Wölfe bei Twitter

teaser dahme

von Conrad Hipp

Ideale sind wie Sterne.
Man kann sie nicht erreichen,
aber man kann sich an ihnen orientieren…

Ein kurzes Weihnachtsgedicht! Es spricht von Orientierung. Orientierung, welche die Wölfe, noch mehr aber das Gespann der Unparteiischen, am Samstagabend in der Paul-Schumann-Halle vergeblich suchten.

Die Fakten: Die Wölfe verlieren ihr Heimspiel gegen Dahme mit 23:28 (11:16), überwintern dennoch auf Platz zwei der Landesliga. Eine Niederlage, die wohl darauf zurückzuführen ist, dass sich ein Großteil der Spieler mental kaum auf das Spiel einstellen konnte.

Die Wölfe erwischen einen gebrauchten Tag. Die halbe Truppe ist zuvor in der A-Jugend-Kreisliga in Werder unterwegs. Die Jungs verlieren, kommen ungeduscht und hektisch in die Halle. Kaum Zeit, um sich mental aufs Spiel vorzubereiten. „Da hat man sicher noch die Niederlage aus Werder im Kopf gehabt. Mental auf jeden Fall eine extrem schwere Situation“, gesteht auch Lars Baumann ein. Ein Zustand, dem man den Wölfen anmerkt. Die Konzentration halbgar. Abspielfehler, Fehlwürfe, billige Gegentore die Folge.

Dazu kommt ein Schiedsrichtergespann, bei dem keine Kugelschreibermine durchhält, wenn man die Fehler auch nur stichpunktweise mitschreibt. Vor der Partie sind die Referees des SV Motor Hennigsdorf völlig entspannt. Es entsteht wenig Sorge, dass die jung und frisch wirkenden Schiedsrichter, dieses Spiel aus der Hand gleiten lassen. Ein trügerischer Eindruck.

Die Zahlen zum Protokoll: 20 Zeitstrafen!!! Vier rote Karten, davon eine mit Bericht! Auch durch die vielen Zeitstrafen und viele strittige Entscheidungen kommt der MTV über 60 Minuten lang nie in einen wirklich guten Spielrhythmus.

screen twitterZum Sportlichen: Das Spiel beginnt mit zehn Minuten Verspätung. Der MTV bittet Dahme und die Schiedsrichter Bert Fischer und Daniel Konietzka (SV Motor Hennigsdorf) um einen verspäteten Anpfiff. Der Grund: Das Spiel der A-Jugend in Werder. Es dauert länger als geplant. Baumann, Rackwitz und Co. rennen um 18.15 Uhr in Badelatschen übers Feld. Ab in die Kabine, Trikot wechseln, rauf auf die Platte. Die Wölfe schalten vor dem Spiel das Licht aus, eine bunte Lasershow zur Spielervorstellung leuchtet ein zum vorweihnachtlichen Sportfest. 

Der MTV beginnt mit Carsten Rakowski im Tor. Auf dem Feld starten Christian Mertes, Ronny Lange, Rijad Jahic, Justin Rackwitz, Tim Wendland und Marius Luchmann. Den jungen Spielern fällt es so kurz nach dem A-Jugend-Spiel schwer, ins Spiel zu kommen. Zusätzlich nimmt die Truppe des ehemaligen Wünsdorfer Karsten Krieg MTV-Routinier Ronny Lange von Beginn an in Manndeckung. „Er hat sich ja während des Spiels schon bei mir entschuldigt“, erzählt Lange nach dem Spiel mit versuchter guter Laune. „Dem tat es leid, dass er mir so auf die Nerven ging. Hat er aber gut gemacht. Ich glaube, der wäre mir sogar bis aufs Klo gefolgt“, so Lange. Wünsdorf findet wenig Zugriff aufs Spiel.

Hinzu kommt, dass die Schiri schon früh im Spiel versuchen, den Zuschauern ihren Zeige- und Mittelfinger möglichst schmackhaft zu machen. Lutz Krakowitzky bekommt bereits in der 5. Minute das erste Strafsitzen, weil er Jahic am Freiwurf hindert. Die Entscheidung hart, aber nachvollziehbar. Danach beginnt Dahme, die 80%-Deckung der Wölfe auszuhebeln. Immer wieder fallen Tore der Kategorie „zu leicht“. Wünsdorf bemüht, aber nicht konsequent genug. Denny Philipp lässt es in der Abwehr richtig klingeln. Nach seinem Block flattert der Ball flink nach vorn, Max Hawaleschka schießt aber mit seinem Konter nur die Farbe von der Wand. Wünsdorf ist vom Kopf her einfach nicht ganz auf der Höhe, offensiv wie defensiv. Die Gäste setzen sich Tor für Tor ab, führen bei der Wölfe-Auszeit schon mit 9:5 (16.).

Die Punkte in Geschenkpapier wickeln und per Schlitten nach Dahme fahren… ist nicht! Wünsdorf kämpft, versucht, auch nur irgendwie ins Spiel zu kommen. "Wenn man bedenkt, unter welchen Umständen das Spiel begann, haben die Jungs ihr Bestes versucht", sagt MTV-Coach Michael Löhnwitz. Sieht dann so aus: Baumann mopst die Murmel wie der Grinch die Weihnachtsgeschenke, liefert aus an Levent Altin, der die Klister-Kugel zum 9:13 an den Baum hängt (23.). Es lief nicht immer alles zusammen beim MTV, aber ab und zu funktionierte eben doch etwas. Mit fortlaufender Uhr mischt sich dann der Reizfaktor Schiedsrichter in den Spielverlauf. Zu Weihnachten gibt´s für die Zuschauer erhöhten Blutdruck und hohen Puls für wenig Geld.

dahme refsBrennpunkt 28. Minute! Angriff Dahme. Empor produziert einen Fehlwurf. Nach dem der Ball in der Wand eingeschlagen hat, fliegt die grüne Karte. Die Schiedsrichter diskutieren, ob das Auszeit-Ticket vor oder nach dem Wurf gelöst wurde. Entscheidung: keine Auszeit! Logische Konsequenz: Abwurf. Einmal gelacht und dann gestaunt. Es gibt Ecke für Werder. Foul, Block, was war es denn nun? Die Frage: Wieso darf Dahme die Auszeit nicht nehmen, bleibt aber trotzdem in Ballbesitz? Die Erklärung der Schiris nach dem Spiel: In dem Moment, wo die Sirene ertönte, war der Ball in der Luft. Nachvollziehbar! Aber warum Ecke? Der verblüffende Erklärungsversuch: Weil der Torwart noch dran war. Die Logik: Wäre der Torwart dran gewesen, wäre Ecke die mit Abstand schlechteste Entscheidung, die man hätte treffen können. Die Wahrheit: Beim Wurf war niemand dran, weder Torwart noch Abwehrspieler und auch Knecht Ruprecht hat seine Rute da nicht mehr in der Wurfbahn.

Mit reichlich Diskussionstoff, leisen Pfiffen gegen die Unparteiischen und einem Hauch von „puh, hab ich mir anders vorgestellt“, geht es in die Pause. 

 

Halbzeitstand: MTV Wünsdorf – TSV Empor Dahme 11:16

Bildschirmfoto 2015 02 22 um 23.21.28Abschnitt zwei, ähnliches Bild. Wünsdorf ist weiterhin nicht ganz da, findet wenig Mittel um wirklich gut ins Spiel zu kommen. André Zogbaum und Marcus Urbasch stellen fix auf 11:18, die Chance auf was Brauchbares minimiert sich zunehmend. Die Zuschauer erleben zwar keinen knappen Spielstand, langweilig wird's aber trotzdem nicht. Dahmes Bennet Krippstaedt fährt bei einem Konterversuch das Bein aus, legt Mertes mit der langen Pieke und unterbindet so den MTV-Konter. Das großzügige Urteil: Freiwurf, keine Zeitstrafe. Das Schiedsrichtergespann unterhält das Wünsdorfer Publikum mit Entscheidungen, die ordentlich für Lautstärke sorgen. Für Urbaschs Gesichtstreffer gegen Philipp gibt es nicht einmal einen Freiwurf. Ronny Lange bekommt bei einem Zweikampf unbeabsichtigt einen Schlag ins Gesicht, bleibt verletzt liegen. Bei der nächsten Möglichkeit unterbricht der Schiedsrichter, zählt Lange an, er solle nicht schauspielern. 

Klar, denn die Schiedsrichter betteln an diesem Abend darum, ganz allein für die Unterhaltung zu sorgen. Anderweitige Aufmerksamkeit durch technische Fehler wollen sie gar nicht erst dulden. Und Fehlpässe wie Fehlwürfe gab es an diesem Abend doch reichlich. Beim Stand von 11:21 waren die Zahlen geklärt, Dahme packt sich zwei Punkte unter den Weihnachtsbaum. 

Lobenswert: Statt den Kopf hängen zu lassen, raffen sich die Wölfe auf. Rakowski hält den Siebenmeter von Albrecht und die Wölfe alarmieren nochmal ihre Beute-Abteilung. Rumtata, plötzlich geht´s auf der Platte nochmal rund und auf einmal steht 18:23 auf dem Tacho und noch zehn Minuten Restspielzeit. Wünsdorf zeigt eine tolle Moral, will über den Kampf ins Spiel. Das wird aber ziemlich fix gebremst. Selbst Dahme-Keeper Nico Peter grinst auf der Bank über einige Pfiffe. „Wenn die nicht so pfeifen würden, wäre es ein richtig spannendes Spiel“. Aussage genug!

freizeit oaseAls Denny Philipp sich bei einer Abwehraktion verletzt, zieht Wölfe-Coach Michael Löhnwitz die grüne Karte. Die Schiedsrichter geben der Auszeit statt, erst danach rufen sie die Betreuer zur Behandlung aufs Feld. Das Ergbenis: Erst nach 45 Sekunden begeben sich die Spieler zur Bank, fangen an zu reden. Kurzerhand wird die Auszeit um eine weitere Minute verlängert. Philipp muss mit einem kaputten Unterarm ins Krankenhaus, gegen Mitternacht die Entwarnung: Kein Bruch! Ausfallzeit dennoch ungewiss. Er verlässt mit geschientem Arm das Krankenhaus.

Wünsdorf ist nach der Auszeit weiter am Drücker, doch den Anschluss versauen sie sich selbst. Hawaleschka scheitert in doppelter Überzahl am starken Torwart Rainer Dornow, Baumann gehts im Nachfassen ähnlich. Der MTV zeigt offensiv weiterhin zu wenig Durchsetzungskraft, vergibt schlussendlich auch viel zu viel gute Würfe. 

Trotzdem sehen die Zuschauer eine bunte Partie. Zu den sieben Zeitstrafen der ersten Hälfte gesellen sich stolze 13 in der zweiten! 20 Zeitstrafen lassen ein überhartes Spiel vermuten, war es aber nicht. Insgesamt fliegen in Hälfte zwei drei Spieler mit drei Zeitstrafen und damit mit Rot vom Feld. Dazu ist im Abschnitt „rote Karten“ noch Platz für Levent Altin. Nachdem Rakowski 90 Sekunden vor Feierabend meckert und die letzte Zeitstrafe des Abends eintütet, kommt Altin in die Kiste. Bei einem Konter von Dahme verlässt er das Tor, verschafft sich einen Überblick über die Situation. Am Dahme-Spieler fliegt er vorbei, gesteht danach: „Ich habe seinen Arm aber berührt.“ Trotzdem kommt Dahme noch ungehindert zum Wurf, der Treffer zählt nicht. Stattdessen gibt es in der letzten Sekunde die rote Karte mit Bericht. Dem Regelwerk vielleicht entsprechend, aber dennoch eine ziemlich harte Entscheidung. Altin muss jetzt mit einer Strafe rechnen, vielmehr als die Minimalstrafe von 14 Tagen sollte diese aber wegen fehlender Fahrlässigkeit und Härte beim Foul nicht betragen. Der Verband wird die Höhe der Strafe vermutlich in der kommenden Woche fällen.

Schlussendlich verliert der MTV mit 23:28 gegen Empor Dahme, die am Ende zwei Punkte feiern. Der MTV ist bedient und überwintert auf dem 2. Platz der Landesliga. Löhnwitz: "Wir haben trotz der Niederlage eine tolle Hinrunde gespielt. Wir haben schönen Handball gesehen und haben noch Luft nach oben. Daran werden wir in der Rückrunde weiterhin akribisch arbeiten." Auch der Trainer verabschiedet sich dann in die Weihnachtsferien. "Jetzt wünsche ich unseren Fans erst einmal ein besinnliches Weihnachtsfest und hoffe, dass die toll Unterstützung auch im neuen Jahr weitergeht."

 

MTV Wünsdorf 1910 – TSV Empor Dahme 23:28 (11:16)

MTV Wünsdorf 1910: Barsch, Rakowski – Altin, Jahic, J. Rackwitz, Hawaleschka, Luchmann, Missal, Lange, Baumann, Wendland, Mertes, Philipp

Empor Dahme: Dornow, Peter – Urbasch, Minkwitz, Kühne, Rathert, Krakowitzky, Zogbaum, Reinknecht, Kampfhenkel, Krippstaedt, Tischer, Albrecht

Schiedsrichter: Bert Fischer / Daniel Konietzko (SV Motor Hennigsdorf) – zeigten über 60 Minuten keine klare Linie und waren sich in auffällig vielen Situationen nicht einig

 

Gelbe Karten: Philipp, Luchmann – Urbasch

Zeitstrafen: 10:10 (3x Lange, 2x Luchmann, Atlin, J. Rackwitz, Rakowski, Philipp, Missal – 3x Krakowitzky, 3x Kühne, 2x Zogbaum, Urbasch, Krippstaedt)

Rote Karten: Krakowitzky (Dahme/39. wegen dritter Zeitstrafe), Lange (Wünsdorf (45. wegen dritter Zeitstrafe), Kühne (Dahme/49. wegen dritter Zeitstrafe), Altin (Wünsdorf/60. wegen eines Torwart-Fouls in der Schlussminute)

 

Fotogalerie

opel autohaus