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Starke Vorstellung beim Nachbarn

Derbysieg mit Saison-Rekord 

rackwitz werner hawaleschka

Die Wünsdorfer Wölfe haben sich nach einer Schwäche-Phase mit einem wichtigen Sieg zurückgemeldet. Im Derby zwischen den vergangenen beiden Aufsteigern der Landesliga Süd hatte der MTV das Spiel vollends unter Kontrolle, siegte am Ende beim Nachbarn mit 25:16 (15:9). Mehr...

von Conrad Hipp
Fotos: Tom Nerlich

hirsing sgsFür die Wölfe stand mit der Reise nach Schöneiche ein wegweisendes Spiel auf dem Zettel. Mit der SG Schöneiche hatte man den Nachfolger in Sachen Aufstieg aus der Landesliga Süd vor der Brust. 2017 stiegen die Wölfe auf, holten damals zwei überzeugende Siege gegen die SGS. Ein Jahr später folgten die Schöneicher den Wölfen in die Verbandsliga. Dabei stand für beide Mannschaften die Verbesserung der eigenen Bilanz im Raum. Die schwächste Abwehr (30,75 Gegentore pro Spiel) empfängt den schwächsten Angriff (21,25 Tore pro Spiel) der Liga – eine Bilanz würde an diesem Tag bröckeln. Da die Wölfe unbedingtes interesse daran hatte, dass ihr Wert sich an diesem Tag verbessern sollte, begann der Tag im Rudel zeitig vor dem Spiel. Trainer Matthias Wehlmann lädt die Mannschaft zum gemeinsamen Mittagessen ein, danach gibt es einen Mannschaftsspaziergang durchs Zossener Grün. Die gemeinsame Vorbereitung, sie wirkt. Wehlmann: „Ich war vor dem Spiel überhaupt nicht aufgeregt.“

Vor dem Spielbeginn klatschen die Oberkörper aneinander. Wer nicht lange genug im Fritierfett gebadet hat, kriegt jetzt vom Nebenmann die restliche Temperatur. Im Spiel bügelt Nils Seegebrecht nach 70 Sekunden zum ersten Mal den Ball ins Netz. Die Eröffnung eines intensiven Handballspiels. Ein großes Abtasten ist nicht nötig. Zu gut kennen sich beide Mannschaften, auch wenn man vor 969 Tagen zum bisher letzten Mal die Spielfläche teilte. Nur wenige Sekunden nach der Führung macht Tino Gensichen für die SGS den Ausgleich. Von Beginn an wird intensiv gearbeitet – auf beiden Seiten. Die Offensivreihen sind in Stellung gebracht, die Defensive auch. Früh gibt's den ersten Konter. Gensichen ist am schnellsten vorn, fängt den Ball direkt am Kreis. Völlig frei und in bester Wurfposition dreht er sich, bringt den Ball aufs Tor und Bumm – im Wölfe-Tor hat Carlo Hirsing den Fuß dran und plötzlich ist die Kugel weit weg vom Kasten. „Die Abwehrarbeit hat heute wirklich stark funktioniert“, lobt Wehlmann kurz und knapp.

deckung mtv sgsNach elf Minuten hat die SGS genug gebissen, schiebt sich zum ersten Mal in Front. Steven Werner trifft zum 5:4, Erik Klaus gleicht kurz darauf mit einem Kraftakt am Kreis aus. Es waren die einzigen 2:43 Minuten, in denen die Wölfe einem Rückstand hinterherlaufen müssen. Denn der MTV spielt in der Offensive strukturierter, sortiert sich gut und schließt gekonnt ab. Einziges Manko: Die Passquote. Immer wieder gehen Bälle auf die Außenpositionen flöten. Das hält die Führung in Grenzen und Schöneiche im Spiel. Die SGS hingegen ist im Angriff (viertschwächste Torquote der Liga) oft abgemeldet, findet überhaupt nicht in Tritt. Bis zur 27. Minute gelingen dünne sechs Tore aus dem Feld, dazu zwei von der Siebenmeterlinie. Als Steven Werner seinen dritten Siebenmeter zum 9:12 verwandelt, stellt der Gastgeber vorzeitig den Betrieb ein. Ronny Lange, Max Hawaleschka, Nils Seegebrecht – die Wölfe hauen den Hausherren noch auf drei verschiedene Weisen die Bälle um die Ohren und fressen sich zur Pause ein liebliches Polster an.

Halbzeitstand: SG Schöneiche – Wünsdorfer Wölfe 9:15

Die Halbzeitsirene kommt für die SGS genau richtig, um den Lauf der Wölfe erst einmal zu unterbrechen. Allerdings hat die Halbzeitpause den Nachteil, dass sie irgendwann einmal zu Ende ist. Denn nach dem Seitenwechsel kriegt Schöneiche ebenso wenig zustande wie zuvor. Der MTV deckt an diesem Tag eben so, wie es die drittbeste Abwehr der Liga halt so macht. Konsequent und strukturiert. Und wenn eben doch was durchkommt, fingert Hirsing in der Kiste so alles zur Seite, was ihm vor die Flinte kommt. Der Schlussmann der Wölfe, der in dieser Saison bisher lediglich 10:24 Minuten auf dem Feld verbrachte, steht bis auf zwei Siebenmeter durchgehend in der Wölfe-Box. Wehlmann: „Carlo hat da hinten stark gehalten.“ Es gab keinen Grund, den Torhüter zu wechseln. „Ich bin nicht böse, heute nicht gespielt zu haben. Carlo hat das heute doch gemacht“, lobte auch Stefan Wagner, der gar nicht zum Zug kam. 24 Paraden aus dem Feld stehen am Ende auf dem Konto – Saisonrekord unter den MTV-Torhütern.

hawa zweikampfErst nach dem Siebenmeter von Seegebrecht zum 9:18 darf Schöneiche wieder ran. Die Stimmung auf der schmalen Tribüne der SGS ist längst schon auf Niveau ungeliebtes Auswärtsspiel. Auch unter den Fans hat der MTV das Derby im Griff. Egor Vikhrov trifft von Außen zum 10:20. Glatte Zahlen, halb so viele Tore wie der Nachbar – man kann es jetzt nicht mehr verheimlichen, dass die Wölfe dieses Derby wohl nach aus träckern werden. Der MTV hat gegen eine schwache Schöneicher Mannschaft das Spiel seit der 25. Minuten endgültig im Griff.

Einzig die Torausbeute hemmt einmal mehr die Wölfe. Der MTV hat zwar das Spiel unter Kontrolle, muss es aber deutlich höher gewinnen. Wieder mal gibt es deutlich weniger Wurfchancen als auf der anderen Seite. Wieder einmal gibt es zu viele unnötige Fehler. Wehlmann: „Dann will wieder jeder was machen. Aber der MTV lebt nun mal vom schnellen Mannschaftsspiel.“ Das findet zwar statt, aber immer noch zu selten. So wird Schöneiche verschont, verliert nur mit neun Toren. In der Abwehr haben die Wölfe aber die Schotten dicht. Hirsing stellt im MTV-Tor einen Paraden-Rekord auf, die Wölfe einen Defensiv-Rekord. 16 Gegentore, weniger hat bisher kein Verein in der laufenden Verbandsliga-Saison kassiert, auch nicht in der Nord-Staffel. Offensiv hätte der MTV aber deutlich höher gewinnen müssen.

Fotogalerie Schöneiche - MTV I

Dennoch: „Wir haben das Spiel heute vollkommen unter Kontrolle gehabt“, sagt Wehlmann. Seinen Wölfen gehört die Party. „Ich bin stolz auf die Mannschaft“, fügt er noch hinzu. Die negativen Erlebnisse von jüngst sind zwar nicht vergessen und auch nicht hunderprozentig abgestellt, aber der Derby-Sieg in dieser Art ist Balsam für die Seele. Am Rest arbeiten die Wölfe intern in den kommenden Wochen, mit viel Rückenwind. Der treibt die Wölfe am 11. November zum HC Spreewald II. Beim Gastspiel in Schöneiche, bekannt für ihren Karneval in der Region, haben die Wölfe heute schon Pappnasen verteilt – und villeicht auch noch welche für den HCS über.

sgs mtv timeout

SG Schöneiche – Wünsdorfer Wölfe 16:25 (9:15)

SG Schöneiche: Schiffmann, Sitek, Haubold – S. Werner 6 (5/5), Pa. Werner 2, Gensichen 2, Busch 1, Krüger 1, Ehmke 1, M. Große 1, C. Große 1, Rothe 1, Wolter, Eggen
MTV Wünsdorf 1910: Hirsing, Barsch – Lange 6, N. Seegebrecht 5 (2/2), Hawaleschka 4, Gröpler 3, Baumann 3, Vikhrov 2, D. Becker 1, Klaus 1, J. Rackwitz, Altin, Ulbrich
Schiedsrichter: Uwe-Torsten Hinke / Danilo Weigert – leiteten zurückhaltend das Derby, welches sich beidseitig fair zugetragen hatte. Die wenigen strittigen Situationen hatten sie vollends unter Kontrolle und trafen sortiert und abgestimmt ihre Entscheidung.

Gelbe Karten:  Rothe, C. Große – J. Rackwitz, D. Becker, Baumann
Zeitstrafen: 6:2 (2x T. Gensichen, C. Große, S. Werner, Krüger, Pa. Werner – 2x J. Rackwitz)
Rote Karten: 
Blaue Karten: Christian Große (SG Schöneiche/60. wegen übertriebener Härte)

Siebenmeter: 5/5 (100%) – 2/2 (100%)
Wurfquote: 16/53 (30,19%) – 25/43 (58,14%)