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40-Meter-Tor düpiert SSV Lübbenau

Nils Barsch HFDer MTV Wünsdorf hat zum Jahresauftakt 2015 einen wichtigen 23:18 (10:10)-Erfolg gegen den SSV Lübbenau errungen. Nach einer zähen ersten Hälfte ackerten sich die Wölfe durchs Spiel. Überragender Mann auf dem Feld war Torwart Nils Barsch, der neben zahlreichen Paraden auch einen Treffer selbst erzielte. Bester Werfer war Marcel Missal mit acht Toren.

Vor der Partie steht MTV-Torwart Nils Barsch an der Mittellinie. Die Wasserflasche hängt in der rechten Hand, das blaue Handtuch verdeckt den Kopf. Komplett fokussiert wandert der Blick unter den Schweißperlen Richtung gegnerische Erwärmung. Die Mitspieler laufen hinter ihm Richtung Kabine, Barsch wandert als letzter hinterher. „Ich wollte irgendwie den Kopf frei bekommen. Bei der Erwärmung hab ich mich so gefühlt, als wäre ich noch nicht richtig da“, so Barsch.

 

Vor der Nummer eins beginnen Frank Schneider, Max Werner, Daniel Grau, Marcel Missal, Leroy Ulbrich und Andreas Apel auf dem Feld. Der MTV zu Beginn offensiv völlig abgemeldet, erst nach sechs Minuten bringt Grau die Erlösung, der erste Treffer 2015! 

Der MTV kommt schwer in Tritt, offensiv wirken die Wölfe statisch und langsam. „Die lange Pause lag den Spielern noch deutlich in den Knochen. Wir waren gezwungen, viel zu wechseln um die Spieler auf der Bank irgendwie wach zu bekommen“, sagt Denny Philipp nach der Partie. Einzig wach war plötzlich Nils Barsch, der in den ersten zehn Minuten fünf gute Wurfchancen vereitelt. Offensiv leisten sich die Wölfe Unaufmerksamkeiten. Werner verdaddelt eine Konterchance, Ulbrich legt den Heber in die Hände von SSV-Keeper Torsten Borrack.

Wünsdorf läuft hinterher, sucht verzweifelt seine Linie. Eine doppelte Unterzahl nutzen die Wünsdorfer stark, ziehen die Abwehr der Gäste weit auseinander. Von Rechtsaußen fliegt die Murmel nach Linksaußen und wird von dort zu Max Werner abgelegt, der den Ball aus 13 Metern wie ein Faden durch die Beine von Borrack zieht. Der MTV bleibt im Spiel, weil Barsch gegen Michael Reinke wie ein Panther die Ecke dicht macht.

Sven Axmann versucht es kurz darauf per Siebenmeter. Mit der linken Pieke spitzelt Barsch die Kugel über die Latte, es war bereits der dritte Siebenmeterversuch des SSV – allesamt pariert. „Er hat uns heute den Sieg gerettet“, fasst Routinier Guido Zurawski in der Kabine zusammen. Die Gäste hätten schon längst mit vier bis fünf Toren führen müssen, doch am Wölfe-Keeper führten nur wenige Wege vorbei. In der 23. Minute trifft Missal zum 8:7, die erste Wölfe-Führung 2015.

Der MTV jetzt etwas beweglicher und agiler, Barsch entschärft nebenbei einen Konter von Mario Drews. Der SSV beginnt zu hadern, sucht die Schuld bei den Unparteiischen. Jörg Ludwig parkt nach einer vermasselten Offensivaktion am MTV-Kreis, meckert vor sich hin. Auch nach der Timeout-Sirene kommuniziert Ludwig lautstark Richtung Referee.

 

Halbzeitstand: MTV Wünsdorf – SSV Lübbenau 10:10

 

„In der Pause mussten klare Worte her. In der Abwehr waren wir viel zu passiv, haben insgesamt zu viele Fehler gemacht, hatten ein schlechtes Rückzugsverhalten. Offensiv fehlte der Druck zum Tor und das Miteinander“, moniert Philipp. 

Die zweite halbe Stunde beginnt mit einem Doppelpack von Missal, das 12:10 erzielt der Scharfschütze per Rückhandwurf von halblinks. Der SSV sucht die Baustellen, hadert mich sich und der Welt. Ralf Karg macht seinen vergebenen Konter nur wenige Minuten später wieder gut, netzt ein zum 14:11(35.). Der SSV zeigt sich eingefroren, nach einer Parade von Barsch gegen Olaf Benert kontert der MTV in Ruhe, Borrack ohne Chance gegen Missal – 16:11 (39.). „Kommt auch mal jemand zurück“, ruft der Keeper seinen Vorderleuten zu. Die Wölfe nutzen jetzt effektiv die Fehler der Gäste, die extrem unsortiert auf dem Feld hantieren. 20 Minuten vor dem Ende düpieren sich die Gäste selbst. Karg und Rijad Jahic fliegen für zwei Minuten runter, in doppelter Unterzahl kontert Max Werner – 17:11. Den nächsten Angriff hält Barsch, ohne auf die Mitspieler zu schauen wirft er den Ball Richtung gegnerisches Tor. Dort steht Borrack viel zu weit draußen, macht nur noch einen kurzen Schritt zurück und schaut dem Ball hinterher. „Ich hab das gesehen und einfach geworfen“, sagt Barsch über seinen 40-Meter-Hammer! „Der Torwart hatte bei den eigenen Angriffen eine offensive Spielweise, das hat Nils bereits in der ersten Hälfte gesehen“, sagt Philipp. Das 18:11 – Grund für die SSV-Auszeit.

Die Halle feiert den Treffer, Lübbenau auf der Suche nach sich selbst. Nach der Kurzbesprechung werden die Gäste nochmal aktiv, stellen ihre Deckung um und rutschen nochmal auf 18:14 heran (45.). Fünf Minuten lang passiert beidseitig nichts, das Spiel wird hektisch und undurchsichtig, einige Schiedsrichterentscheidungen wirken wirr. Die Uhr tickt für die Wölfe.

Missal rempelt in der Offensive gegen Markus Werner, der dem Wölfe-Shooter danach einen Ellenbogenschlag verpasst. Zeitstrafe gegen Missal, Rot gegen Werner (47.). Reinke verkürzt auf 18:15 (50.), Wünsdorf braucht dringend ein Tor um die Sicherheit wiederzufinden. Missal kontert, Borrack hält. Im zweiten Versuch wird Kilian Kerbs gehindert, Ulbrich verwertet den Siebenmeter zum wichtigen 19:15 (51.). Danach wirkt die Moral der Gäste gebrochen, Grau trifft zum 20:15, Werner packt noch einen seiner begehrten Hüftwürfe zum 21:16 aus (55.) und die Halle macht sich langsam bereit, um den dritten Sieg in Folge zu bejubeln.

Kurz vor Feierabend legt Barsch einen langen Ball in die Hände von Youngster Marius Luchmann, der den 23:18-Endstand wirft.„Marius hat ein tolles Spiel gemacht. Der Junge ist Jahrgang 1997, hat davor schon A-Jugend gespielt. In der Abwehr stand er gut und zeigte auch vorn gute Akzente“, lobt Philipp den langen Kreisläufer.

Der MTV Wünsdorf gewinnt mit 23:18 und holt damit den dritten Sieg in Folge. Ein Sieg, der für die Moral wichtig war, aber der die Baustellen aufzeigt. „Unsere Mannschaft hat gewonnen, aber nicht das abgerufen, was sie können. Nils Barsch hat mal wieder das Spiel gemacht und wir können froh sein, dass der Bundestrainer vergessen hat, ihn anzurufen“, scherzte Philipp mit ernstem Unterton.

 

MTV Wünsdorf - SSV Lübbenau 23:18 (10:19)

 

MTV Wünsdorf: Barsch 1, Klein – Missal 8, Grau 5, Werner 3, Karg 2, Jahic 1, Luchmann 1, Ulbrich 1 (1/1), Kerbs 1, Zurawski, Apel, Schneider, U. Seegebrecht, Krüger

SSV Lübbenau: Borrack, Vanecek – Axmann 5 (0/1), Werner 4 (1/2), Kammerer 3 (0/1), Mahling 2 (1/1), Reinke 2, Drews 1, Ludwig 1 (1/2), Benert, Dobberstein, Kerstan, Borchert

Schiedsrichter: Eugen Hofmann / Mattihas Leintz (SSV Falkensee) - leiteten gleichmäßig die Partie, hatten bei unübersichtlichen Situation nicht immer den Durchblick, zeigten berechtigt die rote und mussten wenig auf die Partie einwirken

Gelbe Karten: Missal, Jahic, Kerbs, Ulbrich

Zeitstrafen: 7:2 (2x Grau, 2x Karg, Missal, Jahic, Luchmann - Mahling, Werner)

Rote Karten: Markus Werner (SSV Lübbenau/47. wegen eines Ellenbogenschlages)

Siebenmeter: 1/1 - 3/7