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Wölfe sichern Platz 3 in Elsterwerda

Rudel gewinnt Auswärts-Heimspiel

Starke Teamleistung mischt sich mit Party-Stimmung

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von Conrad Hipp

Die Wünsdorfer Wölfe haben am letzten Spieltag der Saison den dritten Platz in der Landesliga Süd verteidigen können. Mit einem 32:27-Erfolg beim Elsterwerdaer SV 94 konnte der MTV den Podiumsplatz ins Ziel bringen. Mit einer Traube Fans wurde der Gastauftritt zum Heimspiel. Die Wölfe zeigten eine starke Mannschaftsleistung mit einem überragenden Nils Barsch im Tor. Beste Werfer des Spiels waren Elsterwerdas Thomas Spillecke und Wünsdorfs Ronny Lange mit jeweils 12 Treffern.

Es soll nochmal alles rausgehauen werden, was noch so geht. Mit dieser Einstellung steigen Spieler, Trainer und Fans gemeinsam in den Bus am Wünsdorfer Bahnhof. Während im vorderen Teil des Busses die Fans über das Essen am Sonntag oder die vergangene Arbeitswoche reden, geht es im hinteren Teil des Busses mehr um Handball. Die Spieler schwören sich ein auf den letzten Auftritt dieser Saison. Kurz nach Beginn der Fahrt kündigt sich Dahme an. Die Empor-Handballer spielen vor dem MTV nur wenige Kilometer weiter in Ortrand vor, wollen zur zweiten Hälfte die Hausherren aus Elsterwerda unterstützen, hoffen auf den Wölfe-Ausrutscher und den Sprung auf Platz 3.

Bereits zwei Stunden vor dem Spiel trifft der Bus im Schlosspark Elsterwerda ein. Kabinen-DJ Carlo Hirsing beschallt das Rudel mit stimmnungsgeladener Musik, die Laune auf einen Sieg wird größer. Bevor es in die Kabine geht, spazieren die Wölfe als geschlossene Einheit durch die grüne und sonnendurchstrahlte Gartenanlage des Elsterwerdaer Schlosses. Noch bewegen sich die Wölfe ruhig.

Kurz vor dem Spielbeginn spürt man in der Bewegung des Wolfes die Anspannung und Willen, nochmal fest zuzubeißen. Von Sekunde eins dröhnt die Wölfe-Kulisse und macht den 20. Spieltag zum Stimmungs-Heimspiel. Das Publikum der Hausherren kann nicht mithalten, auf der Platte versucht der ESV, das zu kompensieren. Keine 90 Sekunden dauert es bis zur ersten gelben Karten, kurz darauf netzt Lars Baumann für die Wölfe das erste Mal ein.

Die Wölfe beginnen vorn intensiv und hinten druckvoll. "Wir haben sehr stark angefangen", lobt auch Trainer Sven Neuendorf. Acht Tore in den ersten zehn Minuten – eine gute Bilanz. Hinten fassen die Wölfe an, spielen den Hausherren in der Anfangsphase viele Siebenmeter zu. Im Tor der Wölfe hat aber Nils Barsch richtig Bock, kann vier der ersten fünf Siebenmeter parieren. So setzt sich der MTV auf 8:3 ab und bringt das Spiel so unter Kontrolle. 

Elsterwerda, mit einem Sieg würde man Platz fünf verteidigen, will sich nicht sanglos verabschieden und stellt in der Defensive um. Die Umstellung bringt die Wölfe etwas ins Wackeln, die Gastgeber zeigen jetzt auch im Abschluss eine höhere Effektivität. "Wir hatten in dieser Phase etwas den Kopf unten und haben Elsterwerda somit zurück ins Spiel geholt", analysiert Neuendorf.

Aus der souveränen Anfangsführung wird ein 12:12-Ausgleich, die so gut begonnene Partie steht plötzlich auf der Kippe. Die Führung übernehmen die ESV-Handballer jedoch nicht. Kurz vor der Pause gelingt dem MTV das 12:13, immerhin ein Mini-Polster rettet das Rudel in die Kabine. 

 

Halbzeitstand: Elsterwerdaer SV 94 – MTV Wünsdorf 1910 12:13

 

Zur zweiten Hälfte bekommt Elsterwerda Verstärkung – zumindest auf der Tribüne. Die gesamte Dahme-Mannschaft ist nach dem Auswärtsspiel in Ortrand in der Halle eingetroffen und bringen einen Sieg mit. Zumindest für 30 Minuten ist Dahme Dritter und wittert beim Anblick des knappen Spielstandes die Chance, auf dem Podium in die Sommerpause zu gehen. Dahme und Elsterwerda gehen eine Stimmungs-Symbiose ein, können somit erstmals im Spiel mit dem Wölfe-Fanblock mithalten. Das spürt man auch auf dem Feld. Beide Teams kommen ausgeglichen aus der Kabine, die Dominanz der Wölfe kommt erst später aus der Kabine.

Elsterwerda beißt sich im Spiel fest, zeigt eine starke Moral und kann somit zwischenzeitlich sogar in Führung gehen (20:18). Doch der MTV holt sich die Kontrolle über das Spielgeschehen zurück, ist nach einer kurzen Schwächephase wieder voll dabei.

Wünsdorf übernimmt wieder die Kontrolle auf Tribüne und dem Spielfeld. Im Angriff führen Nils Seegebrecht und ein wurfeffektiver Ronny Lange das Rudel an, zeigen in der Offensive eine hohe Flexibilität. In der Abwehr zwingt das Rudel den ESV zu schwierigen Würfen, den Rest räumt Barsch in der Kiste weg. Freie Würfe, Abpraller, Siebenmeter – Barsch hat gefühlt überall die Finger dran. "Diese Stimmung in der Halle hat mich extrem gepusht. Die Anfeuerungen haben mich immer weiter motiviert, dadurch war die Leistung erst möglich", lobt der Keeper das Publikum. 

Barsch pariert auch in der zweiten Hälfte vier Siebenmeter, pflückt über die 60 Minuten satte acht von 12 Versuchen weg. Über diese Leistung können die ESV-Keeper an diesem Tag nur staunen. An die gut platzierten MTV-Würfe bekommen Robert Wolff und Johannes Woehl wenig Finger dran. So setzt sich das Rudel wieder ab. "Die zweite Halbzeit war überragend. Wir haben uns in den ersten Minuten schwer getan und haben dann aber mit viel Konzentration und dem fantastischen Publikum im Rücken wieder zurückgefunden", sagt Neuendorf.

Ab der 20:18-Führung der Gastgeber legt der MTV den Schalter um, stellt mit einem 9:3-Lauf auf Partymodus! Zehn Minuten vor dem Ende (23:27) muss Lange jedoch verletzt raus, die Leiste zwickt. Auf seine Wurfquote will der MTV jedoch nicht verzichten, Lange kommt für die Siebenmeter auf die Platte, trifft alle seiner fünf Versuche und ist somit maßgeblich an der Verteidigung des Torepolsters beteiligt.

Fünf Minuten vor dem Ende ist die Moral der ESV-Handballer gebrochen, der MTV geht in den Feiermodus über. Wenige Sekunden vor dem Ende will Barsch seine Leistung krönen, jetzt auch selbst treffen. "Ich hab bisher in jeder Saison getroffen", sagte der Keeper vor dem Spiel und tritt zum Siebenmeter an. Aber wenn er was mit Siebenmetern zu tun hat, fällt an diesem Tag kein Tor und so setzt er seinen Ball knapp neben das Gehäuse. Mit der Schlusssirene stellen die Wölfe die Halle endgültig ruhig, nur "das ganze Dorf" feiert Platz drei. Vor der Halle gibt's eine Bierdusche für das Trainergespann, das Rudel singt und tanzt zurück Richtung Bus.

 

Lobende Worte

 

Auf der Rücktour wird dann pausenlos gesungen. Nicht ganz! Der Coach greift zum Mikro. Neuendorf hatte das Team im Februar übernommen, führte die junge Truppe auf den dritten Rang. "Es war eine geile Saison für die ich mich bei allen Beteiligten bedanken möchte. Ich bin stolz, ein Teil dieser Mannschaft zu sein", so der Trainer. Auch  Abteilungsleiter und Co-Trainer Denny Philipp ergreift zwischen den Gesängen das Mikrofon des Busfahrers. Das Rudel verstummt, lauscht. "Wir haben hier in dieser Saison viel erreicht und haben gezeigt, was wir für eine geile Mannschaft sind. Wir sind auf einem guten Weg und ich freue mich, diesen Weg mit euch weiter zu bestreiten."

Kurz vor dem Ende der Reise will auch Ronny Lange etwas loswerden. Der Routinier: "Ich werde keine 15 Jahre mehr Handball spielen. Aber ich möchte diese Mannschaft so lange unterstützen, wie es nur geht. Und: Ich möchte mit dieser Mannschaft nochmal aufsteigen." Im Bus ertönt Applaus, danach wird der Redner mit "es gibt nur ein Ronny Lange" zurück zu seinem Platz begleitet.

 

Elsterwerader SV 94 – MTV Wünsdorf 1910  27:32 (12:13)

 

Elsterwerdaer SV 94: Wolff, Woehl – Spillecke 12 (3), S. Lange 8, Wolta 4, Geppert 3, List, Heidrich, Müller, Haydeyan, Blaßfeld, Degen

MTV Wünsdorf 1910: Barsch, Hirsing – R. Lange 12 (5), Becker 4, Baumann 4 (1), J. Rackwitz 3, N. Seegebrecht 3, Mertes 3, Missal 2, Hawaleschka 1, Wendland

 

Schiedsrichter: Heiko Schulz / Dirk Hoffmann (HSV Senftenberg) – verteilten ausgeglichen Zeitstrafen, behielten in den hitzigen Phasen den Überblick, übersahen aber einige Schrittfeherl

 

Gelbe Karten: List, Geppert – Wendland, N. Seegebrecht

Zeitstrafen: 10:11 (2x List, 2x Wolta, 2x Geppert, 2x Heidrich, Haydeyan, S. Lange – 2x Baumann, 2x N. Seegebrecht, 2x Mertes, 2x J. Rackwitz, 2x Missal, R. Lange)

Rote Karten: -