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von Conrad Hipp

Die Wünsdorfer Wölfe haben in ihrem fünften Saisonspiel den vierten Sieg einfahren können. Mit einigen Ausfällen und einer extrem jungen Truppe gewannen die Wölfe dabei eine erwartet schwere Partie. Mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung und viel Geduld konnte das Wolfsrudel die Punkte beim Vorletzten einfahren. Beste Werfer des Nachmittags waren die beiden ältesten des Kaders, Ronny Lange (32) und Marcel Missal (22) mit je sieben Toren.

Ein Blick auf die Tabelle vor dem Spieltag warf ein trügerisches Bild auf diese Partie. Grün-Weiß Plessa, mit drei Pleiten aus drei Spielen gestartet, empfangen vom vorletzten Tabellenplatz aus den MTV Wünsdorf, der aus vier Spielen drei Siege mitnehmen konnte. "Die Tabelle darf heute keinen interessieren. Wir gucken von Spiel zu Spiel", erklärte Trainer Michael Löhnwitz bereits vor dem Auftritt bei den Grün-Weißen. Wahrhaftig hatte die Tabelle wenig Aussagekraft hinsichtlich dieses Spiel, so groß, wie die Ausfallliste des Rudels war. Die Personaldecke wurde bereits auf der Torwartposition dünn. Carsten Rakowski war beruflich verhindert, Nils Barsch (20) also einzige Option. Auf dem Feld fehlten vor allem routinierte Kräfte, die Erfahrung mit auf die Platte bringen. Daniel Grau (26) fehlte berufsbedingt, die Kapitäne Sven Neuendorf (22) und Nils Seegebrecht (21) sind noch in der Genesungsphase und Christian Mertes (34) laboriert an einer Knieverletzung. Ergebnis: Mit Ronny Lange (32) steht nur ein Ü23-Spieler im Kader, der Altersdurchschnitt der Wölfe: 19 Jahre, elf Monate! Mit dabei waren allerdings viele Zuschauer, die den weiten Weg nach Elsterwerda antraten um den MTV zu unterstützen. 

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Ins Spiel: Das Wolfsrudel startet mit Nils Barsch (20) in der Kiste. Auf dem Feld bauen Levent Altin (18), Marcel Missal (22), Ronny Lange (32), Justin Rackwitz (17), Max Hawaleschka (17) und Marius Luchmann (18) den ersten Angriff auf. Doch das Spiel wird wie erwartet schwer. In der Abwehr fehlt etwas die Ordnung, im Angriff ist das Spiel zu statisch. Über zwei Minuten dauert es, bis zum ersten Mal die Murmel im Netz liegt. Mario Gärtner trifft für die Hausherren zum 1:0. Die Wölfe brauchen lange, um ins Spiel zu kommen. Erst nach sechs Minuten überwindet das MTV-Rudel Plessa-Keeper Jürgen Gärtner, Justin Rackwitz trifft zum 3:1. Wünsdorf holt jetzt zumindest den Rückstand auf, erneut trifft Rackwitz, diesmal zum 5:5 nachdem Barsch zuvor gegen Sven Hietzke parierte. 

lange-bu"Wir haben uns schwer getan, ins Spiel zu kommen. Wir hätten von Anfang an unsere Schnelligkeit ausspielen müssen", resümierte Lange. Dazu kommt, das Missal früh im Spiel einen Schlag auf den Schleimbeutel im Ellenbogen bekommt und danach mit angeschwollenem Gelenk spielt. Trotzdem kriegt Missal guten Zugriff in der Offensive, trifft seine Würfe aber weniger wegen des hohen Drucks hinter dem Ball, sondern mehr durch Genauigkeit. Das Spiel gestaltet sich ziemlich unruhig, beide Seiten lassen sich wenig Zeit bei ihren Spielzügen. Stattdessen wird schnell Druck aufs Tor entwickelt, was einige Fehler auf beiden Seiten mit sich bringt. Die Erwartungen der Wölfe erfüllen sich. Schnell wird klar, dass wird ein richtiger harter Fight um die Punkte. Nach 18 Minuten tankt sich Altin im Konter durch, trifft zur ersten Wölfe-Führung (7:8). Wünsdorf baut die Führung jetzt sogar, das Rudel steuert anscheinend in die Richtung, wie es die Tabelle vermuten lässt. Doch Plessa kommt zurück, weil die Wölfe erneut statisch in der Offensive spielen, ihre Chance zu wenig nutzen. So wird kurz vor der Pause aus einem 9:11 ein 13:12 für die Hausherren. Für die Wölfe wird das Spiel beim punktlosen Vorletzten zu einem Geduldsspiel.

 

Halbzeitstand: HV Grün-Weiß Plessa – MTV Wünsdorf 1910  13:12

 

screen-tweetHälfte zwei beginnt verlockend für die Wölfe. Der erste Ballbesitz gehört den Grün-Weißen, Baumann klaut den Ball nach nur wenigen Sekunden, netzt zum 13:13 ein – alles wieder ausgeglichen. Bei den Wölfen sortiert Lange die Offensive, nimmt sich immer wieder ein Herz und erarbeitet gute Wurfgelegenheiten für sich und seine Nebenmänner. "Wir haben den Kampf angenommen und mit einer starken Mannschaftsleistung das Spiel gedreht", so Lange. Auf der Tribüne gehen die beiden Kapitäne Nils Seegebrecht und Sven Neuendorf mit, versuchen so gut es geht auf das Spiel einzuwirken. Lange setzt ein Zeichen, tankt sich bei einem Konter im Eins gegen Eins entschlossen durch und netzt per Dreher zum 15:14 (35.) ein.

Den Wölfen hilft jetzt auch, dass Torwart Nils Barsch in seiner Box richtig aufdreht. Nach einer Parade fliegt die Kugel schnell nach vorn zu Altin, der von André Pötsch von den Beinen geholt wird. Das zu diesem Zeitpunkt schon überforderte Schiedsrichterpaar Jürgen Frind / Roland Richter (Massen) zeigt Pötsch die gelbe Karte, eine Zeitstrafe wäre hier wohl die logischere Schlussfolgerung gewesen (43.). Beeindruckt die Wölfe aber nur wenig, Rackwitz trifft und stellt auf 18:19. In der Defensive ist wieder Barsch zur Stelle, macht in Unterzahl die Ausgleichs-Chance zu Nichte. Wieder schaltet der MTV schnell um, Lange trifft vorn – 18:20. Plessa rennt wieder an, Barsch hat die Kugel! 

Plessa wirkt jetzt beeindruckt. Die Moral der Wölfe ist anscheinend stärker als die eigene, die Hausherren beginnen mit dem Zweifeln am Sieg. Die Wölfe gehen weiter drauf, merken, dass der Gegner angeknockt ist und wollen jetzt die geschlossene Teamleistung belohnen. Rackwitz hat die Drei-Tore-Führung in der Hosentasche, trifft per Hüftwurf von Halbrechts zum 19:22 (46.). Für Plessa wird die Luft jetzt dünn, gibt´s wieder keine Punkte? In der Schlussphase sieht man an der Körpersprache, wer oben und wer unten in der Tabelle steht. Die Brust der Wölfe wird breiter. Trotz des schwierigen Spielverlaufs sieht man jetzt mehr Sicherheit und Glaube an den Sieg im Wolfsrudel.

barsch-buDie Wölfe übernehmen jetzt die Kontrolle über das lange ausgeglichene Spiel. Die Gastgeber versuchen es aus dem Rückraum, Barsch hat erneut die Finger dran, kann auch den zweiten Versuch vom Kreis entschärfen. Weil Wünsdorf in der Abwehr jetzt die Ballwege gut versperrt, bekommt Plessa wenig Zugriff und kann den Rückstand dadurch nicht bearbeiten. Die Wölfe hingegen machen ihr Spiel in der Offensive jetzt breit und gestalten ihre Spielzüge geduldig. Missal klebt den Ball trotz dickem Ellenbogen in den Winkel, erhöht auf 20:24 und stellt den Vorsprung damit erstmals auf vier Tore. Baumann kontert danach zum 20:25, nach einer Barsch-Parade steht schnell das 20:26 auf der Anzeigetafel. 

Die Schlussminuten brechen an, Plessa trifft nach einigen torlosen Minuten mal wieder den MTV-Kasten, versucht sich in der Abwehr nochmal zu stabilisieren. Wünsdorfs Angriff wird abgepfiffen. Bevor Missal den Ball ablegen kann ist der erste Plessa-Spieler ran, drückt Missal zur Seite. Der drückt zurück und dann kommt Hietzke angerauscht und trifft den MTV-Rückraumspieler im Gesicht. Die Entscheidung des Gespanns: Zeitstrafe Missal, Zeitstrafe Hietzke... Eine mehr als fragwürdige Entscheidung.

Kurz vor dem Ende verkürzt Plessa nochmal auf 25:28, Zeit für eine Besprechung auf der Wölfe-Bank. Der MTV lässt jetzt aber nichts mehr anbrennen, spielt es unter dem Jubel der mitgereisten Fans souverän runter. "Ohne Wünsdorf wär hier gar nichts los", tönt es von der Tribüne. Auch der Trainer freut sich über die gute Stimmung. "Es war toll zu sehen, dass so viele Zuschauer die weite Reise angetreten sind um uns zu unterstützen. Da war auf der Tribüne bei uns heute deutlich mehr los als bei Plessa", so Löhnwitz.

kreis-buFür die Galerie war dieser Sieg nicht, aber der MTV hat gerade in der zweiten Hälfte eine tolle Moral gezeigt. "Für diesen Sieg war viel Geduld notwendig. Die hat die Mannschaft mitgebracht, sich nicht nervös machen lassen. Es war ein sehr schwieriges Spiel, aber die Mannschaft hat sich heute als Einheit auf die Platte gestellt und Lösungen gefunden", lobte der Coach.

Jetzt hat der MTV ein Wochenende spielfrei, bevor der HC Bad Liebenwerda II am 14. November (18.30 Uhr) ins Wolfsrevier kommt. 

 

HV Grün-Weiß Plessa – MTV Wünsdorf 1910  26:30 (13:12)

HV Grün-Weiß Plessa: J. Gärtner – Pötsch, Hartstein, Hietzke, Hoyer, Haupt, Lang, Klave, Strehlow, M. Gärtner, Nicklisch, Siegemund

MTV Wünsdorf 1910: Barsch – Altin, Jahic, J. Rackwitz, Hawaleschka, Pienz, Luchmann, Lange, Missal, Baumann

Schiedsrichter: Jürgen Frind / Roland Richter (Germania Massen) – waren frühzeitig im Spiel überfordert und brachten durch beidseitige Fehlentscheidungen zusätzlich Unruhe ins Spiel.

Gelbe Karten: Hoyer, Pötsch – J. Rackwitz, Lange, Altin, Löhnwitz

Rote Karten: 

Zeitstrafen: 5:5 – (2x Lang, Hoyer, Hietzke, Siegemund – 2x Missal, Altin, Baumann, Lange)

Siebenmeter: 4/5 – 1/2

Die Ergebnisse vom Wochenende: 

Datum Zeit Spiel         Tipp        
31.10.2015 15.30 Grün-Weiß Finsterwalde II – Elsterwerdaer SV 94 28:24
  18.00 SSV Lübbenau – SV Eintracht Ortrand 23:19
  18.30 HC Bad Liebenwerda II – TSV Empor Dahme 25:28
01.11.2015 15.00 SG Lausitzer Wölfe – Chemie Guben 13:31
  16.00 HV Grün-Weiß Plessa – MTV Wünsdorf 1910

26:30

 

Der Spielbericht des Gegners

Ordentliche Leistung bleibt leider unbelohnt

Quelle: hv-plessa.de

 

Trotz einer ordentlichen Teamleistung standen die Plessaer Handballer am Ende einer von beiden Seiten bissig geführten Landesligapartie erneut ohne Punktgewinn da. 

Mit einem Traumstart zum 3:0 zeigten die Grün-Weißen sofort, dass sie unbedingt die ersten Zähler einfahren wollten. Die überraschten Gäste fanden langsam ins Spiel und schafften nach 12 Spielminuten beim 5:5 erstmals den Ausgleich. In dieser Phase nutzten die Wünsdorfer ihre Chancen effektiver als die gastgebende Sieben. Zwar erspielten sich die Grün-Weißen gute Torchancen, doch die Zielstrebigkeit und mangelnde Konzentration beim Verwerten dieser Möglichkeiten verhinderte ein noch besseres Halbzeitresultat. Dennoch hatte man sich nach einem zwischenzeitlichen Rückstand die knappe 13:12 Pausenführung redlich verdient.

Auch zu Beginn des zweiten Spielabschnittes erwiesen sich die Gastgeber den favorisierten Gästen als ebenbürtig und versuchten über eine kompakte Abwehrarbeit mit einem gut haltenden J. Gärtner schnelle Gegenstöße einzuleiten. Mitte der zweiten Hälfte gelang es den Gästen allerdings besser die zum Teil recht offene Deckungsmitte des Kontrahenten aus zu nutzen, um einige Tore aus dem Rückraum zu erzielen und dabei ein 22:26 vorzulegen.
Nun hatten es die Grün-Weißen schwer ihrerseits noch einmal zurück zukommen. Zwar bemühte man sich um Ergebniskorrektur, aber die Gäste erwiesen sich in den entscheidenden Situationen einen Tick abgeklärter und nahmen die zwei Punkte mit auf die Heimreise.