Wölfe bei Twitter

Wölfe nah am Derbysieg

... und plötzlich stand es Unentschieden

Wünsdorf und Schöneiche zeigen Derby voller Leidenschaft

20160404 Schoeneiche

 

von Conrad Hipp

„Hier regiert die SGS“ in der Paul-Schumann-Halle. Wenige Augenblicke nach der Schlusssirene feiern die Gästefans der SG Schöneiche  den gewonnenen Punkt. Keine Schnapslänge zuvor bibberten die mitgereisten Anhänger noch um Zählbares. Denn: So richtig regiert hat die SGS eben nicht. Das taten lange Zeit die Wölfe, die SG kam zurück und konnte sich am Ende über einen glücklichen Punkt freuen. Eine stabile Regierung sieht aber anders aus.

Nach diesem hollywoodreifen Derby ist das Rennen um Platz 2 in der Landesliga noch spannender, als es ohnehin schon war. Allerdings hatte der MTV auch deutlich mehr auf der Hand. Nach einer zeitweisen Führung von sechs Toren stand am Ende ein 32:32 (20:15) auf der Tafel. Nach der Punkteteilung und dem zeitgleichen Sieg von Empor Dahme (35:14 gegen Lübbenau) rutschen die drei Teams noch enger zusammen.

Ins Spiel: Für die SGS starten die Ex-Wölfe Steven Werner und Leroy Ulbrich. Mit Anpfiff steigt die Raumtemperatur prompt. Den Gästen gehört der erste Angriff und sofort legt das Traktor-Publikum (einige Anhänger kamen mit dem Traktor des Karnevalsvereins zum Spiel) der SGS los und ballert ihr Team nach vorn. Im Wölfe-Tor beginnt Youngster Carlo Hirsing. Sein Verdienst: Eine bombenstarke Leistung gegen die Lausitzer Wölfe eine Woche zuvor und ein nicht vorhandener Jetlag. Den hatte Nils Barsch, der am selben Morgen erst aus dem Karibik-Urlaub wieder zurückkehrte. "Wir haben vor dem Spiel versucht, den Druck etwas aus den Köpfen zu nehmen und mit motivierenden Worten die Jungs heiß zu machen", erzählt Wölfe-Coach Sven Neuendorf.

Der Tabellenzweite eröffnet die Partie, Christopher Ewald erzielt das 0:1. Bis zum 2:2 beginnen beide Teams auf einer Höhe, dann drehen die Wölfe richtig auf. In der Abwehr packt der MTV richtig zu. Der Block steht, Hirsing pariert. Justin Rackwitz legt für Lars Baumann auf, schon in der 6. Minute stellt der per Konter auf 5:2. "Man hat bei jedem Akteur gesehen, dass der Wille und Ehrgeiz besonders hoch war. Wir haben im Trainerstab die richtigen Worte gefunden. Trotzdem muss ich sagen, dass ich etwas überrascht war, dass wir so gut in die erste Hälfte gestartet sind", lobt Neuendorf den Start. 

Schöneiche tut sich unglaublich schwer, richtig ins Spiel zu kommen. Wünsdorf krallt sich an die vier Tore Vorsprung, zeigt in der Offensive eine extrem hohe Effektivität, macht wenig Fehler. Somit wird Schöneiche gezwungen, einem Rückstand hinterherzulaufen. Nach 13 Minuten wird Wölfe-Routinier Ronny Lange in Manndeckung genommen. Ein Rezept, was Schöneiche im Hinspiel sehr gut geholfen hat. Diesmal bringt diese taktische Maßnahme nicht erwarteten Erfolg, weil das Rudel als Kollektiv Verantwortung übernimmt. Baumann bleibt an der Siebenmeterlinie locker, trifft für die Wölfe. Lange lobt: "Großes Kompliment! Lars hat in diesem Spiel Verantwortung übernommen und sich mit nichts aus der Ruhe bringen lassen. Starker Auftritt!"

Den liefert aber nicht nur Baumann, sondern die komplette Wölfe-Truppe. Schönyeiche verzweifelt, findet in der ersten Hälfte einfach zu wenig Antworten. Die Gästefans verzweifeln, trauen beim Blick auf den Spielstand ihren Augen kaum. Kurz vor der Pause traut sich Hirsing den langen Pass auf Max Hawaleschka – fangen, umdrehen, werfen – 20:14 (29.). Ein intensives Spiel und die wohl beste Halbzeit der Wölfe in der laufenden Spielzeit.

 

Halbzeitstand: MTV Wünsdorf 1910 – SG Schöneiche 20:15

 

Vor dem Spiel hat Schöneiche einen Schnitt von 23,6 Gegentoren pro Spiel. Im Wolfsrevier klingelte es allein in der ersten Hälfte schon 20 mal. Der Baustein für einen großen Handballabend ist gelegt, 30 Minuten fehlen noch. Und diese zweiten 30 Minuten beginnen holprig. Die Wölfe verprassen die ersten drei Wurfmöglichkeiten und zeigen somit, dass sie auch am heutigen Tage verwundbar sind. Die SGS wittert die Chance, scheitert aber am bockstarken Hirsing in der Wölfe-Box, der gleich zwei Bälle nacheinander entschärft. Wünsdorf macht die Tür auf, Schöneiche nutzt die Fehler der Wölfe zunächst nicht. Schöneiches ehemaliger Keeper Marco Zwanzig läuft auf der Tribüne von rechts nach links, ist mit seiner Truppe komplett unzufrieden. 

Doch plötzlich schmilzt der Vorsprung des MTV. Tor für Tor schleicht sich die SGS heran. Die Gäste agieren jetzt mit der nötigen Erfahrung und behalten die Ruhe. Der MTV verpasst in dieser Phase, den Deckel drauf zu machen. Neuendorf analysiert: "Wir haben ein paar Aktionen zu schnell abgeschlossen und haben etwas unvorbereitet den Torabschluss gesucht. Das war eine Phase, wo wir nicht voll konzentriert waren, das hat Schöneiche dann ausgenutzt."

Zur Schlussviertelstunde sind die Gäste wieder ran. Zur Mega-Stimmung in der Halle kommt jetzt noch ein Spiel, was deutlich aussah und nun zu kippen droht. Doch trotz des zwischenzeitlichen Ausgleichs zum 27:27 steckt der MTV nicht zurück. Baumann fliegt durch die Abwehr, bringt die Wölfe-Führung zurück. Nils Seegebrecht bedient einen starken Rackwitz am Kreis – 29:27 (51.). Wünsdorf und Schöneiche zeigen jetzt ein unglaublich intensives Spiel. Trotz der Spannung und Rivalität sieht die proppevolle Paul-Schumann-Halle ein sehr faires Duell der beiden Nachbarn. "Mega-Stimmung in einer vollen Halle. Dazu ein Spiel, was spannender nicht sein kann. Ein Krimi, den man nicht besser schreiben kann", findet auch Marco Zwanzig, der in den Schlussminuten erst recht nicht mehr sitzen kann. Die gesamte Halle steht, beide Fanlager machen Alarm, sodass jede Traineranweisung übertönt wird. "Die Stimmung war sensationell, eine tolle Atmospähre. So macht Handball noch mehr Spaß", freut sich Neuendorf.

75 Sekunden vor dem Ende haben die Wölfe den endgültigen Sieg auf der Hand. Beim Stand von 32:31 sind die Wölfe in Ballbesitz, ziehen die grüne Karte. 75 Sekunden, in denen die Wölfe mit einem Tor den Sack zu machen können, aber Fehlalarm. Das Netzt bleibt ruhig, stattdessen hat die SGS jetzt die Chance auf den Punkt. Als Schöneiche den grünen Karton zieht, sind noch 25 Sekunden auf der Uhr. In jedem Quadratzentimeter Luft ist jetzt die Anspannung zu spüren. Fünf Sekunden vor dem Ende packt Schöneiches Pascal Werner den Wurf aus, trifft zum 32:32. "Ich hätte nicht gedacht, dass er so einen auspackt", sagt Wölfe-Keeper Barsch nach dem Spiel. Wünsdorf versucht einen letzten Angriff mit der Brechstange – vorbei, unentschieden. "Da war für uns ein Sieg drin. Im Vergleich zum Hinspiel ist das für uns dennoch ein Erfolg. Vor allem, weil man gesehen hat, dass die Mannschaft sich weiterentwickelt hat. Ich bin stolz auf das Team und wir sehen den verlorenen Punkt nicht als Misserfolg", resümiert Neuendorf.

Am Ende feiern beide Seiten. Die SGS hüpft vor ihren Fans durch die Halle, auf der Wölfe-Seite ein ähnliches Bild. Schöneiche und Wünsdorf werden in dieser Saison nicht mehr aufeinander treffen. Für die Lebenserwartung der Handballfans wohl auch besser so. Zwanzig: "Jede Woche so ein Spiel und die Herz-Kreislaufprobleme in dieser Region würden stark zunehmen." Werbung für den Handball der Stadt Zossen war es dennoch...

 

MTV Wünsdorf 1910: Barsch, Hirsing – Baumann 10 (3/3), Lange 7 (1/2), Missal 5, J. Rackwitz 4, Wendland 2, Mertes 2, Seegebrecht 1, Hawaleschka 1, Reichert, Becker

SG Schöneiche: Haubold, Sitek – S. Werner 11 (10/10), P. Werner 6, M. Große 4, Ewald 4, Ehmke 3, Ulbrich 2 (2/2), Busch 2, Eggen, Raasch, C. Große

Schiedsrichter: Gerald Heldt (HSG Schlaubetal) / Andreas Wisnowsky (HSC 2000 Frankfurt/Oder) – behielten über 60 Minuten die Ruhe in einem packenden Derbyfight und griffen wenig in die Partie ein

Gelbe Karten: J. Rackwitz, Baumann – Ehmke, C. Große, Kasubke (Gelb gegen die Bank)

Rote Karten:

Zeitstrafen: 5:5 (Lange, Missal, Baumann, Seegebrecht, Wendland – 2x P. Werner, Balster, S. Werner, C. Große)

Siebenmeter: 4/5 – 12/12