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Am Samstag kommt Dahlewitz II

Toregala zwischen den Derbys

vogel mtv zweite falkensee

Was für turbulente Wochen für die zweite Männermannschaft der Wölfe. Erst die bittere Derby-Pleite beim SC Trebbin II, dann die starke Reaktion und das Torefestival gegen den SSV Falkensee II. Aber was bedeutet das jetzt für das Derby gegen Blau-Weiß Dahlewitz II am kommenden Samstag? Mehr...

von Conrad Hipp
Fotos: Victoria Becker

Was war dieser Ausflug für eine Enttäuschung? Als die Wölfe vor eineinhalb Wochen die Auswärtsreise zum SC Trebbin II antraten, waren sie voller Hoffnung, den Anschluss an die Spitzengruppe herzustellen. Der Plan: Der Sieg in Trebbin, anschließend der Pflichtsieg gegen das Tabellenschlusslicht aus Falkensee, ein Heimsieg im Derby gegen Dahlewitz und man hat bis Weihnachten sechs Punkte und dürfte damit Platz zwei unterm Baum haben. Der Plan ging gleich bei Aufgabe 1 nach hinten los. Mit einem 24:30 im Gepäck kamen die Wölfe nach Hause. Nix da mit sechs Punkten bis Weihnachten. Und so wurde auch die Aufgabe gegen den SSV Falkensee II plötzlich zur Kopfsache.

Der Tabellenletzte hatte erst einen Sieg bei der Reserve der HV Luckenwalde 09 einsammeln können. Sonst gab es Niederlage mit im Schnitt fast fünf Toren Rückstand. Für die Wölfe ein gefährlicher Gegner. Mit einem Sieg im Rücken hätte man wohl den Sieg mit selbstbewusstem Auftreten einspielen können. So war Gefahr im Verzug. Zumal Trainer Nils Barsch auch erneut einige Ausfälle zu beklagen hatte. Erst kurzfristig holte er sich mit Max Hawaleschka, Paul Gröpler, Lars Baumann und Justin Rackwitz vier junge Spieler aus der ersten Mannschaft hinzu, die mit einem Doppelspielrecht ausgestattet sind. Trotzdem standen nur 12 Spieler im Kader. Obacht, den Tabellenletzten nicht unterschätzen. Barsch: „Es ist wichtig, heute eine richtige Reaktion zu zeigen.“

Ins Spiel: Nach einer ersten Abtastphase übernehmen die Wölfe die Regie im Spiel. Schnell wird klar, dieses Spiel wird kein Langweiler und dieses Spiel wird auch nicht 19:19 ausgehen. Denn schon nach nicht einmal zwei Minuten sind vier Buden gefallen – 2:2. Danach macht der MTV erste Anstalten, sich Richtung Punktgewinn zu orientieren. Ein Doppelpack von Gröpler und der erste Treffer von Tim Becker bringen die Wölfe mit 5:2 in Front. Frech: Gröpler mopst nach einem den Ball, als der Torwart gerade zur Bank flitzt um etws zu trinken. Kaum den Ball in der Hand macht Gröpler einen platzierten Wurf kurz hinter der Mittellienie und trifft. „Ich muss sparen beim Laufen. Morgen muss ich ja in der Ersten noch ran“, scherzt er nach dem Spiel. Doch der MTV in dieser Phase Probleme, sich endscheidend abzusetzen. Die Wölfe in dieser Phase nicht effektiv genug, halten den Gegner so im Spiel. Fabian Bartkowiak trifft plötzlich zum 9:8 (17.) – und der Tabellenletzte ist wieder ran.

Erst als den Gästen etwas die Luft ausgeht, setzt sich der MTV wirklich ab. Marko Fredrich trifft per Konter zum 11:8, danach trifft Lucas Vogel zum 12:8. Egor Vikhrov und  Justin Rackwitz besorgen die Spielstände 13:8 und 14:8. Der Pausentee wird beim Stand von 17:10 ausgeschenkt. Die Wölfe sicher in Front, aber mit großen Ideen.

Halbzeitstand: Wünsdorfer Wölfe II – SSV Falkensee II

„Wir wollten neben dem herausgerückten Mittelmann auch die halben in der Abwehr auf Zack haben. Sie sollten immer wieder heraustreten und die langen Bälle abfangen“, erklärt Barsch über die Gespräche in der Pause. Was er dann in der zweiten Hälfte sieht, lässt sein Trainerherz hüpfen. Die Mannschaft setzt alles um – und zwar zum Genuss aller Zeugen. Falkensee findet ab dem Wiederanpfiff überhaupt keinen Zugang mehr zum Spiel. Torwart Oliver Pilz bekommt bis zur 43. Minute lediglich drei Würfe auf den Kasten, die er allesamt halten kann. Stattdessen wird umeschaltet, gekontert und die zweite Welle gelaufen. 

Fotogalerie Wünsdorfer Wölfe II – SSV Falkensee II

Die Wölfe präsentieren ein starkes Umschaltspiel und zeigen dem Publikum, wie es aussieht, wenn man den Gegner überhaupt nicht mehr ins Spiel lässt. Schade: Die Gala auf dem Feld wird von der gut gefüllten Wünsdorfer Tribüne nicht so gewürdigt, wie es verdient gewesen wäre. Zugegeben haben die Wölfe jetzt einen maßlos überforderten Tabellenletzten vor der Brust, aber die Dominanz und die Umsetzung sind doch schon eine Augenweide. Die Wölfe spielen fürs Bilderbuch. Als Rackwitz in der 43. Minute das 30:10 macht, komplettiert er einen 13:0-Lauf seit der Pause. Erst in der 44. Minute trifft Falkensee wieder – Bartkowiak mit 30:11. 

Die Gäste haben sich längst ergeben, nehmen die Niederlage aber mit Humor. „Verlieren können wir“, scherzt ein SSV-Spieler nach einem der vielen Fehlpässe. Barsch: „Das was die Mannschaft auf der Platte gezeigt hat, war genau die richtige Reaktion nach der Niederlage in Trebbin. Die Mannschaft hat alles umgesetzt und hat sich selbst mit dieser Vorstellung den Frust von der Seele geworfen.“ Besonders Lucas Vogel, der Vordermann der Manndeckung, profitiert vom schnellen Umschaltspiel und nutzt seinen Vorsprung immer wieder um vorn Tore zu erzielen. 14 Buden stehen am Ende das Tages für ihn auf dem Zettel. 

apel mtv zweite falkenseeNach dem sich alle Feldspieler in die Torjägerliste eingetragen hatten, sollte es nun auch der Goalie machen. Oliver Pilz, in der zweiten Hälfte wenig beschäftigt, trat zum Siebenmeter an. Aber er vergab. Für die Bierkasse der Wölfe umso besser, hatte sich zuvor schon Justin Rackwitz mit seinem ersten Spiel, seinem ersten Tor und dem 30. Treffer des Tages schon drei Kästen auf die Mappe geschrieben. Pilz' erstes Saisontor wäre dann der vierte gewesen, der aber noch folgen sollte. Denn als Vogel in der 56. Minute das 40:13 erzielt, wird für den Trainer eine Kiste fällig. Barsch steht vor der Bank, stellt einen Fuß auf diese, lehnt sich an die Wand, dreht den Kopf weg und nimmt es mit einem Grinsen zur Kenntnis. Dass Vogel ihm diese Kiste einbringt, ist beim Spielverlauf hingegen wenig überraschend. Elf seiner 14 Tore erzielte er ab der 42. Minute. Von den letzten 13 MTV-Treffern schrieb er zehn auf seine Rechnung – eine unfassbare Bilanz.

In einem friedlichen Spiel haben die Wölfe am Ende nur noch ein Ziel: Plus 30! Vogel trifft 47 Sekunden vor dem Ende zum 44:14, sein fünfter Treffer in Folge! 12 Sekunden vor Schluss aber trifft Lars Plückhahn zum 44:15. Noch eins muss ganz flink her. Schneller Ball vor, schneller Anwurf, Pass an den Kreis und Andreas Apel macht mit der Sirene das 45:15. Mit 30 (!) Toren Vorsprung gewinnen die Wölfe und melden sich nach der Derby-Pleite eindrucksvoll zurück. Komplimente gibt's vom Trainer: „Die Mannschaft hat in der zweiten Hälfte alles umgesetzt, was angesagt wurde. In der Abwehr war der SSV komplett abgemeldet, das hat die Mannschaft gut gemacht. Kompliment aber auch an den Gegner, die sich trotz dieses Spielverlaufs komplett fair verhalten haben.“ Wohl wahr: Trotz des desaströsen Halbzeitergebnisses von 28:5 lassen sich die Falkenseeer Handballer zu keinen Unsportlichkeiten oder ähnlichem herab und spielen die Partie fair zu Ende.

Aber: Am kommenden Samstag wartet eine deutlich schwierigere Aufgabe vor den Wölfen. Blau-Weiß Dahlewitz II kommt zum Derby (Anpfiff 16 Uhr). Barsch: „Man kann aus dem Spiel jetzt nicht all zu viel Rückschlüsse ziehen. Wir haben in diesem Spiel eben das richtige Mittel gefunden gegen einen Gegner, der an diesem Tag bei Weitem nicht mithalten konnte.“ Und was bedeutet das jetzt fürs Derby gegen Dahlewitz? Barsch: „Wir haben gezeigt, dass wir in der Abwehr anziehen und sicher stehen können. Und dass das Spiel nach vorn dann auch ganz schnell gehen kann.“

Gegen Dahlewitz ist der Trainer aus privaten Gründen nicht an der Seitenlinie, schickt daher seinen verletzten Spieler und Frauen-Trainer Kilian Kerbs auf die Bank. Die Marschroute gibt er aber vor: „Die Zahlen müssen nicht genauso beeindruckend sein wie gegen Falkensee. Aber es gilt die Passquote wieder hoch zu halten und auch im Abschluss ähnlich sicher zu agieren. Und wenn wir dazu mannschaftlich genauso geschlossen verteidigen, sollte Dahlewitz schlagbar sein.“ Dann ist zwar kein Platz zwei unterm Weihnachtsbaum drin, aber ein versöhnlicher 3. Platz zum Jahreswechsel hat auch viel Schönes.

MTV Wünsdorf: Pilz (0/1) – Vogel 14, Hawaleschka 8, Vikhrov 6 (3/3), J. Rackwitz 4, T. Becker 3, Gröpler 3, Fredrich 2, Baumann 2, Apel 1, Krüger 1, Luchmann 1