingestehen, dass in der neuen Liga das Gewinnen keine Selbstverständlichkeit ist. Nach dem überheblichen Auftritt schaffen es die Wölfe nur durch Glück und eine ordentliche Moral, die Serie von nunmehr 31 ungeschlagenen Ligaspielen in Folge aufrecht zu erhalten. „Es wäre ziemlich niederschmetternd gewesen, wenn wir dieses Ding verloren hätten. Schön, dass wir uns noch herankämpfen und wenigstens einen Punkt holen“, resümiert Hawaleschka kurz und knapp und legt nach: „Das heißt aber nicht, dass es eine gute zweite Halbzeit war.“ 

Am kommenden Sonntag reisen die Wölfe zum HC Spreewald II nach Lübben (Spielbeginn 14.00 Uhr). Der HCS gewann am Wochenende in Luckenwalde und ist mit einem Punkt Rückstand nur eine Position hinter den Wölfen auf Platz 5. Vielleicht ein guter Grund, um den Gegner diesmal etwas ernster zu nehmen.

Wünsdorfer Wölfe – Rot-Weiß Friedland 29:29 (11:16)
Die Zahlen zum Spiel

MTV Wünsdorf: Barsch 2/4 gehalten), Hirsing – Neuendorf 11 (3/5), Albrecht 6, Lange 3, Hawaleschka 3, N. Seegebrecht 2, J. Rackwitz 1, Wendland, D. Becker 1, Baumann, T. Becker, Missal, 
Rot-Weiß Friedland: Semrau (3/6 gehalten) – Lehmann 10 (0/1), Bannert 7, Gordziel 5, Schreiber 3 (1/1), Hallasch 2, Kohle 1 (1/2), Allisch 1, Mocker
Schiedsrichter: Jonas Günther / Tim Weichelt – tadellose Leistung des jungen Schiedsrichtergespanns! Sie hatten wenig Gründe, das Spiel groß zu unterbrechen und ließen einen angenehmen Fluss zu.

Zeitstrafen: 0:4 (3x Hallasch, Schreiber)
Gelbe Karten: D. Becker, Lange, Missal – Gordziel, Schreiber, Lehmann
Rote Karten: Jens Hallasch (57./Rot-Weiß Friedland wegen dritter Zeitstrafe)
Blaue Karten:  –

Siebenmeter: 2/4 (50%) – 3/6 (50%)
Wurfquote: 29/65 (44,62%) – 29/58 (50%)