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Derby-Niederlage gegen Schöneiche

Die Wölfe verlieren, aber sind wieder ein Team

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Die Wünsdorfer Wölfe konnten gegen die SG Schöneiche ihre sportliche Krise nicht beenden. Gegen den Nachbarn gab es eine 28:31-Niederlage. Dabei traten die Wölfe von der mannschaftlichen Geschlossenheit schon deutlich besser auf als in den Vorwochen, konnten aber ihr gewohntes Potenzial noch nicht wieder zu 100% abrufen. Mehr...

von Conrad Hipp
Fotos: Victoria Becker

Die Uhr zeigt gerade einmal 18.10 Uhr an. Es sind noch gute 20 Minuten bis zum Anpfiff und bei der Suche nach einer roten Sitzschale muss man die Augen schon genau aufmachen. Während sich die Akteure auf dem Spielfeld warmmachen, lässt der Blick auf die Tribüne schon erahnen, was allen Handballfreunden an diesem Tag bevorsteht. In einer voll besetzten Wünsdorfer Paul-Schumann-Halle gehörte der erste Auftritt den Zuschauern. Auf beiden Seiten trieb man seine Mannschaft bereits vor dem Anpfiff an. Die Trommeln lassen den Hallenboden vibrieren - eine Mega-Kulisse!

klaus mtv sgsAuf dem Feld liefern die Mannschaften schnell Highlights für einen weiteren Temperaturanstieg auf der Tribüne. 5. Minute. Carlo Hirsing pariert im Wünsdorfer Tor einen Ball. Sein Konterpass auf Max Hawaleschka ist ein winziges Stück zu lang. Hawaleschka will den Ball erreichen, Thomas Sitek macht sich im Tor der SGS zum Abfangen bereit. Der Ball gleitet an beiden vorbei, landet zum 3:3 im Tor. Danach gehört die Partie der SGS. Mit einem 4:0-Lauf setzt sich Schöneiche auf 7:3 ab. In der Abwehr hat man die Wölfe im Griff, Sitek gelingen in einem Angriff der Wölfe gleich drei Paraden. „Wir waren taktisch sehr gut eingestellt und hatten gute Mittel gegen den MTV", lobt SGS-Spielertrainer Gunnar Eggen.

Der MTV muss sich ins Spiel arbeiten. Die Mannschaft zeigt Biss, Leidenschaft und Zusammenhalt auf dem Feld. Eigenschaften, die zuletzt sträflich vermisst wurden. Aber die Wölfe können sich nicht belohnen. Trainer Matthias Wehlmann: „Ich habe mir auch andere Meinungen eingeholt und gehört, dass das Engagement und der Kampfgeist noch nicht so wieder da waren. Da gehe ich nicht ganz mit.“ Muss er auch nicht, denn der MTV beißt als Mannschaft. Fehlende Leidenschaft oder eine schlechte Einstellung gehören an diesem Tag nicht auf den Kritikzettel. Wehlmann: „Wir haben viele Tore ohne Körperkontakt bekommen, weil wir einfach kopflos und schläfrig in der Deckung standen, zu wenig miteinander gesprochen haben.“ Der MTV kann defensiv das Schöneicher Spiel einfach nicht unterbinden. Immer wieder finden die Gäste einen Weg zum Kreis, an dem Matthias Große in Szene gesetzt wird.

Auch die Wölfe versuchen es offensiv, Kreisläufer Erik Klaus einzubinden. Eggen: „Aus dem Rückraum kam beim MTV einfach zu wenig. Sie haben viel versucht, über den Kreis zu spielen und das hatten wir gut im Griff." Dass die Bälle werder Tor noch Mitspieler erreichen, liegt in der Anfangphase an der hohen Fehlerquote des MTV. Die Wölfe gönnen sich Unkonzentrietheiten in den Abspielen. Deshalb haben sie nach elf Minuten bereits sieben Fehlwürfe auf dem Konto (4:7). Aber trotz des Rückstandes zum Start glaubt der MTV an sich. Zuletzt hatte die Mannschaft selbst analysiert, dass man zu schnell den Siegeswille verliert und die Köpfe hängen lässt. Hier nicht! Lars Baumann parkt einen Wurf aus dem Rückraum in den Winkel. Abwehr und Torhüter können dort nur hinterherschauen. Bei diesem Wurf hätte weder unter die Latte noch neben Pfosten eine Briefmarke zwischen gepasst - 7:7 (17.). 

Kurz vor der Pause gelingt den Wölfen endlich die erste Führung. Sven Neuendorf trifft in der letzten Minute zwei Siebenmeter, bringt den MTV so mit 13:12 in Front. Nur sechs Sekunden vor der Sirene macht Pascal Werner allerdings mit einem Wurf aus dem Rückraum doch noch den Ausgleich.

Halbzeitstand: Wünsdorfer Wölfe - SG Schöneiche 13:13

hawaleschka mtv sgsNur sieben Sekunden nach dem Wiederanpfiff zockt Hawaleschka den Gästen den Ballbesitz ab. 55 Sekunden nach dem Wiederbeginn findet der Ball endlich einen Weg zum Kreis. Klaus mit Ball am Kreis wie gewohnt kaum zu stoppen, erzielt das 14:13. Allein in der ersten Minute der zweiten Hälfte also zwei Momente, die den Wölfen Sicherheit geben sollten. Und für die Wölfe geht es positiv weiter. Baumann und Hawaleschka erhöhen auf 16:13. Im Publikum macht sich hörbarer Optimismus breit, dass die Derby-Party auf der Wünsdorfer Seite steigen kann. Doch dann schleichen sich in der Abwehr wieder Lücken ein. Besonders Dennis Ehmke lässt der MTV nun zu oft zu frei zum Wurf kommen. Er erzielt die Treffer zum 16:14 und 16:15, danach ist es der zweite wichtige Mann, Matthias Große, der den Ausgleich erzielt (16:16/36.). Das Problem der Wölfe: Die Durchschlagskraft in der Offensive. Nach dem 16:13 gelingt dem MTV nur ein Treffer in neun Minuten. Folgerichtig übernimmt die SGS wieder die Führung. „Die Disziplin im Angriffsspiel war zu wenig“, analysiert Wehlmann.

Denn die SGS bekommt den Rückraum der Wölfe in der zweiten Hälfte gut in den Griff. Eggen erklärt: „Das Spiel über den Kreis haben wir gut unterbunden. Dazu haben wir eine große Abwehr, die es den Rückraumschützen schwer gemacht hat, durchzukommen.“ Zusätzlich stellt der MTV das Spiel über die Außenpositionen nahezu ein. Wehlmann: „Es fehlt derzeit das Vertrauen, auch den Ball nach außen weiterzugeben, weil die Quote momentan einfach nicht erfolgreich ist.“ In der ersten Hälfte hatten die Außenspieler Probleme, den Ball am starken SGS-Schlussmann Sitek vorbei zu bekommen. So stellt die SGS das 16:13 um auf ein 19:21 um schließlich mit einer 23:21-Führung in die Schlussviertelstunde zu gehen. Der MTV arbeitet, bekommt aber in der Abwehr besonders den Rückraum nicht den Griff. Wehlmann: „Wir haben dieses Spiel in der Abwehr verloren, weil wir zu keiner Zeit in der Lage waren, die Angreifer nicht hindern konnten.“

Die Schlussphase eines überaus fairen Derbys beginnt mit einem Schock-Moment für die Gäste. Sitek knickt ohne Fremdeinwirkung mit dem Knie weg, muss sofort verletzt raus. Eggen: „Thomas war in den vergangenen Wochen der große Rückhalt der Mannschaft. Der wird uns garantiert fehlen." Der Leistung der Gäste tut das aber keinen Abbruch. Wehlmann: „Man darf die Leistung von Schöneiche nicht unter den Teppich kehren. Das war beeindruckend, mit welcher Art und Weise ihre Angriffe immer kontunierlich den Weg in unser Tor fand. Dafür muss man Schöneiche Respekt aussprechen. Schöneiche hat verdient gewonnen." Fünf Minuten vor dem Ende erzielt Henning Krüger das 25:29. Aber so endgültig will noch niemand dem Frieden trauen. Erst als Dennis Rothe zweieinhalb Minuten vor dem Ende zum 26:30 trifft, bricht der Fanblock der SGS und die Bank im Jubel aus. Positiv: Auch nach dem Spiel zeigen die Wölfe, dass die mannschaftliche Geschlossenheit zurück ist. Gemeinsam bedankt man sich bei den Fans für die grandiose Unterstützung. Dies war im letzten Heimspiel gegen Lübbenau nicht gelungen. Trotz zuletzt schwacher Vorstellungen, Rückstande und der Niederlage im Derby aber honorierte das Publikum den Willen der Mannschaft. In Wünsdorf steht man wieder zusammen.

wehlmann mtv sgsDie Feier gehört an diesem Tag der SG Schöneiche. Nachdem die SGS in den drei Derbys zuvor teilweise deutliche Niederlagen kassierte, kann endlich wieder ein Sieg gefeiert werden. Es ist der erste Punktgewinn gegen den MTV seit April 2016 und der erste Sieg seit November 2015. Für die SGS ein doppelt wichtiger Sieg, denn im Abstiegskampf können wichtige Punkte eingesammelt werden. Nach dem 31:28-Erfolg über den MTV liegt die SGS nun mit sieben Zählern drei Punkte vor dem sportlich letzten, der HV Luckenwalde 09, auf Platz 9. Der MTV ist nach dem Spieltag auf Platz 8 und muss dem punktgleichen HC Spreewald II den 7. Platz überlassen. Am kommenden Samstag kommt des zwischen den Wölfen und dem HCS dann zum direkten Duell. Wehlmann: „Wir werden uns in der Woche wieder aufbauen und uns wieder gut vorbereiten und es dann am Samstag wieder versuchen." Die Einstellung und die Leidenschaft hat der MTV im Derby wieder auf die Platte gebracht. Gegen den HC soll dann der Rest auch wieder funktionieren.

Wünsdorfer Wölfe - SG Schöneiche 28:31 (13:13)

Wünsdorfer Wölfe: Hirsing 1 - Baumann 10, Neuendorf 7 (4/5), Klaus 4, Hawaleschka 3, N. Seegebrecht 2 (1/3), D. Becker 1, Altin, Gröpler, Wendland, J. Rackwitz
SG Schöneiche: Sitek, Haubold - Ehmke 9, Pa. Werner 5, M. Große 4, Raasch 3, Gensichen 3, Krüger 3, S. Werner 3, Rothe 1, C. Große, Holz

Schiedsrichter: Marco Gerigk / Madlen Tornow - zeigten über die gesamte Spielzeit eine ruhige und sehr seriöse Leistung. Ließen sich von den Derby-Emotionen keineswegs anstecken und zeigten eine fehlerfreie Partie

Gelbe Karten: J. Rackwitz, Klaus, D. Becker - Ehmke, Pa. Werner, S. Werner
Zeitstrafen: 2:6 (2x D. Becker - 3x S. Werner, C. Große, Ehmke, Pa. Werner)
Rote Karten: Steven Werner (SG Schöneiche / 59. Minute wegen dritter Zeitstrafe)
Blaue Karten: -

Siebenmeter: 5/8 (62,5%) - 1/1 (100%)
Wurfquote: 28/46 (60,8%) - 31/48 (64,5%)