Wölfe bei Twitter

Auswärts ungeschlagen

Alle meine Entchen...

...und der letzte Schluck zum Titel

teaser elster

von Conrad Hipp

Die Wünsdorfer Wölfe lassen sich in der Saison 2016/2017 anscheinend durch nichts nachhaltig beeindrucken. Wieder einmal erlebte das Rudel ein „Auswärts-Heimspiel“ in der Elbe-Elster Halle in Elsterwerda, in dem der MTV einen hohen Haufen Paletten zu stapeln hatte um am Ende die zwei Punkte mitzunehmen. Der 27:19-Erfolg gegen den Elsterwerdaer SV 94 sieht deutlicher aus, als er eigentlich war. Fazit: Der MTV macht sein Ding. Drei Rote Karten, dreifache Unterzahl. Die Wölfe stehen einen Punkt vor dem Titel!

gruppenfoto bus

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Es ist der 1. April des Jahres 2017. Das Thermometer zeigt fast 30 Grad. Gesunde Aufstiegstemperatur mit viel Laune für Aprilscherze, mit der das Rudel tiefenentspannt Richtung Süden rollt. Die ersten Hopfen-Smoothies leeren sich in den Fan-Reihen, die Spieler genießen Taurin. Den Pfand sammelt Maskottchen Lupus - bereit für ein einzigartiges Experiment. In der Halle angekommen will er den Pfandbeutel gegen eine Eintrittskarte tauschen - mit Erfolg! „Großes Lob! Extrem sympathisch dieser Humor und diese Art Gastfreundschaft“, heult der Wolf nach dem Spiel.

In ungewohntem Blau-Weiß erwärmen sich die Wünsdorfer. Die Rückennummern durchgestrudelt. Erinnerungen werden wach ans Frühjahr 2012. Damals trat der MTV in der Verbandsliga beim Tabellenzweiten Calau an - in Blau-Weiß! Sieg mit sieben Toren, zwei Heimpunkte fehlten zum Titel. Déjà-vu 2017!

Die Wölfe: Carlo Hirsing in der Box. Auf der Platte Sven Neuendorf, Max Hawaleschka, Dirk Becker, Marcel Missal, Nils Seegebrecht, Ronny Lange. Wie vor fünf Jahren erlebt der MTV einen semi-geilen Start. Elsterwerda räumt über Außen gut frei, kann damit früh punkten. Im Angriff hat der MTV wie im Hinspiel Probleme mit der unorthodoxen Abwehrreihe. Dazu kommt ein Schiedsrichtergespann, was den Zeitstrafen-Rekord (20 Zeitstrafen) aus dem ersten Duell schon in Hälfte knacken will.

Die Wölfe spielen durch eine teilweise langsame Deckung früh im Spiel in Dauer-Unterzahl und schmieren sich somit selbst zu wenig Öl ins Offensiv-Gewinde. Nils Seegebrecht klammert, meckert - zwei Zeitstrafen. Im Hinspiel brauchte er dafür 20, diesmal 16 Minuten. So laufen die Wölfe einem Rückstand hinterher, lassen aber durch eine starke Moral den Gegner nicht weg.

Auf der Tribüne peitschen die Fans feinstes Rodeo, hauchen den heimischen Anhang schon vor dem Anpfiff ins Landesliga-Mittelmaß. Die Punkte-Diskussion ist trotzdem ausgeglichen - Platte räumen, Pausentee. Elsterwerda neun Zeitstrafen, Wünsdorf elf. Trotz fairem Spiel - kein April, April! Tore: 12:12!

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Halbzeitstand: Elsterwerdaer SV 94 – Wünsdorfer Wölfe 12:12

haydeyanDer ESV beginnt den zweiten Abschnitt gut, legt den Wölfen zwei Eier ins Nest und strickt kurz am bitteren Witz zum Frühjahr. Das bekommt den Hausherren anscheinend selbst nicht. Ab der 34. Minute wird gepusht, geackert, geblutet und kräftig sortiert. Aram Haydeyan wandert als Erster mit Rot vom Acker, verlässt danach die Halle und „genießt“ die Sonne. Die Wölfe legen zwischen der 32. und 45. Minute einen 9:0-Lauf aufs Parkett - zuviel für die Hausherren! Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Im Pipi-Langstrumpf-Modus wird aus 14:12 ein 14:21 - ohne Zahlendreher!

Marcel Missal fliegt ebenfalls wegen der dritten Zeitstrafe vom Feld (39.) - der Ausfall wird aber kompensiert. Die Fans feiern den Shooter, der sich kurz darauf auf der Tribüne einfindet. Der sieht ein Rudel, was fightet. Dirk Becker bekommt mit einem Fingernagel das Augenlid geschlitzt. Schön geschminkt, blutig, schmerzhaft - kein Grund aufzuhören. In der Box rasiert Nils Barsch drei Siebenmeter in Folge, pusht damit Abwehr und Fans. Das Rudel schluckt kräftig Oberwasser durch eine Abwehrarbeit, die endlich arbeitet wie eine Leber nach zehn Bier.

missal elsterDann wird es mal wieder Zeit für Signalfarben. Auch Jan-Eike Albrecht geht mit Rot runter, nur 41 Sekunden später marschiert Elsterwerdas Markus List hinterher. Insgesamt werden im gesamten Spiel stolze 25 Zeitstrafen verteilt, obwohl beidseitig keine übertriebene Härte im Spiel ist. Trotzdem hat der MTV eben diese 13 guten Minuten ausgepackt, die den Hausherren bitter auf der Zunge liegen, so dass es kaum zu schlucken ist. Die Fans werden ungeduldig... „Auswärtssieg?“ - nein noch nicht. Noch sind 6 Minuten auf dem Tacho - 17:22. Weiter, weiter, immer weiter! Die Feier kann noch nicht beginnen, weil auch Elsterwerda-Torhüter Robert Wolff drei Wölfe-Siebenmeter nacheinander stark pariert und seinem Team damit Resthoffnung macht.

Ronny Lange kassiert als Fünfter des Abends die Rote Karte, im sommerlichen Gespräch werden noch auf dem Feld Telefonnummern ausgetauscht und es gibt die erste Blaue Karte der MTV-Geschichte. FÜNF - in zahlen 5 - Rote Karten, sattes Aufräumprogramm. Auch Lange wird gefeiert, „scheißegal“, singt der Rudel-Anhang.

Die Wölfe spielen drei gegen sechs und packen dann das Highlight des Spiels aus. Wendland (18), Rackwitz (18) und Vikhrov (17) gegen sechs gestandene ESV-Hünen. Flinker Ball, hohe Spielintelligenz. Pass, Pass, Pass, Sperre, Pass, Tor! Das 18:28 geht ins Archiv, wird beim Jahresrückblick wieder ausgebuddelt. Beim Jahrzehntrückblick dann nochmal.

auszeit elsterDann endlich: „Auswärtssieg...„ - „gegen Wünsdorf kann man mal verlieren„ - „hier regiert der MTV“... 29:17 heißt es aus Wölfe-Sicht. Ein dreckiger Sieg, den die Wölfe durch eine unbändige Moral für sich eintüten. Ein Spiel, in dem das Rudel einsteckte, ohne zu Wanken oder den Kopf zu senken!

Danach gibt's Uffta und Konfetti. Sonnenbrille auf und Abfahrt. Auf der Fahrt zurück tanzt Coach Matthias Wehlmann durch den Bus, Ronny Lange singt, Justin Rackwitz singt, alle singen! Von „Alle meine Entchen“ bis „Wir sind die schwarzen, wir sind die weißen“ werden auf 90 Minuten die komplette Filmlänge Gassenhauer rausgebügelt. Die Fakten: 15 Spiele, 15 Siege - 30:0 Punkte. Den Wölfen fehlt ein Punkt zur Meisterschaft.

nils lupus jubel

Elsterwerdaer SV 94 – Wünsdorfer Wölfe 19:27 (12:12)

Elsterwerader SV 94: Wolff (3/4 gehalten), Johannes Kästner (0/2 gehalten) – Spillecke 8 (6/7), S. Lange 3 (0/1), Jonathan Kästner 3, List 2, Müller 2, Labicki 1, Aram Haydeyan, Wotta, Heidrich, Geppert, Armen Haydeyan (0/1)
MTV Wünsdorf 1910: Hirsing (0/2 gehalten, Barsch (3/7 gehalten) – Lange 5, Neuendorf 5 (3/4), Hawaleschka 3, Wendland 3, N. Seegebrecht 3 (0/1), Schüler 2, Vikhrov 2, Albrecht 1, T. Becker 1, D. Becker 1 (0/1), Missal 1, J. Rackwitz

Gelbe Karten: List, Geppert – Neuendorf, J. Rackwitz
Zeitstrafen: 10:15  (3x List, 3x Aram Haydeyan, 2x Wotta, Johannes Kästner, Geppert – 3x Missal, 3x Lange 2x Neuendorf, 2x N. Seegebrecht, Albrecht, Hawaleschka, D. Becker, Wendland, J. Rackwitz)
Rote Karten: Aram Haydeyan (35./ Elsterwerda), Missal (39./ MTV) List (50./ Elsterwerda, alle wegen dritter Zeitstrafe), Albrecht (50. MTV/ 50.wegen grober Härte), Lange (58./ MTV, wegen dritter Zeitstrafe)
Siebenmeter: 6/9 – 3/6