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Remis nach fünf Toren Rückstand

Wölfe retten Moralpunkt 

wendland flug 22

Die Wünsdorfer Wölfe haben am 6. Spieltag der Verbandsliga Süd einen Punkt aus dem Spreewald entführt. Nach einem guten Start lag das Rudel gegen den HC Spreewald II zwischenzeitlich bereits mit fünf Toren zurück, kam aber ins Spiel zurück und hatte am Ende sogar noch die Chance zum Sieg. Mehr... 

von Conrad Hipp
Fotos: Victoria Becker

Die Wölfe hatten beim Tabellennachbarn einen Punktgewinn im Blick. Zudem wollte die Mannschaft offensiv endlich wieder überzeugen. Zuletzt hatte sich das Team von Matthias Wehlmann mit nur 22 Treffern pro Spiel selbst um Siegchancen gebracht. Besonders auffällig: Nicht die Quote bei den Abschlüssen war schwach, sondern die Anzahl der herausgearbeiteten Wurfchancen. Daran arbeiteten die Wölfe in den vergangenen Wochen, konnten gegen die SG Schöneiche immerhin schon wieder 25 Treffer erzielen. Auch bei der Reise in den Spreewald sollten jetzt weitere Verbesserungen präsentiert werden. 

lange wurf hcs mtvWehlmann geht mit voller Kapelle ins Spiel. Sven Neuendorf und Torwart Stefan Wagner fehlten, aufgrund eines gut besetzten Kaders hat der MTV aber in dieser Saison genug Personal zur Auswahl. Der Start lief glatt: Max Hawaleschka trifft nach 60 Sekunden zum 0:1, danach legen Nils Seegebrecht per Siebenmeter und Dirk Becker nach. Zweieinhalb Minuten rum, die Wölfe führen mit 3:0 bei dem Verein, bei dem sie in der vergangenen Saison noch eine bittere 17:18-Niederlage kassierten. 

Nach zehn Minuten aber verlieren die Wölfe ihre Linie, lassen die Hausherren nun besser ins Spiel kommen. „Wir haben aus einer guten Abwehr heraus schnell nach vorn gespielt und haben das gemacht, was angesagt war. Das haben wir dann nach kurzer Zeit nicht mehr gemacht“, erklärt Spielmacher Nils Seegebrecht. „Es war dann nicht mehr so organisiert. Wir sind komisch gelaufen und das war eigentlich nicht der Plan.“ Das sah auch der Trainer so: „Wir haben leider wieder früh unser Konzept verloren und haben zu viel aus dem Stand gespielt.“

seegebrecht wurf hcs mtvSpreewald schafft durch Christian Dressel den Ausgleich (6:6/18.), hat die Wölfe dann besser im Griff. Wieder fällt es dem MTV schwer, gute Chancen zu kreieren. Zum Abschluss kommt es oftmals gar nicht. „Die Qualität unserer Pässe war in dieser Phase nicht gut. Wir haben unpräzise Bälle gespielt und konnten somit die Angriffe nicht richtig aufbauen“, sagte Paul Gröpler nach dem Spiel.

Ohne Druck der Abwehr müssen die Wölfe immer wieder Geschwindigkeit aus ihren druckvollen Bewegungen nach vorn nehmen, weil die Bälle in den Rücken gespielt werden. Einige Querpässe landen im Seitenaus. Wehlmann reagiert, zieht kurz vor der Pause die Grüne Karte. (11:8/25.). Der Trainer: „Vielleicht hatte da der ein oder andere gedacht, die Aufgabe wird leichter und hat dann festgestellt. Huch, die können ja auch Handball spielen.“

„Durch die Auszeit konnten wir es noch verhindern, dass wir zur Pause noch höher zurück lagen“, gesteht Seegebrecht. Zur Pause laufen die Wölfe einem Rückstand von drei Treffern hinterher, der nach einer starken Anfangsphase nicht nötig war.

Halbzeitstand: HC Spreewald II - Wünsdorfer Wölfe 13:10

rudel zweite halbzeit

In der Kabine wird es laut. Wehlmann rüttelt seine Jungs wieder wach. Und die brauchen zunächst einen Moment, um das sacken zu lassen. Schon nach 10 Sekunden klingelt es, nach einem weiteren Ballverlust kassiert der MTV das 10:15 und stellt sich so für die kommenden 28 Minuten eine schwere Aufgabe.

„Wir sind dann wieder wach geworden und haben wieder das gespielt, was angesagt war. So konnten wir uns wieder herankämpfen“, erzählt Seegebrecht. Die Wölfe erhöhen wieder die Schlagzahl. Die Pässe kommen wieder an, die Mannschaft agiert wieder präziser. Nach einem geblockten Wurf macht Torwart Nils Barsch das Spiel schnell, bedient den entwischten Tim Wendland. Der behält die Ruhe, zieht den Abwehrspieler nach außen, legt quer auf Justin Rackwitz, der den zweiten mitgelaufenen Verteidiger bindet und schiebt zu Max Hawaleschka. Ein sauber zu Ende gespielter Konter offenbart alte Stärken der Wölfe - 21:20 (46.). Der Anschluss ist geschafft und auch die Zeit spielt noch mit. Wehlmann: „Wir haben uns für einige Situationen, die wir uns in der Abwehr hart erkämpft haben, offensiv nicht belohnt.“ 

hawa flug hcs mtvNur wenige Sekunden später kommt der nächste lange Ball. Tim Wendland ist der Schnellste vorn, netzt zum 21:21. Wendland hatte in dieser Saison bisher nur einen Treffer erzielen können, aber schon zehn Fehlwürfe auf dem Zettel. In Lübben konnte der Flügelflitzer endlich wieder seine Qualität abrufen, trifft alle seine vier Wurfversuche. Auch die Treffer von Wendland bringen die Wölfe wieder mit zurück ins Spiel. „Es war auch der Siegeswille, der uns zurück ins Spiel gebracht hat. Jeder hat für Jeden gekämpft und man hat gespürt, dass wir das Spiel als Mannschaft noch gewinnen wollen“, so Gröpler. 

Ab dem 21:21 ist das Spiel wieder völlig offen. Die Mannschaften spielen jetzt vollends fokussiert, wollen den entscheidenden Fehler beim Gegner erzwingen. Die Erzwingung der Fehler klappt, aber eben auf beiden Seiten. Unglücklich für die Wölfe ist, dass das Schiedsrichtergespann Daniel Bree / René Knothe nach etwa 49 Minuten von ihrer bisher klaren Linie abweichen. So werden MTV-Kreisläufer Erik Klaus in der Schlussphase zwei mehr als klare Siebenmeter verweigert. Das Schiedsrichtergespann begleitete bereits im vergangenen Jahr das Spiel und zeigte damals eine sehr schwache Performance. In diesem Jahr war die Leistung der beiden deutlich strukturierter und sortierter, ging nur leider eben in der Schlussphase etwas verloren.

„Großer Respekt für die Moral der Mannschaft, wie sie sich in dieses Spiel zurückgekämpt hat“, sagt Wehlmann nach dem Spiel. Denn in der Schlussphase lässt der MTV sich trotz der unglücklichen Pfiffe nicht abbringen. 3:45 Minuten vor dem Ende packt Lars Baumann aus dem Rückraum ein Wurf aus, dem die Abwehr nur staunend hinterherwinkt. 25:24 für die Wölfe. Erst kurz zuvor hatte Barsch einen Siebenmeter von Jonas Jecke gehalten. Er ahnte den Heber und lupfte den Ball mit den Fingerspitzen knapp über die Latte.

baumann wurf hcs mtvNach dem Führungstreffer der Wölfe versucht sich Ingolf Burisch am Siebenmeter. Wieder schaltet Barsch schnell, kann erneut parieren. Stark: In der bisherigen Saison vergab der HC Spreewald nur zwei Siebenmeter, zeigt ligaweit die stärkste Quote an der Linie. Gegen die Wölfe gingen gleich drei Würfe nicht rein. Nur wenige Sekunden später auf der anderen Seite: Seegebrecht steht an der Linie, der gerade in der Schlussphase stark aufgelegte Marc-Maurice Gruna ahnt den Tunnelversuch, lenkt den Ball mit der Hacke gegen den Pfosten.

42 Sekunden vor dem Ende gleicht Bert Orbanz zum 25:25. Das Ende einer packenden Begegnung. „Es war am Ende ein verdienter Punkt für uns“, sagt Wehlmann. Und ob dieser nun gewonnen oder verloren ist, war man sich nach dem Spiel nicht so ganz einig. Seegebrecht: „Wir hätten das Ding zum Schluss noch gewinnen sollen, aber auf der anderen Seite haben wir auch schon mit fünf Toren hinten gelegen. Von daher, ja, eher der gewonnene Punkt.“

Durch das Unentschieden bleiben die Wölfe auf Platz 6, sind mit zwei Unentschieden jetzt schon wieder die Remis-Könige der Liga. Am Sonntag erwartet die Mannschaft den MBSV Belzig, der auf Platz 9 liegend am Wochenende spielfrei hatte.

 

Fotogalerie Spreewald - MTV I

 

HC Spreewald II - Wünsdorfer Wölfe 25:25 (13:10)

vi tvaHC Spreewald II: Gruna, Knappe – Dressel 8, Jecke 5 (4/6), Manig 4, Würfel 3, Burisch 2 (0/1), Orbanz 2, Dümke, Muschick, Freimann, Schwengber, Röscheck
Wünsdorfer Wölfe: Barsch (3/6 gehalten), Hirsing (0/1 gehalten) – Hawaleschka 5, N. Seegebrecht 5 (4/5), Wendland 4, Baumann 4, Lange 2, D. Becker 2, Gröpler 2, Klaus 1, Vikhrov, J. Rackwitz, Altin
Schiedsrichter: Daniel Bree / René Knothe – zeigten sich im Vergleich zum Spiel im Vorjahr mit einer deutlich besseren Leistung, hielten sich mit einer klaren Linie aus dem Spielgeschehen zurück und ließen die Akteure das Spiel zeichnen, verloren leider in der Schlussphase zeitweise den Überblick

Gelbe Karten: Orbanz, Muschick, Dressel – J. Rackwitz, Lange, Baumann
Zeitstrafen: 3:4 (2x Orbanz, Freimann – 2x Lange, J. Rackwitz, Gröpler)
Rote Karten: Nico Manig (HC Spreewald/42. Minute wegen groben Foulspiels)
Blaue Karten: –

Siebenmeter: 4/7 (57,14%) – 4/5 (80%)
Wurfquote: 25/45 (55,56) – 25/40 (62,5%)