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Bittere Niederlage gegen Finsterwalde

Favoritenjagd bleibt ohne Lohn

klaus grass rackwitz

Die Wünsdorfer Wölfe haben einen packenden Kampf in der Verbandsliga Süd knapp verloren. Gegen den Meisterschaftsanwärter Grün-Weiß Finsterwalde hatte der MTV den Punktgewinn phasenweise selbst auf der Hand, unterlag am Ende eines starken Handballmatches mit 19:20. Mehr...

 von Conrad Hipp
Fotos:  Julia Ehmig / Andreas Krüger

lange fiwaMit vier Unentschieden teilten sich die Wölfe schon in der vergangenen Saison so oft die Punkte wie sonst nur Luckenwalde (vier). Dazu gingen sieben Spiele mit nur einem oder zwei Treffern Unterschied aus. Heißt: Elf von 20 Spielen standen auf Messers Schneide. Und auch in diesem Jahr stehen die Wölfe auf enge Höschen. Mit Guben (22:22) und Dahlewitz (26:22) hätte der Saisonstart kaum krachender sein können. Und am 3. Spieltag kam noch ein Kracher dazu. 

„28:23“ hatte Torwart Stefan Wagner vor seinem ersten Heimspiel getippt. Optimistisch! Mit 51 Toren insgesamt erwartete Wagner ein torreicheres Spiel als die Auftritte zuletzt. Der Neuzugang darf nach seiner starken Leistung in Guben wieder von Beginn an ran. In den ersten Minuten brauchen die Wölfe ein paar Augenblicke, sich zu finden. Nach zehn Minuten trifft Eric Biele zum 2:5. Fünf Gegentore in zehn Minuten – wären hochgerechnet am Ende 30. Die gibt es aber nicht, weil die Wölfe sich in der Abwehr fangen. Auch der neue Mann im Tor tut sich in der Anfangphase schwer. Immer wieder rutschen ihm die Bälle knapp am Körper vorbei. Sein Gegenüber ist indes der Grund, warum Finsterwalde es schafft, zu Beginn etwas abzusetzen. Ivo Göricke hat nach sechs Minuten ein Gegentor gefangen, aber schon drei Paraden auf der Kappe. 

freiwurfTrotzdem schafft es der Favorit nicht, sich abzusetzen. Warum? Weil der MTV seinen Gegner bearbeitet und ihn nicht weglässt. Als Ronny Lange zum 5:8 trifft wird die Intensität des Spiel erstmals deutlich. Lange erzielt auch das 6:8, allerdings passiert dazwischen fast drei Minuten nichts. Beide Mannschaften bearbeiten sich konsequent ohne Pause. Im Angriff sind die Spieler ebenso gefordert wie in der Abwehr. Das starke Schiedsrichtergespann Steffen Kaußmann / Andreas Läbe ist oft gezwungen, den Arm für drohendes passives Spiel zu heben, weil beide Mannschaften lange nach Lücken in der gegnerischen Abwehrreihe suchen. 

Nach dem 1:4 (8.) versuchen die Gäste vergebens, sich weiter abzusetzen. Und plötzlich knabbern die Wölfe am Rückstand. Erik Klaus erzielt das 9:11, danach erhält Eric Biele eine der wenigen Zeitstrafen, die das Gespann verteilt. Auf beiden Seiten lassen die Unparteiischen ausgeglichen viel durchgehen, schreiten nur bei harten Fällen mit Zeitstrafen ein. Ansonsten lassen sie die faire Härte im Spiel walten und geben damit keiner Mannschaft die Chance, eine Überzahlsituation herzustellen. Diese eine Zeitstrafe nutzen die Wölfe, Egor Vikhrov trifft zum 10:11. Direkt nach der Auszeit der Gäste mach Vikhrov unbeeindruckt das 11:11 und stellt damit alles wieder auf Null. In den letzten drei Minuten vor der Pause knallt es nur noch einmal. Drei Sekunden vor dem Pausentee gibt's einen Siebenmeter für die Gäste. Der ehemalige Wölfe-Kreisläufer Marcel Graß scheitert an Carlo Hirsing, der mit einer krachenden Parade die Halbzeit einläutet.

Halbzeitstand: Wünsdorfer Wölfe – Grün-Weiß Finsterwalde 11:11

 

Fotogalerie MTV I - Finsterwalde (22.09.2018)

 

Mit dem psychologischen Vorteil aus dem Ende der ersten Hälfte starten die Wölfe in die zweite Halbzeit. Dirk Becker und Lange treffen – plötzlich führen die Wölfe mit 13:11. Jetzt haben die Wölfe Oberwasser, nutzen können sie das aber nicht. Auch in der Kabine nach dem Spiel ist die Stimmung wegen dieser Phase getrübt. Die große Frage: Warum holt das Rudel hier nicht mehr heraus? „Da agieren wir plötzlich wieder etwas kopflos“ ärgert sich Trainer Matthias Wehlmann. Ein Ballverlust und Finsterwalde schaltet um wie im Lehrbuch. Der Ball landet bei Paul Kaßner, ein Konter mustergültig vollendet. Passend dazu gibt's noch eine Zeitstrafe gegen Sven Neuendorf. Nächster Wölfe-Angriff, gleiches Spiel. Ballverlust, langer Ball auf Kaßner und dahin ist der Vorsprung.

barsch jubelMit dem Ausgleich zum 13:13 ist die Punktejagd nun endgültig völlig ergebnisoffen, denn auch Finsterwalde leistet sich Fehler. Nach dem sie in der Vorwoche in Belzig nur zwei von acht Siebenmetern im Tor unterbringen konnten, wackeln sie auch heute von der Linie. Jonas Müller scheitert an Nils Barsch, der unter der Woche krank im Training fehlte und sich davon aber nichts anmerken lässt. Nach seiner Einwechslung in der 17. Minute fischt er aus dem Spiel heraus 19 Paraden, zeigt im Wölfe-Tor eine sehr starke Leistung. Als Kaßner zum 16:19 (52.) trifft, riecht es nach Sieg für die Gäste. Die Zuschauer sehen ein Spiel, was von Intensität und Spannung eine ganze Saison füllt. Und es kommt noch eine Schippe drauf.

Beide Abwehrreihen überbieten sich gegenseitig, es ist eine wahre Schlacht. Lars Baumann zieht auf halblinks einen Ball aus der Hosentasche, bei dem selbst Göricke trotz seines Sahnetags keinen Stich sieht. Danach steigt Max Hawaleschka aus dem Rückraum hoch, 18:19 (55.). Man wartet vergebens darauf, wann die Hände mal anfangen zu wackeln. Göricke spielt kurz vor dem Ende seinem eigenen Spielmacher ohne Bedrängnis aus zwei Metern den Ball auf den Fuß, Ballbesitz Wünsdorf. Zugegeben hätte es der Finsterwalde-Goalie aber nicht verdient gehabt, dass ein solcher Bock von ihm zum Ausgleich führt. Die Wölfe vergeben die Chance auf den Ausgleich. 

wehlmann blickDie Schlusssekunden: Nils Seegebrecht macht das 19:20, noch vier Minuten auf der Uhr. Jetzt gehen beide Mannschaften noch mehr auf Nummer sicher, spielen ihre Angriffe lange aus. Die Wölfe haben vermehrt die Chance auf den Ausgleich, kriegen diesen aber ebenso wenig zusammen wie Finsterwalde den Siegtreffer. Fünf Sekunden vor dem Ende drückt Hawaleschka aus dem Rückraum an. Göricke unterstreicht im Tor seine starke Leistung und hält auch diesen Ball. Seine Mannschaft stürzt sich mit der Sirene auf ihren Torhüter. Finsterwalde weiß, wem sie diesen Sieg zu verdanken haben.

Und die Wölfe? „Unfassbar, mit was für einer Bereitschaft die Mannschaft hier bis zum Schluss gekämpft hat. Das hat mich sehr beeindruckend. Es war ein tolles Handballspiel. Nur mit 19 Toren gewinnt man leider kein Spiel“, so Wehlmann. Die Wölfe müssen an diesem Tag nur mit einem hadern: Der Wurfquote! Von 46 Würfen aufs Finsterwalder Tor finden nur 19 den Weg ins Tor. Zum Vergleich: In der Vorwoche in Dahlewitz waren es drei Würfe weniger, aber sieben Tore mehr. 41,3 Prozent Wurfquote - zu wenig. Der Rest passte zur großen Überraschung. 

Die Wölfe müssen nun die bittere Pleite schnell aus den Köpfen bekommen und müssen die vielen guten Dinge aus dem Spiel herausziehen, um Selbstvertrauen für die kommende Woche zu tanken. Dann reist das Rudel zur TSG Lübbenau 63 II. „Das wird ein ganz schweres Spiel“, warnt Wehlmann. Beim Vorjahresdritten verloren die Wölfe 2017/2018 mit 23:31, es war die zweithöchste Niederlage der Saison. 

mtv traurig

 

Wünsdorfer Wölfe – Grün-Weiß Finsterwalde 19:20 (11:11)

Wünsdorfer Wölfe: Wagner, Barsch (2/4 gehalten), Hirsing (1/1 gehalten) – Lange 5, N. Seegebrecht 3, Neuendorf 3 (0/1), D. Becker 2 (0/1), Klaus 2, Vikhrov 2, Hawaleschka 1, Baumann 1, J. Rackwitz, Wendland
Grün-Weiß Finsterwalde: Göricke (2/2 gehalten), Kiesewetter – Kaßner 6 (0/1), Scholz 4, Graß 3 (2/3), Biele 2, Müller 2 (0/1), Hänneschen 1, Langer 1, Görner 1, Julpe, Fielder, Lenz, Kovacek
Schiedsrichter: Andreas Läbe / Steffen Kaußmann – hielten sich bewusst mit Zeitstrafen zurück, was die Intensität im Spiel dauerhaft hochhielt. Zeigten über 60 Minuten eine klare Linie und passten sich dem starken Niveau des Spiels gut an.

Gelbe Karten: D. Becker – Scholz, T. Barthel (Bank)
Zeitstrafen: 4:3 (2x Lange, D. Becker, Neuendorf – Scholz, Kaßner, Biele)
Rote Karten: 
Blaue Karten: 

Siebenmeter: 0/2 (0%) – 2/5 (40%)
Wurfquote: 19/46 (41,3%) – 20/43 (46,5%)