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Frankfurt überzeugt mit Arroganz und Qualität

MTV-Frauen feiern Pokal-Abenteuer

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von Conrad Hipp

Die Frauen des MTV Wünsdorf haben einen abenteuerlichen Saisonstart erlebt. Im HVB-Pokal war der amtierende Kreispokalsieger aus Wünsdorf nicht so unterlegen, wie es das Papier voraussagte. Zwar hagelte es gegen den Drittligisten Frankfurter HC eine deutliche Niederlage, gegen den Verbandsligisten HV Calau konnten die MTV-Frauen jedoch überzeugen. In die nächste Runde zog wie erwartet der Frankfurter HC ein.

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Es war nicht mehr als eine Pflichtreise, welche die Damen des Frankfurter HC antraten. Nach der Änderung der Spielhalle war dem Drittligisten klar, dass ohne Kleber gespielt werden muss. Klister-Handball sind die Frauen in der 3. Liga gewohnt, in Dabendorf blieb der Kleber-Topf zu. Nur zwei Einheiten ohne Haftmittel hatten die Frauen aus der Grenzstadt hinter sich. Dementsprechend auch die Laune zu Beginn. Schon beim Betreten der Halle geht der Blick Richtung Boden. „Na klasse, schön glatt“ – Begeisterung und Lust aufs Spiel sieht anders aus. Die strahlt indes die E-Jugend aus, die zum gleichen Zeitpunkt ein Spaß-Spiel gegen die erste Männermannschaft veranstaltet. 

Im ersten Pokal-Spiel dann das Pflichtprogramm der ambitionierten HC-Handballer. Der HV Calau hatte schon vor dem Anpfiff die weißen Taschentücher in der Sporttasche, leistet von Beginn an keine Gegenwehr. Frankfurt spielt mit ordnungsgemäß strukturierter Deckung und wartet auf Fehler der Südbrandenburger. Dann wird umgeschaltet, meist über links, und effektiv gekontert. Gibt's mal kein schnelles Umschalten, zeigen die Calauer eine Alibi-Abwehr und gewähren dem FHC ohne Ticketkontrolle artig Einlaß. So steht es nach der ersten Hälfte 15:1 für den FHC. Frankfurt lockert ab und an die Abwehr, so kommt Calau zumindest öfter durch als in Hälfte eins. Der FHC spielt mit angezogener Handbremse, aber effektiv und ausreichend. 29:4 – Pflichtaufgabe erfüllt.

Dann dürfen die Pokalsieger aus Wünsdorf endlich auf die Platte. „Die Einstellung war überragend. Die Mannschaft hat sich vor dem Spiel extrem gepusht. Die Mädels haben sich vorher klar gemacht, dass wir hier alles feiern, was uns gelingt“, erzählt Trainer Kilian Kerbs. Eine gesunde Underdog-Einstellung, die ein ordentliches Spiel nach sich zieht. Calau ist nun motivierter. Sich von einem Drittligisten gegen die Wand klatschen lassen ist ok, aber von einem Kreisligisten? Muss ja nicht sein. Wünsdorf hat aber mehr Bock, geht mit 4:1 das erste Mal deutlich in Führung.

Auf der Tribüne, die Handball-Ladies des FHC, denen der unterklassige Handball nicht edel genug ist. Gegenüber dem Gastgeber strecken die Drittliga-Damen die Nase hoch in den Wind. „Boa, so ein Spiel müssen wir eigentlich wirklich nicht gucken“ – „Brecht euch nicht die Nägel ab“ – „Aua, jetzt kriegt ihr einen blauen Fleck“ – ein Verhalten, welches auch den Verantwortlichen aus der Oderstadt bitter aufstößt. „Dieses Benehmen ist völlig unnötig. Bei einem Spiel, mit dem man selbst überhaupt nichts zu tun hat, hat man sich so nicht zu verhalten“, heißt es im Nachhinein aus Betreuerkreisen. 

alina hvb pokalAuf der Platte brechen die MTV-Frauen wie aus der Abteilung Arroganz erwartet Fingernägel, aber nicht die eigenen. Mit einer couragierten Abwehrarbeit zeigen die Frauen dem Vizemeister der Verbandsliga Süd die Grenzen auf. „Hinter der ohnehin schon gut funktionierenden Abwehr war Alina ein sehr starker Rückhalt“, betont Kerbs. So stark, dass Torhüterin Alina Henkel vor der zweiten Halbzeit (8:4-Führung) von ihrer Keeper-Kollegin Angelique Lenke sogar Huckepack in die Halle getragen wird. „Das machen wir öfter mal, das baut uns irgendwie auf“, grinst Lenke nach dem Spiel. Auf der Linie entschärft Henkel Konter, Siebenmeter, Rückraumwürfe – alles, was eben vor die Flinte kommt. Der MTV lässt Calau einfach nicht ins Spiel. Der HVC wehrt sich unter dem Applaus der Frankfurt-Ladies gegen die Niederlage gegen die Mannschaft von unten. Aber die Wölfe-Frauen zeigen, dass auch in den HVB-Untergeschossen fest zugebissen wird. Kerbs: „Wir haben gegen einen Verbandsligisten nicht nur mithalten, sondern sogar gezeigt, dass wir besser sein können.“ 16:9 – Kreisliga schlägt Verbandsliga-Vizemeister.

Nun das dritte Spiel des Tages – Wünsdorf gegen Frankfurt. Kreisliga gegen dritte Liga. Anwurf Wünsdorf, nach 17 Sekunden klingelt es zum ersten Mal im Tor des MTV. Das Tempo des FHC ist viel zu hoch für die MTV-Frauen. Im Angriff wird das gewohnte Offensivspiel schnell gestört. Frankfurt schaltet flink um, lässt bei den Kontern der MTV-Nachwuchskeeperin Angelique Lenke keine Chance. Im Sekundentakt hagelt es Gegentore, trotzdem halten die Gastgeberinnen die Köpfe oben. Frankfurt hat das Spiel komplett im Griff, für den MTV ein paar Nummern zu hoch. Mit 19:1 werden die Seiten gewechselt. Frankfurt standesgemäß weiter, aber Wünsdorf will noch etwas Spaß. In der zweiten Hälfte darf Torhüterin Lenke an die Siebenmeterlinie. Die Schülerin aus dem Wölfe-Tor gegen die FHC-Keeperin aus dem bezahlten Handball. Locker verwandelt! Auch die mitgereisten FHC-Trommler würdigen die Einstellung der MTV-Frauen, trommeln in der 2. Hälfte sowohl für die eigene Truppe, als auch für den MTV. Sympathischer Auftritt, zumindest an der Trommel.

lydia hvbpokalAuch gegen Frankfurt feiern die MTV-Frauen alles, was ihnen gelingt. Für den FHC eine lästige Pflichtaufgabe, für den MTV eine unterhaltsames Abenteuer. Nicole Schmidt erzielt kurz vor Schluss das sechste Wölfe-Tor. Das zehnte Turnier-Gegentor für den ambitionierten Drittligisten. „Uuuhh toll, hast du auch mal ein Tor“, spottet Frankfurts Emilia Heinrich auf der Bank. 38:6 für die Abteilung Arroganz aus der Oderstadt. Sportlich zeigen die Frankfurterinnen, welches Potenzial in der jungen Mannschaft steckt. Charakterlich zeigen sie, wie groß die Entfernung zum Profi-Handball ist.

Dennoch zieht der FHC ungefährdet und zumindest sporlich seriös in die 2. Runde des HVB-Pokals ein. Doch auch mit 32 Toren Rückstand gehen die Mundwinkel des MTV nach oben. Die MTV-Frauen feiern ihr Pokal-Abenteuer und hätten zum Saisonende wohl nichts gegen den dritten Kreispokal-Titel in Folge. Wer weiß, wen das Los dann noch so ins Wolfsrevier treibt...

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