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Pleitenserie beendet

MTV gewinnt Krimi gegen Guben

mtv jubel kreisDie Wünsdorfer Wölfe sind endlich wieder zurück in der Erfolgsspur. 76 Tage nach dem bisher letzten Sieg in dieser Saison rangen die Wölfe Chemie Guben mit 30:29 nieder und holten gegen den Tabellenvierten den vierten Sieg der Saison. Das Erfolgsrezept war dabei eine mannschaftlich geschlossene Bissigkeit, eine starke Abwehr und eine ebenso starke Torhüterleistung. Mehr...

von Conrad Hipp
Fotos: Julia Ehmig / Tom Nerlich

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Beim Abschlusstraining am Donnerstag verließen die Wölfe entschlossen die Halle. Nach einer starken Trainingseinheit ging die Mannschaft mit viel Zuversicht in die Partie. Einigen Akteuren sah man das Funkeln in den Augen bereist an. Und dieses Funkeln blieb bis zum Spieltag bestehen. Die Wölfe wirkten vom Eintritt in die Halle an voll fokussiert auf die heutige Aufgabe – ein Sieg gegen Guben sollte her. Dabei veränderte sich der Kader zur Vorwoche gegen Grün-Weiß Finsterwalde nur minimal. Matthias Wehlmann flog als Spieltertrainer vom Feld, musste gegen Guben auf der Tribüne Platz nehmen. Justin Rackwitz kehrte dafür zusammen mit Egor Vikhrov wieder in den Kader zurück. Dazu fehlten Levent Altin (Sperre), Dirk Becker (Knieverletzung) und Ronny Lange (Pause) bei den Wölfen. Schon vor der Partie wurde die Schwere der Aufgabe demonstriert. Die Gubener Fans breiteten in der Paul-Schumann-Halle große Banner aus, bauten Trommeln auf und waren bereit für ein hochklassiges und spannendes Spiel, wie es im Hinspiel bereits geboten wurde (22:22).

neuendorf jubelDie Wölfe beginnen in der Offensive mit einem sanften Abtasten. Diese Phase endet nach 90 Sekunden mit dem 1:0 durch Sven Neuendorf. Max Hawaleschka legt kurz darauf das 2:0 nach. Und Guben? Hat von Beginn an extreme Probleme mit der Wünsdorfer Abwehr, die der zweitbesten Offensive der Liga wenig Raum lässt. Die Chemiker bekommen in den ersten Minuten kaum Zugriff aufs Spiel, kriegen keine ordentlichen Wurfchancen erarbeitet. Erst nach vier Minuten gelingt ein ordentlicher Wurf. Nils Barsch im Wölfe-Tor fischt den Versuch von Jan Rietschel aus dem Eck, schießt sich den Ball danach mit dem Fuß selbst ins Tor – eine mehr als unglückliche Aktion für den Goalie, für den es ab diesem Moment aber deutlich besser laufen sollte. Guben findet zunächst den Anschluss, kann sogar ausgleichen (4:4), bevor die Wölfe richtig Gas geben.

10. Minute: Leroy Ulbrich markiert von Linksaußen das 5:4. Im kommenden Angriff vertendeln die Gubener den Ball. Beim Einwurf schaltet Ulbrich schnell, spielt einen präzisen Pass durch eine kleinste Lücke, die sich zwischen drei Gubenern auftut und bedient damit Hawaleschka wie aus dem Lehrbuch. Der Konter zum 6:4. Danach geht es weiter. Barsch fischt den Ball mit einer starken Parade aus dem Eck, hat den Ball schnell unter Kontrolle und lässt ihn fliegen. Hawaleschka ist wieder der Schnellste vorn, kriegt den Pass exakt in die Finger – 7:4, Auszeit Guben. Die Körpersprache der Wölfe ist wild entschlossen. Jeder im Team ist heute offensichtlich auf den Punkt genau fit. Allerdings lässt die Auszeit der Gäste das Oberwasser der Wölfe wieder ablaufen. Mit drei starken Offensivaktionen gleicht Guben wieder aus (7:7/15.) Schon nach der Anfangsviertelstunde spürt jeder in der Halle. Das Ding heute wird ein Saisonhighlight. Lars Baumann erzielt aus dem Rückraum drei Treffer nacheinander, stellt so auf 10:8. Es war ein zusätzliche Sahnehäubchen auf einer Mega-Performance des Wünsdorfer Scharfschützen. Baumanns Bilanz: Fünf Würfe in der ersten Hälfte, alle aus dem Rückraum – Trefferquote 100%. Dazu ärgert Ulbrich die Torhüter von Linksaußen, spielt seine Flexibiliät im Wurf aus und stellt auf 12:9 (23.). 

baumann ballDie Wölfe haben in einer von beiden Seiten intensiven Partie etwas mehr Effizienz, lassen nach starken offensiven Aktionen auch in der Defensive nicht nach. Die Abwehr fordert Guben aufs Schärfste, dahinter zeigt Barsch in der Box eine überragende Performance, hält aus dem Feld zehn von 22 Würfen (45,5% Quote), die aufs Tor kommen. Das bietet eine gesunde Grundlage für ein Offensivspiel, mit dem sich die Wölfe mit konzentriert herausgearbeiteten Wurfchancen ein Polster von vier Toren anfressen können. Was in den vergangenen Spielen immer wieder das Problem der Wölfe war, ist an diesem Tag keins. Der MTV erarbeitet sich mehr Würfe als der Gegner, hat zudem wegen der cleveren Wurfauswahl auch eine starke Quote von 65,38 Prozent in Hälfte eins (nur neun Fehlwürfe). Ein Schlussknall hat die erste Hälfte aber verdient. Kurz vor der Sirene stehen vier Wünsdorfer gegen fünf Gubener Feldspieler auf der Platte. Auf der Uhr sind noch wenige Sekunde. Baumann fässt sich ein Herz, Guben verpasst jegliche Abwehraktion und so kann Baumann den Ball mit einem krachenden Wurf aus 13 Metern noch in den Knick hauen – 17:13!

Halbzeitstand: Wünsdorfer Wölfe – Chemie Guben 17:13

In der zweiten Hälfte will Guben die restlichen Sekunden Überzahl nutzen, um ein schnelles Tor zu erzielen. Das gelingt Jakub Pawlicki, zweitbester Torschütze der Liga. Zudem kassiert Ulbrich die Zeitstrafe. Plötzlich steht Wünsdorf mit drei Spielern auf dem Feld, Guben mit fünf. Eigentlich müsste der MTV nur noch wenige Sekunden runterspielen, um zumindest wieder den vierten Mann zu bekommen. Doch wozu warten, wenn man die Tagesform eines Lars Baumann hat. Nach einer starken Kombination fackelt der Scharfschütze den Ball in den Winkel – 18:14 (31.). In einfach Unterzahl gelingt Paul Gröpler der Treffer zum 19:14, die höchste Wölfe-Führung an diesem Tag. 

barsch parade gubenDanach kehrt etwas der Schlendrian ein. Plötzlich findet gerade Gubens Top-Torschütze Pawlicki ins Spiel, drei seiner Tore werden nur von einem Treffer von Hawaleschka unterbrochen. Dazu erzielt Dan Klein aus dem Rückraum einen Treffer, der die Grenzstädter plötzlich wieder auf 20:18 heranbringt (38.). Die Wölfe schwächen sich in der Phase mit aufeinander folgenden Zeitstrafen, die einige Minuten Unterzahl verursachen. Nun kann Guben den Platz besser nutzen, hat in dieser Zeit eine effizientere Wurfauswahl. Dennoch macht die Wölfe-Abwehr die Aufholjagd zähflüssig. Im Tor hält Barsch auch in der zweiten Hälfte 44 % Prozent der Würfe aufs Tor aus dem Feld. Zehn Minuten vor dem Ende führen die Wölfe mit zwei Toren – und dann beginnt der hektische Schluss.

Nach der eigenen Auszeit in der 51. Minute verlieren beide Teams plötzlich die Ruhe im Spiel. Beidseitig entsteht eine Hektik im Offensivspiel. Unüberlegte Handlungen, zu schnelles Umschaltspiel und dadurch viele Fehler dominieren jetzt das Spiel. Noch mit dem glücklichen Ende für den MTV. Als Guben die Auszeit nimmt, führen die Wölfe mit 30:26 – sechseinhalb Minuten noch auf der Uhr. Jetzt muss der MTV die Seriösität nur ins Ziel bringt. Das laute Gubener Publikum aber wittert noch die Chance, skandiert „hier regiert der SVC“ in ihrer Ecke. Auf der anderen Seite steht das Wünsdorfer Publikum bereits. Kaum jemand hält es auf den Plätzen, die Wölfe-Arena ein absoluter feiernder Zirkus. Und das Publikum bekommt neben der starken Wölfe-Performance noch einmal richtig Spannung. Dem MTV werden nun in dieser Phase Offensivfouls weggepfiffen. Das Rudel verliert seine Ordnung, Guben knabbert sich ran. Nach dem 30:27 rennen sich beide Teams zweieinhalb Minuten lang fest, verpassen jeglich ordentliche Torabschluss.

baumann wurf guben

Die Schlussphase. Markolf Janeck trifft zum 30:28, dreieinhalb Minuten noch! Ein Tor würde den Wölfen wohl reichen zum Sieg, doch der Treffer fällt nicht. Wieder üben sich beide Mannschaften in hektischen Vorstößen. Ballübergaben, Offensivfouls, Schrittfehler – ein technischer Fehler nach dem nächsten. Plötzlich erzielt Klein das 30:29, 48 Sekunden vor dem Ende. Beim nächsten Vorstoß der Wölfe kassiert Rietschel noch eine Zeitstrafe. Der MTV hat die letzten Sekunden Überzahl, baut nun nochmal einen ruhigen Angriff auf. Drei Sekunden vor dem Ende, der erlösende Freiwurfpfiff. Jetzt ist endgültig klar: Hier passiert nichts mehr! Der Freiwurf geht am kurzen Pfosten vorbei, egal. Die Wölfe springen, liegen sich in den Armen und singen „hier regiert der MTV“. Die Wölfe-Arena wird zum Tollhaus. 

rackwitz barsch jubelDie Wölfe feiern nach vier Niederlagen wieder einen Sieg in der Verbandsliga Süd. Co-Trainer Elmar Klotz-Urbaniak, der an dem Tag alle Tätigkeiten von Wehlmann übernahm, sagt bescheiden: „Wir sind auf dem richtigen Weg, mehr will ich nicht sagen.“ Danach geht er breit grinsend und zufrieden in die Kabine. Tribünen-Gast Wehlmann ist begeistert: „Saustark! Einfach nur geil!“ Der Trainer weiter: „Ich bin extrem stolz auf das Team. Das war eine mega starke Mannschaftsleistung. Hier hat heute Jeder für Jeden gekämpft.“

Wünsdorfer Wölfe – Chemie Guben 30:29 (17:13)

MTV Wünsdorf: Barsch (1/3), Hirsing (0/1 gehalten) – Baumann 8, Hawaleschka 4, N. Seegebrecht 4 (1/2), Neuendorf 3, Ulbrich 3, Wendland 2, Klaus 2, Philipp 2, Vikhrov 1, Gröpler 1, J. Rackwitz
Chemie Guben: Horbynko, Müller – Pawlicki 8 (1/1), Rietschel 6, Klein 6 (2/3), Nagel 4, Böhme 3, Lengauer 1, Janeck 1, Pechmann, Frohs, Ewersbach Rob.
Schiedsrichter: Steffen Kaußmann / Jan Bois – hatten die sportlich faire Partie vollendes unter Kontrolle und zeigten von Beginn an eine klare Linie, ließen sich in der Schlussphase zeitweise von der Hektik des Spiels anstecken.

zwgGelbe Karten: Ulbrich, J. Rackwitz, Philipp – Janeck, Klein, Rietschel)
Zeitstrafen: 8:4 (2x Ulbrich, Klaus, Philipp, Neuendorf, Wendland, Baumann, N. Seegebrecht – Ewersbach Rob., Janeck, Pawlicki, Rietschel
Rote Karten: 
Blaue Karten: 

Siebenmeter: 1/2 (50%) – 3/4 (75%)
Wurfquote: 30/49 (61,2%) – 29/59 (49,1%)