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Nach 34 Jahren Handball

Wölfe-Schreck Bert Bräuer beendet Karriere

umarmung

von Conrad Hipp

Eigentlich hatte der Dahlewitzer Bert Bräuer (40) seine Schuhe schon an den Nagel gehangen. Aber irgendwie wollte er auch nicht einfach so abtreten. Viele Jahre war er der Top-Werfer im Rückraum der Blau-Weißen. Und viele Jahre hat er gegen einen Gegner ganz besonders gern getroffen: den MTV Wünsdorf. „Mich verbindet sehr viel mit dem MTV. Schon früher in der Jugendzeit war es etwas Besonderes, gegen Wünsdorf zu spielen“, erzählt Bräuer. Auch am Ende der Karriere war es etwas Besonderes. Deswegen schleppte er sich noch ein paar Mal zum Training – für diesen einen Tag, für dieses eine Spiel. 

festgemachtEs war der 18. Februar 2018. Nach dem Dahlewitz das Hinspiel gegen die Wölfe 22:29 verloren hatte, wollte „Bumm Bumm Berti“ im Rückspiel seinen Abschied feiern. Doch diesen Abschied konnte so niemand planen! „Das es so gut läuft, hätte ich niemals gedacht“, sagt er auch selbst. Wie zu seinen besten Zeiten führt Bräuer seine Mannschaft, schenkt den Wölfen gleich zehn Tore ein und wird beim 29:20-Sieg seines Team zum Matchwinner. Bräuer: „Ich hatte 1 1/2 Jahre nicht trainiert. Dann ist so ein Spiel natürlich ein absoluter Traum.“ Vor seiner riesigen Leistung wird er bei den Blau-Weißen verabschiedet, erhält auch vom Wölfe-Publikum seinen verdienten Applaus. In seiner kurzen Ansprache bedankt sich Bräuer auch bei den Gästen für die tolle Geste. Bräuer über den MTV: „Ich mag den Verein und auch die Fans, wobei die mich bestimmt nicht immer gern gesehen haben, wenn wir als Sieger vom Platz gingen.“ Beim letzten Spiel schaut man Bräuer gerne zu. Ohne Trainingsrhythmus und mit viel Schmerzen so eine Leistung abzurufen, verdient Respekt. Ein letztes Mal trumpfte er an der Seite seines Bruder Ulf Moritz groß auf. Jetzt ist seine Torejagd vorbei.

Die beendete er jetzt gegen den MTV mit zehn Buden. Mit 40 Jahren sagt sein Körper, dass Schluss ist! „Ich musste mir im Oktober 2016 zum 3. Mal das Kreuzband machen lassen. Dazu wurde eine Arthrose dritten Grades festgestellt. Die Ärzte sagten, entweder ich werde vernünftig und höre auf, oder ich bekomme schneller ein künstliches Knie, als mir lieb ist“, erzählt Bräuer. Schweren Herzens entscheidet er sich also für das Ende seiner Karriere, die er im Alter von sechs Jahren natürlich in Dahlewitz begann. Dabei verband Bräuer mit dem Handball nicht nur viele Tore, sondern auch einige Verletzungen. Der Rückraumschütze erzählt: „Als ich 18 Jahre alt war, hatte mich Cottbus schon abgeworben und ich sollte für die erste Mannschaft in der 2. Bundesliga spielen. Den Vertrag hatte ich schon fast unterschrieben, da habe ich mir beim Fußball das Kreuzband gerissen und der Traum war futsch.“ Nach seiner Genesung reicht es für Bräuer immerhin noch für die Regionalliga, in der in der Saison 1997/1998 für den VfL Lichtenrade auf Torejagd geht. „Ich war da aber irgendwie nicht glücklich“, gesteht Bräuer. 

abschied

Also wieder zurück nach Dahlewitz? Von der Liga her hätte es für Bräuer gar nicht so weit nach unten gehen müssen. Er verrät: „Auch Rangsdorf war sehr interessiert, aber die sind ja ein Rivale von Dahlewitz. Das macht man nicht.“ Also doch zurück in die Verbandsliga, wo er in der Saison 2009/2010 die Wölfe mal wieder ärgert. Der MTV wird Vizemeister, hinter Dahlewitz! Natürlich mit großer Mithilfe von Bert Bräuer. Die Rivalität zwischen Wünsdorf und Dahlewitz immer fair und freundschaftlich. Vor den Derbys gibt es von Wölfe-Seite aus Comics von „Ernie & Bert“ in Anspielung auf Bräuer und den damaligen Trainer Dirk Ernemann. Die Verbindung zum MTV, für Bräuer immer eine besondere: „Wünsdorf wird in meiner Laufbahn immer eine bestimmte Rolle spielen. Ich hatte in der Vorbereitung aufs Abschiedsspiel Angst, es nicht zu schaffen. Ich hatte überall Schmerzen in der Muskulatur. Aber ich wollte es unbedingt. Es ist schade, dass ich jetzt meine große Leidenschaft aufgeben muss.“

Natürlich liebten ihn die Wölfe-Fans nicht für die Tore, die er dem MTV eingeschenkt hat. Dennoch gehörte ein Bert Bräuer genauso zu einem MTV-Dahlewitz-Derby wie eine freundschaftlich Konkurrenzsituation zwischen den Teams. „Persönlich gönne ich ihn diesen letzten Sieg gegen uns. Für ihn war das ein gelungener Abschied nach einer tollen Karriere. Er hat in seiner Laufbahn vieles für den Verein geleistet. Mir bleiben viele tolle Spiele miteinander und gegeneinander in Errinerung. Es hat unheimlich Spaß gemacht, mit Bert auf der Platte zu stehen. Ob man ihm in eigenen Team oder nicht“, erzählt Ronny Lange, der in der Saison 2014/2015 gemeinsam mit Bräuer für Dahlewitz auflief. Immer mit dabei: Fruchtbonbons! „Ganz komisch, aber die brauchte er immer zur Zigarette“, lacht Nils Seegebrecht, der Bräuer ebenfalls aus seiner Dahlewitzer Zeit kennt. Fruchtbonbons zur Zigarette? „Das brauchte ich eben. Ohne Bonbon ging nichts. Am liebstens hatte ich Campinos, aber eigentlich war es egal, Hauptsache Bonbons“. lacht Bräuer. Die Bonbons bleiben, die Torejagd ist nun aber vorbei.

wurf

Jetzt will Bräuer erst einmal Abstand nehmen von seiner Handball-Familie. „Meine Familie musste all die Jahre immer sehr zurückstecken. Jetzt ist es an der Zeit, etwas zurückzugeben“, sagt er. Und weiter: „Ein großes Dankeschön an meine Frau und meinen Sohn, die mich zuhause auch immer super verarztet haben.“ In die Halle wird er trotzdem kommen. „Es wird mir aber schwer fallen, nur zuzusehen. Von außen hat die Mannschaft aber meine Unterstützung sicher.“ Jetzt genießt Bräuer aber erst einmal den Handball-Ruhestand mit seiner Familie.

Die Wölfe gratulieren Bert Bräuer zu seiner tollen Karriere und wünschen ihm für seine Zeit nach der aktiven Karriere alles Gute.

tugo